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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-17 · Heft 16 (17.4.1866) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 16 (17.4.1866)
Date
1866-04-17
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 \ lesen wir folgende Wortei): „Mein Vater war ein Aramäer; er stieg nach Egypten herunter, und wurde dort ein großes, mächtiges und zahlreiches Volk." Also war es ohne Zweifel die aramäische Sprache, welche Abraham redete, als er sich in 'Palästina niederließ, wo seine Familie nach und nach die Landessprache oder die phönizische - annahm, welche, mit der Zeit durch die Religion, die Industrie und die Sitten der Abkömmlinge Abrahams modificirt, gewissermaßen eine besondere Sprache wurde, die wir hebräische Sprache nennen. Aber diese, trotz aller Modifikationen, welche sie erlitten hatte, hat ihren Ursprung nicht verleugnen können und ist fast dieselbe geblieben,', wie die der Phönizier, wie wir dies an den phönizischen Inschriften., die uns bleiben, und besonders an derjenigen des Sarkophags von Eschmunezer, Königs von Sidon, die fast vollständig hebräisch ist, erkennen können. - Trotz der engen Beziehungen, welche zwischen der hebräischen und aramäischen Sprache bestehen, unterscheiden sich diese beiden Sprachen doch so von einander, daß ein Hebräer und ein Aramäer sich nicht leicht gegenseitig verstehen konnten. So z. B. konnten unter Ezechias die Agenten dieses Königs die Generale des Senacherib, der Jerusalem belagerte, bitten mit ihnen aramäisch zu sprechen, damit sie nicht von den Juden' verstanden würden, welche die Mauern besetzten; aber die assyrischen Feldherren, welche von Allen verstanden sein wollten, riefen ihre Herausforderung in hebräischer Sprache. Später, als der Prophet Jeremias die Ankunft der babylonischen Armee anzeigen will, drückt er sich in folgenden Worten aus: „Haus Israel, ich werde gegen euch ein Volk aus fernem Lande führen ... ein Volk, dessen Sprache ihr nicht kennen und dessen Worte ihr nicht verstehen werdet." Aber bald vergaßen die Juden, die mehr als ein halbes Jahrhundert in Babylonien verbannt lebten, nach und nach die hebräische Sprache, m^>, durch die - Erlaubniß von Cyrus wieder in ihr Vaterland zurückgekehrt, brachten sie dorthin aus Babylon die alte Sprache Abrahams. Das Aramäische, Dank den neuen Colonien, welche darauf aus Babylon ankamen, rückte allmählich an die Stelle des Hebräischen und wurde endlich die Nationalsprache der Juden. Das Hebräische wurde eine Gelehrtensprache, welche nur noch in den Büchern angewandt wurde. Man kann dreist behaupten, daß zur Zeit Alexanders, im Allgemeinen in Judäa die aramäische Sprache.gesprochen wurde. Schon unter Darms und unter Artaxerxes waren die Dekrete der Könige von Persien, die für Paläsüna bestimmt, in aramäischer Sprache abgefaßt; Nehemias, gegen Ende der Regierung des Artaxerxes, beklagt sich, daß die Jugend nicht mehr die jüdische Sprache sprechen könne sl). Der allgemeine Gebrauch des Aramäischen zur Zeit der makkabäischen Fürsten ist durch die alten Dokumente bewiesen; so erzählt man z. B., daß, als die Söhne des. Johann Hyrcan einst gegen die Syrer gezogen waren, dieser Fürst, und Hohepriester eine Stimme im Allerheiligsten vernahm, die ihm den Sieg seiner Kinder verkündete; diese Stimme sagte zu ihm auf Aramäisch : „Deine Kinder, welche in den Krieg gegen Antiochia gezogen sind, haben den Sieg errungen (2)." Nur glaube ich, daß anstatt des dr'oiwirrv, gegen Antiochia, man lesen muß DDrar&o, gegen Antiochus; denn es handelt sich hier ohne Zweifel um den Angriff der Söhne von Johann Hyrcan gegen Antiochus IX., genannt Antiochus von Cyzicus, welcher den, von jüdischen Truppen in Samarien belagerten syrischen Griechen zu Hülfe gekommen war. Diese Thatsache wird von Josephus erzählt, der ebenso von der göttlichen Stimme spricht, die Johann Hyrcan bei dieser Gelegenheit im Heiligthum gehört haben soll (3). Man könnte mir freilich entgegnen, daß die Münzen, die wir von Johann Hyrcan haben, eine hebräische Inschrift tragen; man liest da die Worte: „Johann, hoher Priester, und der Senat der Juden." Aber dies beweist nichts gegen den allgemeinen Gebrauch der aramäischen Sprache. Haben wir nicht in vielen europäischen Ländern, zu verschiedenen Zeiten, Münzen gesehen, die lateinische Legenden tragen? Mehrere Sprichwörter und Sentenzen, die den jüdischen Gelehrten, welche vor Jesus lebten, zugeschrieben werden, werden in der Mischna in aramäischer Sprache wiedergegeben; ich erinnere an den berühmten Anspruch Hillel's: „Was dir widrig ist (d. h. was du nicht willst, daß man dir thu'), füge auch. keinem Andern zu; das ist das ganze Gesetz, das Uebrige ist nur der Commentar dazu" (4). Ich erinnere an diesen andern Satz desselben Gelehrten, der eines Tages eine Hirnschale auf dem Wasser schwimmen sah und ausrief: 1) Siehe Nehemias XUl, 24. 2) Talmud von Bab., Auszug Sota fol. 33a. 3) Josephus, Am. XIII, 10, §. 3. 4) Babyl. Talmud. Trakt. Schabbalh, fol. 31a. 1) 5,Mos. 26, 5.

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