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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-17 · Heft 16 (17.4.1866) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 16 (17.4.1866)
Date
1866-04-17
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 Japan. Kanagawa, 7. Jan. Ein Brief im Jew. Chr. theilt mit: Es leben jetzt in dieser japanischen Hafenstadt 16 Juden, die einzigen in Japan, da die Erzählung von einem zahlreichen jüdischen Stamme im Innern des Landes ein Mährchen zu sein scheint. Diese kleine Gemeinde besteht meist aus polnischen, dann aus einigen englischen und amerikanischen Juden, und hat sie schon ein Stück Land zum Begräbnißplatze erworben, der glücklicher Weise noch nicht benutzt ist. Nachtrag. Berlin, im April. (Priatmitch.) Wie verlautet, ist Herr Dr. Aub als definitiv gewählt anzusehen; zur endgültigen Wahl des Hrn. Dr. Geiger sollen blos wenige Stimmen fehlen. Am ersten Osterfeiertage, 1. d. M., fand in der unlängst vollendeten Christus-Kirche hier, die den Missionszwecken dient, die Taufe eines neun Wochen alten jüdischen Knaben statt. Es hat hiermit folgendes Bewandniß. Ein getaufter Schriftsetzer, namens Ferdinand Weisberg, heirathete vor einigen Jahren eine Jüdin aus Lemberg. Er hatte es verheimlicht, daß er ein Convertite sei, und die Trauung wurde von dem Lemberger Rabbi nat vollzogen. Nachdem er ^längere Zeit mit seiner Frau in Paris gelebt hatte, ließ er sich von dieser scheiden und übergab das aus ihrer Ehe erzielte Töchterchen einer Christenfamilie in Paris. Etwa 8 Monate nach der Scheidung brachte die Frau in Wien ein männliches 'Kind zur Welt, welches daselbst die Bundesweihe und den Namen Abraham empfing. Auf diese Nachricht hatte der Vater nichts Eiligeres zu thun, als nach Lemberg zu reisen (vielleicht auf Kosten der Missionsgesellschaft?), wohin die Frau bald darauf zurückgekehrt war. Hier entriß er ihr das Kind, das er am 27. März hierherbrachte. Er überantwortete es nun dem Pastor der Christus- Kirche, Hrn. Dr. C. H. Klee, der seinerseits in väterlicher Vorsorge für das Seelenheil des zwei Monate alten Knaben nicht anstand, das fromme Werk christlicher Liebe möglichst bald auszuführen. Die Kirche triumphirt über die glänzende Eroberung und hat das Kind einer gewissen Frau Kusche (Naunhnstraße 61) zur Pflege übergeben. —ob. —. Es ist bemerkenswerth, daß die Juden auch in der Depesche, mit welcher Graf Bismark die österreichische Nota vom 31. v. M. beantwortet, eine Rolle spielen. Um jede Entschuldigung der vermeintlichen öfter. Rüstungen unmöglich zu machen, heißt es: „Irgend welche Aufklärung über die Motive dieses befremdlichen Verfahrens hat die kaiserliche Regierung nicht gegeben, denn der Behauptung, daß die Juden- Krawalle diese Rüstungen nöthig gemacht hätten, steht der Umfang der letzteren eben so entgegen, wie die Localität der Aufstellung der herbeigezogenen Verstärkungen an der sächsischen und preußischen Grenze, wo die Sicherheit der Juden niemals gefährdet war." Mannheim, 31. März. Ein Circular,'unterzeichnet von dem provisorischen Comits, den Rabbinern Dr. Fredmann von hier, Fürst in Heidelberg und Schott in Bühl, ladet sämmtliche Rabbiner Badens zu. einer Versammlung auf den 10. April hieher ein, behufs „Erzielung wirksamer, gemeinschaftlicher Anträge und Schritte in Betreff des vom Gr. Oberrath der Israeliten ausgegangenen Verfassungsentwurfes." Mährisch-Weißkirchen, 4. April. (Pr.) Vor sechs Tagen trat ein vagabundirender, communistischen Tendenzen huldigender Stelzfuß im berauschten Zustand am Hellen Tage in das Gassengewölbe einer jüdischen Lederhandlung, begann, da nur ein Knabe sich darin befand, gegen die Juden zu schimpfen, und schloß mit den Worten: „Ihr Juden habt Alles, wir haben nichts. Am Jahrmarktstage werdet Ihr ja ohnedies'alle ausgeplündert werden; wir sind Alle beisammen." Das Geschrei des Knaben rief mehrer Vorübergehende herbei, und der Strolch wurde der Polizeibehörde überliefert. Der Behörde dienten jene Worte bei der sofort eingeleiteten Untersuchung zur Richtschnur, und führten auch wirklich-zur Entdeckung eines weitverzweigtenComplots,dasam bevorstehenden Markttage gegen die Juden hätte zum Ausbruch gelangen sollen. Eine beträchtliche Anzahl einheimischer und fremder Taugenichtse wurden seither eingezogen. Bis jetzt ist der Umfang des beabsichtigten Unternehmens noch nicht stchergestellt; gewiß ist aber, daß ein Judenkrawall im Augenblick des Losbrechens auf starke Sympathien bei den niederen Volksklassen hätte rechnen können. Zur ungestörten Abhaltung des Jahrmarktes sind umfassende Vorkehrungen getroffen worden.

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