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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-24 · Heft 17 (24.4.1866) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 17 (24.4.1866)
Date
1866-04-24
Page
Seite 263 (sequence 7)
Language
German
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liche Zerstörung des Kd. Staates vollendet würde" — wie ein bewährter Historiker sich ausdrückt. Mehr brauche ich zur Abwehr-jener Kriük nicht anzüsühren. Dr. S. H. Sonneschein. Wien, 30. März. (Privatmitth.) Die hiesige Statthalterei hat, wie ich höre, die Vorsteher der sogenannten orthodoxen Betstuben zu einer Sitzung unter dem Präsidium eines Statthaltereirathes eingeladen, in welcher sie sich auszusprechen haben werden, ob sie fortan. bei der Hauptgemeinde beiben wollen oder nicht. Zur Erklärung dieser Thatsache muß ich folgendes anführen. Im Jahre 1852 wurden die Statuten der hiesigen Gemeinde provisorisch von Seiten der damaligen Ministerien des Innern und des Cultus genehmigt. Im Laufe der Zeit zeigten sich die Mängel dieses Institutes und vor etwa drei Jahren ging der Vorstand daran, einen neuen Statutenentwurs zu berathen, w ozu er nach den bestehenden Statuten berechtigt ist, und nachdem der Entwurf berathen wurde, legte er denselben vor etwa zehn Monaten pflichtgemäß den Behörden zur Genehmigung vor. Sofort, als die Berathung über einen neuen Statutenentwurf bekannt wurde, haben Männer, welche auf das eifrigste das Wohl der Gemeinde wünschen, durch Wort und Schrift dem Vorstände gerathen, bei dieser wichtigen Angelegenheit nicht von dem ihm zustehenden Rechte Gebrauch zu machen und die Statuten allein zu berathen, sondern sä K»o von Seiten der Gemeinde eine 'Wahl vornehmen zu lassen, welche über den neuen Statutenentwurs zu berathen hätte. In zweiter Linie wurde angerathen, der Vorstand möge sich zu diesem Zwecke durch Vertrauensmänner verstärken, um in solcher Weise desto zuverlässiger im Sinne der Gemeinde zu handeln. Endlich schlug man vor, den Statutenentwurf, sowie die gefaßten Beschlüsse durch Fachjournale zu veröffentlichen, um der Discussion Raum zu gönnen. Der Vorstand acceptirte keinen dieser Vorschläge und bis auf den heutigen Tag weiß man im großen Publikum nicht, wie die neuen Statuten lauten. Was davon in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, hat jedoch mannigfache Bedenken hervorgerufen, welchen einige hiesige politische Journale und auch die „Allg. Ztg. des Judenthums" Ausdruck gegeben haben. Möglicher Weise haben auch einige Wühler, an welchen es in keiner Gemeindefehlt •n &ts-np Die- Behörde, welche gewissermaßen über den Parteien stehen will und die den Vorstand für einen reformatorischen hält lwer näher die Verhältnisse kennt , weiß, es, daß der Vorstand jetzt hochorthodox ist, hat er doch jüngst beschlossen, daß bei dem Gottesdienste für die Jugend kein deutsches Lied oder Gebet Vorkommen darf) Wünscht daher das audiatur et altera pars. Wir fürchten nicht, daß dieser Vorgang zu einer Spaltung führen werde. So viel mir bekannt ist, wollen diese sogenannten orthodoxen Betstuben nicht von der Gemeinde getrennt werden und andererseits können sie es nicht, weil ihnen die Mittel dazu fehlen. Aber noch jetzt möchten wir dem Vorstande rathen,, den neuen - Statutenentwurs den Fachjournalen zur Besprechung zu übergeben. Die Geheimnißkrämerei bietet in solchen Fällen keine Vortheile. Prag, 23. März. Ein Erlaß des fürsterzbischöflichen Consistoriums aus Anlaß der stattgefundenen Excesse bedauert die Nothwendigkeit, daß Waffengewalt einschreiten mußte und daß weitverzweigte strafgerichtliche Erhebungen nothwendig geworden seien. Der Clerus wird aufgefordert, dahin zu wirken, daß die Ruhe aufrechterhalten werde. (Nicht unbemerkt wollen wir lassen, daß in auswärtigen Blättern, namentlich französischen, die Nachricht verbreitet worden, die Excesse gegen die Juden hätten sich auch nach Mähren uud Steiermark verbreitet,-um hierdurch die kriegerischen Rüstungen Oesterreichs zu motiviren. Es ist aber durchaus unwahr, daß außer einigen ganz unbedeutenden Beleidigungen dieser oder jener Persönlichkeiten etwas vorgefallen ist.) Frankreich. Paris, 7. April. Die „Presse" (Wien) läßt sich von hieraus schreiben: „Beim Beginne des brennenden Conflicts zwischen Oesterreich und Preußen erwähnte ich, wie köstlich die deutsche Diplomatie, in Paris sei, welche die allgemeine Kriegsbesorgniß als Börsenschwindel bezeichnet! — Herr Debrauz und sein Msmorial Diplomatique können sich nicht anders räuspern. Mit aller Vornehmheit und dem süßen Pietismus des diplomatischen Bedientendialektes be-

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