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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-17 · Heft 16 (17.4.1866) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 16 (17.4.1866)
Date
1866-04-17
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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249 Synagoge, wovon in einer ftüheren Nummer der Zeitung die Rede war, wurde, wie zu erwarten stand, von dem Kleinen-Räth ablehnend beschieden. Zu einer solchen Toleranz hat es die baseler Aristokratie noch nicht gebracht und war das Gesuch jedenfalls verfrüht. Frankreich. Paris, im April.. Wie die Arch. isr. mittheilen, wird das Staatsbudget für 1867 die Gehälter der Großrabbinen Frankreichs bis zu 18000 Fr. (4800 Thlr.) jährlich erhöhen. Auch wird ein dritter Rabbinatsadjunkt für Paris angestellt. Ein besonderes Haus''soll für die gefallenen Mädchen und Gefangenen israelitischer Confession in Paris errichtet werden. — In Avignon war ein jüdisches Mädchen, majorenn und zu Constantine geboren, das seit mehr als sechs Monaten das väterliche Haus verlassen hatte, in ein Kloster gegangen. Der Rabbiner Mosss übergab dem Erzbischof einen erschütternden Brief der Mutter an ihre Tochter. Der erleuchtete Prälat war bis zu Thränen gerührt, und sprach die bei einem katholischen Geistlichen so seltenen Worte: „Fern ist von mir der Gedanke, die Bande der Natur anzutasten; wenn das Mädchen minorenn wäre, so würde ich sie Ihnen unmittelbar übergeben lassen; aber sie ist majorenn, also frei, demungeachtet verspreche ich Ihnen, mich von dem Charakter ihrer Bekehrung zu unterrichten und wäre diese im Geringsten nicht, aufrichtig, werde ich ihr die Rückkehr zu ihrer Mutter erleichtern." Einige Tage nachher ging das Mädchen aus dem Kloster und wurde, ganz unabhängig, in ein Privathaus untergebracht. — In einer jüngsten Sitzung des Senats, wo die Petition einer jüdischen Gemeinde im Elsaß gegen den dortigen Schullehrer, der ihre Kinder in die Gemeindeschule nicht aufnehmen wollte, verhandelt wurde, berichtete der Baron von Heeckeren, daß im Elsaß die israelitischen Kinder in die Schulen der Congregationen der „Brüder und Schwestern" gehen, und so von den religiösen Congregationen erzogen werden. Wenn dies der Fall ist, so hätte hier wohl die Alliance israel. univ. ein weites Feld der Thätigkeit so gut wie in Smyrna und Bagdad. Denn über die Richtung, welche die Thätigkeit dieser Congregationen in Bezug auf Judenkinder hat, besteht kein Zweifel?— Der Senat beschäftigte sich auch mit der Frage, welche, wie bekannt den Protestantismus in Frankreich beschäftigt, und Rouland berichtigte: Es giebt in Paris einen reformirten Prediger, welcher „die Göttlichkeit des Erlösers, seine Auferstehung" und andere von dem Evangelium aufgestellte Principien verneint. Es giebt in Paris allein fünf und fünfzig Pfarrer, welche erklärt haben, „sich von dem orthodoxen protestanttschen Glauben zu trennen und öffentlich erklären, daß Jesus nur ein großer Mann gewesen sei." Paris, im März. Die „Köln. Zeit." enthält in einer Corresp. von Paris Folgendes: In diesen Tagen verläßt Herr Albert Cohn Frankreich, um sich abermals nach Jerusalem zu begeben, da durch die Verheerungen der Cholera bei der dortigen jüdischen Bevölkerung alle von ihm ftüher getroffenen Einrichtungen rc. desorganisirt worden sind. (Dieser Entschluß muß plötzlich gefaßt worden sein, da wir in französischen Blättern nichts darüber gefunden. Redact.) Amerika. Baltimore, 13. März. (Privatmitth.) In Cincinnati trug ein jüdischer Ehegatte beim dortigen Civilgerichte (Court of common pleas) auf Scheidung von seiner Gattin an, weil sie sich der Untreue (inlldelity) schuldig gemacht hätte. Der Richter aber gab sein Urtheil dahin ab, daß er durchaus nicht geneigt (inclined) sei, dem Wunsche des Klägers Folge zu geben, „da es dem Gerichtshöfe unbekannt sei, daß dieses Verbrechen unter Israeliten existire (that the crime was unknown in the court to exist among Israelites)." Unter hundert und hundert solchen Fällen sei dies der erste, daß ein jüdisches Weib der Untreue bezüchtigt wird. Washington, im Februar. Der Senator Grimes aus Iowa legte eine Petition von Bürgern dieses Staates nieder, welche um ein Amendement zu der Konstttution der Vereinigten Staaten bat, das die Gottheit Christi anerkenne. Dieses Amendement wurde ganz bei Seite gelegt. Das Justizkomits des Senates widerrieth in der letzten Session die JnLetrachtnahme irgend eines solchen Vorschlages.

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