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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-24 · Heft 17 (24.4.1866) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 17 (24.4.1866)
Date
1866-04-24
Page
Seite 266 (sequence 10)
Language
German
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DWWWWMM WWW ffMWWW V'V: ^V'-SK m Jahren in treuester Hingebung angehörte, und deren Schmerz von sechs Kindern getheilt wird, die sich durch des Todes unerbittliche Gewalt des liebevollsten Vaters beraubt sehen. In ihm verliert die Gemeinde/ der er angehörte, einen Kanzelredner vonseltener Begabung, dem die Macht der Rede, wie nur Wenigen, verliehen war, und dessen unerschütterliche Pflichttreue noch bis in die letzten Wochen seines Lebens dem nagenden Siechthum widerstand. Nicht minder wird die unermüdliche und erfolgreiche Thätigkeit des Verstorbenen von Allen vermißt werden, die zur Förderung humaner Zwecke seine stets bereitwillige Mitwirkung in Anspruch nahmen. Liebevoll und schonend begegnete er denen, die zur Vermittelung privater Wohlthätigkeit seine Fürsprache suchten, und selbst, wo er eine Bitte versagen mußte oder seine Bemühungen erfolglos waren, wußte er mit herzgewinnender Liebenswürdigkeit Trost und Ermuthigung zu spenden. ' Dr. Naphtali Frankfurter wurde im Jahre 1810 zu Oberdorf in Würtemberg geboren. Von seinem Vater, der selbst Rabbiner war, für den 'geistlichen Stand bestimmt, lag er in Heidelberg und Tübingen humanistischen Studien ob, während er gleichzeitig das schon im väterlichen Hause begonnene Studium der jüdischen Theologie fortsetzte und absolvirte. 9m Jahre 1833 wurde ihm von der philosophischen Fakultät zu Tübingen die Doctorwürde verliehen; bald darauf trat er in die Reihe der Rabbinats-Candidatenein und erhielt als Rabbinatsverweser zu Lehrensteinsfeld seine erste Anstellung. Von dort wurde er nach Braunsbach berufen, das er 1840 verließ, um das Amt eines Predigers am Neuen Israelitischen Tempel zu übernehmen. Hier, wo ein ungleich weiterer Wirkungskreis seiner vielseitigen Befähigung Gelegenheit zu umfassender Bethätigung bot, gelang es ihm bald, neben seinem älteren und viel gefeierten Collegen, vi-. Gotthold Salomon, als Kanzelredner Bedeutung, zu erlangen. Er gehörte als Theologe einer entschieden freien Richtung an, die er, im Anschlüsse an seinen erwähnten Amtsgefährten, mit nachdrücklichster Betonung u. A.; auf den verschiedenen Rabbinerversammlungen der. Jahre 1844—46 bekannte, und der er bis san sein Lebensende treu blieb. Er suchte die Wirkung der Predigt weniger in der Erregung des Gemüthes, als in. der ethischen Läuterung und verkündete zu diesem Zwecke, dem starren Formendienst gegenüber, in ebenso beredter als geistvoller Weise den unvergänglichen, humanen' Inhalt der Religion! Den''glänzendsten und siegreichsten Ausdruck seiner freien Gesinnung enthielt jene weichin bekannt gewordene Predigt, mit welcher er fi<$ am Bersöhnungstage des Jahres 1858 gegen Mället's judenfeindliche, verketzerungssüchtige Capuzinaden wandte. Und wie er seine Zuhörer über allen einseitigen Confessionalismus hinaus auf die allgemeine Aufgabe der Menschheit hinwies, so schloß er sich nicht ein in die Grenzen seiner amtlichen Thätigkeit, sondern becheiligte sich in hervorragender Weise an der Förderung öffentlicher und gemeinnütziger Interessen. Wir erinnern in dieser Hinsicht nicht nur an die nachhaltige Thätigkeit, die er dem Erziehungswesen zuwandte und zunächst als Vorstandsmitglied des 1857 gegründeten Paulinensüfts und Jnspector der damit verbundenen israelitischen Mädchenschule entwickelte, sondern verweisen auch auf seine ausdauernde Betheiligung an der Sache der Mäßigkeitsvereine, und vor Allem an seine Stellung in der Constituante, in welche ihn 1848 das Vertrauen seiner Mitbürger berief. - Vielseitige und herzliche Anerkennung wurde dem unablässig strebsamen Manne zu Theil. In besonders ausgezeichneter Weise erfuhr er diese, als er im Herbste des verflossenen Jahres sein 25jähriges Amtsjubiläum feierte, und nicht nur seine Gemeinde sich zu einem großartigen Ausdrucke liebevollster Hochachtung vereinigte, sondern auch aus allen Kreisen, denen er nahe gestanden, die unverkennbarsten Beweise herzlicher Theilnahme an ihn gelangten. Leider wurde die Freude über den Ehrentag des Jubilars durch den Hinblick auf dessen fortschreitendes Siechthum getrübt. Seine Gesundheit war seit Jahren von einem unheilbaren Leiden untergraben, dessen zerstörende Wirkung durch den Einfluß gramvoller Erlebnisse beschleunigt wurde. Dennoch gab, er sich der Erfüllung seiner Berufspflichten mit dem äußersten Aufwande seiner sinkenden Kräfte hin, und redete an gewohnter Stätte zu seiner Gemeinde, .die der trotz Krankheit und Trübsal von ungebeugter Geisteskraft zeugenden Rede in wehmüthiger Bewunderung lauschte. Noch drei Wochen vor seinem Tode betrat er mit schon wankenden Schritten das Gotteshaus, wo er im ahnenden Hinblick, auf sein baldiges Scheiden früher als gewöhnlich die alljährliche Confirmatton vollzog. Es war ein ergreifender Augenblick, als er am Schlüsse der feierlichen Handlung der Gemeinde seinen letzten Segen spendete und.zu Gott betete, „den Gesunden ein theilnahmvolles Herz für Lei-

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