Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1866)
- Date
- 1866-04-24
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
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begleiten, die Glocken der Kirche läuteten und die Geistlichkeit im Gostüm mit den Chorknaben bildeten Spalier. Herr Gamondo dankte Ln. einem veröffentlichten Briefe und ließ Almosen an die Armen der Hauptstadt ohne Unterschied des Glaubens vertheilen. Wenige Tage vorher hatte sich hier eine veraltete Anklage , des Mittelalters würdig, erneuert: in dem Stadtviertel Cyuscoundjouk entwich ein griechischer Straßenjunge aus hem väterlichen Hause, nachdem er schlecht behandelt gewesen war. Anstatt daß die Eltern ihn aufsuchten, laufen sie zur Polizeibehörde, um die Juden zu beschuldigen, ihr Kind geraubt zu haben, und ihnen das Bedürfniß von Christenblut zur Verfertigung des Osterbryts anzudichten. Wie immer geht die Verläumdung von der unteren Classe aus, die gebildete Classe vergißt nicht, daß der Sultan die Gleichhett unter seinen Unterthanen wünscht, und wenn der Polizeicommissqr Kourchid-Beh Nachsuchungen in sehr ehrenwerthen Häusern angestellt hat, so hat er sich den Tadel seiner Vorgesetzten zugezogen, in Folge des energischen Einspruches, welchen das Comits der „Alliance“ an Ge. Hoheit Ali-Pascha gerichtet hatte. Indessen hatte sich das Kiud yon selbst wiedergefunden. Amerika. New-Uork, März. (Privatmitth.) Heute habe ich Ihnen einen Act großartiger Generosität von Setten der hiesigen Emanuel- Gemeinde zu berichten. Dieselbe überreichte nämlich vor acht Tagen ihrem Rabbiner Dr. Adler ein Ehrengeschenk von 1000 Dollars. Etwas der Art kann auch nur in dieser Gemeinde vor-, kommen, die nicht nur — was bei allen amerikanischen Reformgemeinden der Fall — die jüdische Intelligenz der Metropole vertritt, sondern auch über große Reichthümer verfügt und zugleich 300 wirkliche Mitglieder zählt, während sonstige informatorische, wie orthodoxe Gemeinden von gleich großer und noch größerer Gliederzähl in der Regel nur einen winzigen Kern von wirklichen Mitgliedern besitzen, der weit überwiegenden Mehrheit nach aber aus bloßen Sitzmiethern bestehen, die ihnen nur mtt halbem Herzen angehören, und jedes Jahr den Rücken zuwenden können. Der Opferwiüigkett New- Dorks sicht am nächsten Cincinnati, woselbst Neulich ein prachtvolles jüdisches Hospital im Kostenbettage von 40000 ' Dollars, errichtet worden. Am traurigsten ist es dagegen in dieser Beziehung um Philadelphia bestellt, wo mtt wenigen Ausnahmen die Materie den Geist völlig verschlungen zu haben scheint und dieselben Leute, die jährlich Tausende für Spielklubs und luxuriöse Häuserausstattungen verschleudern, kürzlich ein Bauernhäuschen als jüdisches Hospttal ankauften und das Geld hierfür noch obendrein zum Theile hier erbettelten. — Biel Aufsehen erregen die Vorgänge in der hiesigen Ansche-Chesed- Gemeinde. Der Vorstand derselben proclamirte auf den Vorschlag des Rabbiners Dr. Milziener verschiedene, ganz unwesentliche Culusreformen, die selbst vom orchodoxen Standpunkte aus kaum anzufechten sind. Nun traten mehrere Mtglieder gegen die beabsichtigte Neuerung beim Gerichte mit der Behauptung auf, daß der Minhag Aschkenas, den die Gemeinde-Constitution adopürte, alle Berechtigung zu solchen Reformen ausschließe. Darauf hin wurden Letztere von gerichtlicher Seite sofort suspendirt, und so schwebt die Sache schon seit fünf Monaten. Beide Parteien sind durch Advokaten vertreten. Die Eine beruft sich auf Gutachten von Dr. Adler, Wise und Einhorn zu Gunsten des Fortschrittes, die Andere — auf ein Heer von Chasaniw, die unser si w, wenn sie auch kaum oren können, nicht selten wett, selbst über die gelehrtesten Theologen stellt. Man glaubt, das Gericht werde gegen den Vorstand entscheiden und damit die Existenz der Gemeinde tief erschüttern. Nachtrag. Hamburg, 15. April. Wir haben heute die traurige Pflicht, folgenden von Herrn vr. Piza verfaßten Nekrolog mttzutheilen: Dr. Naphtali Frankfurter, Prediger am Neuen Israelitischen Tempel, ist am verflossenen Mittwoch gegen Abend, im 57. Lebensjahre von langjährigen, schweren Leiden durch den Tod erlöst worden. Mit ihm ist ein Mann aus unserer Mitte geschieden,' der sich nicht nur auf dem engeren Gebiete der Amtsthätigkeit, sondern auch in wetteren Kreisen, die seine vielseitige Wirksamkeit berührte, ein dauerndes Andenken gestiftet hat. Ihn betrauert zunächst seine hinterlässene Lebensgefährtin, der er seit ein und dreißig 17