Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1866)
- Date
- 1866-04-24
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
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264 * ’ hauptet jenes Msmorial, daß es hauptsächlich die deutschen Juden in Paris sind, welche den Krieg anstiften -wollten, und daß nicht die Genialität, womit österreichische und preußische Staatsmänner den deutschen Schleswig-Holstein-Schwindel cultivirt haben, .sondern die Gewinnsucht jener deutschen Juden die Schuld daran trägt, wenn der Ruin hereinbricht, namentlich über die kleinen Rentiers und die kleinen Ersparnisse. Die Großen lassen sich nicht hängen. Herr' Debrauz ist z. B. mit dom Pereire'schen Preßbureau zu sehr verschmiert, um nicht zu wissen, daß der Credit-Mobilier zuerst und am meisten verkaufte. Es schwebt Herrn Debrauz ein nationales Kriegsgericht vor, welches für die Störer der öffentlichen Ruhe die aus der Erfahrung sattsam bekannte Strafe und Begnadigungsweise zu handhaben hätte. Aber, in seinem frommen Geiste verwandelt sich ein nationaler Gerechtigkeitsact in eine — Judenhetze." Wir bemerken hierzu: Man sieht, der Judenhaß scheut keinen Ort, keine Zeit und keine — Lächerlichkeit! Wir erinnern uns aus unserer Jugend, daß man in den zwanziger und zuweilen noch in den dreißiger Jahren die Börse für den Barometer der politischen Atmosphäre hielt, man kam von dem Wahne zurück, und erkannte, daß die Börse immer erst naß wird, wenn es zu regnen angefangen hat, und auf Sonnenschein deutet, wenn das Gewölk verschwunden und der leuchtende Weltkörper am Himmel erschienen ist. Die Juden, die an der Börse betheiligt sind, gehören daher nicht zu den Treibern, sondern zu den Getriebenen, wie ihre Vorfahren und Glaubensgenossen alle. Haben sie einigen Einfluß, so bethätigt sich dieser nur, wenn die Folgen früherer Sünden in der politischen Welt, d. h. Schulden und Geldnoth, um Abhülfe schreien. Da mögen sie freilich bisweilen ungeschickte Aerzte sein, die das Nebel statt besser ärger machen, und dort um des Vortheils willen weiter kuriren, was sie allerdings ganz in der Art, wie ihre christlichen Handwerksgenossen thun, also nicht als Juden, sondern als Börsen- und Geldmänner., Am Ende theilt der Pariser Diplomatenschreiber dem czechischen Pöbel in Böhmen das Strafamt für die Schleswig-Holstein'schen Händel zu, und die armen Juden in Schüttenhosen sind die Prügelknaben, d. h. die geprügelten für die Minister des Auswärtigen in Preußen und Oesterreich. Solch ein Coup kann aber nur aus einem Diplomätengehirn 'hervorgehen. Donaufürstenthümer. Bukarest , 1. April. Seit einigen Tagen kreisen alarmirende Gerüchte von bevorstehenden Judenhetzen in unserer Stadt. Die durch'diese Gerüchte entstandene Unruhe wurde noch verstärkt, als man anonyme Drohbriefe, gerichtet an die bedeutendsten israelitischen Banquiers, vorfand. Ein Gauner, der jedoch das Pulver schwerlich erfunden hätte, schrieb an Herrn Hillel Menoach, den walachischen Rothschild, daß, wenn dieser nicht in einrr gegebenen Zeit 3000 Ducaten an einem gewissen Orte des Waldes deponirte, er gleich einem Hunde getödtet werden würde. Herr Hillel Menoach ließ sich durch diese Drohung nicht im geringsten beunruhigen; er aß mit gutem Appetit und schlief ganz ebenso wie früher; er würdigte das Schreiben nicht einmal der Mittheilung an den Präfecten. Nicht so seine Glaubensgenossen. Diese Heilten keineswegs die philosophische Ruhe Hillel's und das umsoweniger, als die üblen Gerüchte immer mehr und mehr an Consistenz gewannen und sogar die Zeit bestimmt war, wann die Judenschlächterei stattfinden sollte. Der Schrecken wuchs unter den Juden immer mehr und mehr. Viele Israeliten suchten rn Häusern der ihnen befreundeten Christen Zuflucht. Doch der ganze Schrecken erwies sich endlich als unbegründet. Die ganze Nacht vom Freitag auf den Samstag erschien und ging vorüber, ohne daß die Befürchtungen, die man hegte in Erfüllung gingen. ' Bukarest, 14. März. Nach einem Schreiben in deu A. i. von hier hat die provisorische Regierung bei der Bildung der Nationalgarde die Juden ausgeschlossen. Auch eine neue Aera! Türkei. Constantinopel, 14. März. Bei dem jüngst stattgefundenen Begräbniß der Gattin des Banquiers A. Camondo, geschah es, daß der Leichenzug vor einer griechisch-orthodoxen Kirche vorüberzog. Da trat der Bischof mit vier Geistlichen aus derselben, Kerzen in der Hand, um die Leiche bis zur Begräbnißstätte zu