Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1866)
- Date
- 1866-04-17
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
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im Amte stehenden Rabbiner sich documentiren zu lassen. Betrachten wir, welche theologische Lehranstalten in Oesterreich außer den römisch-katholischen bestehen, die wir hier nicht in Betracht ziehen wollen, so finden wir, daß an jenen Lehranstalten im Jahre 1863 l5o - Lehrer wirkten und daß diese Anstalten von 1239 Studirenden besucht wurden. Die Juden besitzen Llos eine theologische Lehranstalt zu Padua, welche im Jahre 1863 von drei Schülern besucht wurde. ' Bedenkt man die Seelenzahl der verschiedenen Confessionen in Oesterreich, so wird man den Mangel jüdisch-theologischer Lehranstalten destomehr empfinden. In Oesterreich leben beiläufig eine Million Juden, zwei Millionen nichtunirter Griechen, drei Mllionen Evangelische Augsburgischer und Helvetischer Confession und nur 46,000 Unitarier in Siebenbürgen; während dem für andere Confessionen mehrere Institute in den '. verschiedenen Kronländern bestehen und selbst die Unitarier eine theologische Lehranstalt haben, besteht für die Juden blos das im vorhinein nur für das lombardisch-venezianische Königreich berechnete Convict in Padua, welches vor 40 Jahren begründet wurde. Trotz der verschiedenen Systeme, die seit jener Zeit in Oesterreich an der Tagesordnung waren, für die Bildung der.Rabbiner ist nichts geschehen. Die sogenannte Rabbinatsschule in Preßburg, die der Herr Graf Leo Thun ins Leben rief, kann um so weniger in Betracht gezogen werden, da sie ausschließlich, und das nicht in vollem Umfange, ihr Augenmerk auf das Studium des Talmud richtet und Exegetikzc: ganz vernachlässigt und unbeachtet'gelassen werden. < Der jüdische Fonds in Galizien besaß im Jahre 1858 in Baarem 132,400 fl., und in Obligationen 126,628 fl. Der jüdische Fonds in Böhmen beträgt beiläufig 300,000 fl., und wie die Journale übereinsümmend berichten, wünschen die Landgemeinden die Verwendung der auf sie fallenden Summe zur Begründung eines Seminars/ Die Summe des ungarisch-jüdischen Schulfonds betrug im Jahre 1862 1,428,810 fl. Die Bedeckung betrug 76,346 fl., das Erforderniß nur 32,736 fl. Es war somit ein muthmaßlicher Ueberschuß von 43,610 fl. - Nachdem die Nothwendigkeit jüdisch-theologischer Lehranstalten nach dem Vorhergesagten keines weiteren Beweises bedarf, da ferner die Mittel zur Begründung derselben vorhanden sind, so wäre es die Aufgabe der Regierung, derartige Jnsütute, die ebensowohl den. religiösen Ansprüchen, wie dem Culturstandpunkte unserer Zeit angemessen sind, baldmöglichst ins Leben zu rufen. Schweiz. Aus dem Aargau, 21. März. (Privatmitth.) Während in Böhmen die Judenhetzen an der Tagesordnung sind, lassen die Schweizer den Juden die Früchte der Emancipation genießen. Kein Kanton will hinter dem andern zurückbleiben. In einer Gemeinde des Thurgau's will ein Jude eine Wirthschaft betreiben. Da er nun dem Requisite um Beibringung eines Leumundzeugnisses von Seite einer Kirchenvorsteherschast nicht genügen kann, so wird der Gemeinderath von dem Regierungsrath ermächtigt, dasselbe auf Grundlage der allgemeinen Notorietät zu ersetzen und von sich aus die Beschaffenheit des Leumundes zu constatiren. In der letzten Ortsgemeinde zu. Dießenhofen, einem dem badischen Gailingen gegenüber liegenden Städtchen des Thurgau's, waren zum ersten Male auch zwei daselbst niedergelassene Juden anwesend. Beide wurden unter Anderen als Stimmenzähler vorgeschlagen und einer ging als solcher 'aus der' Wahlurne hervor. Erfreulich ist es, daß sich jetzt in den verschiedenen Gegenden der Eidgenossenschaft kleine jüdische Gemeinden bilden. St. Gallen, wo freilich schon seit Jahren Juden niedergelassen find, will vor der Hand einen Religionslehrer anstellen, vielleicht entschließen sich unsere dortigen Glaubensgenossen mit der Zell auch noch zur Anstellung anderer Cultusbeamten. Die fünf jüdischen Familien, welche gegenwärtig in Bremgarten wohnen, haben den anerkennenswerthen Beschluß gefaßt, einen Religionslehrer und Schochet zu requiriren, und in Luzern wird bereits seit mehren Monaten geschächtet. Basel, 28. März. (Privatmitth.) Das Ansuchen der hiesigen israelitischen Gemeinde um unentgeltliche Überlassung eines Bauplatzes zur Errichtung einer