Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1866)
- Date
- 1866-04-17
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
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lichen Schule wegfallen und in den der Religionsschule ausgenommen werden darf. Hierdurch ist der Besuch der letzteren Anstalt für sämmtliche schulpflichtige jüd. Kinder obligatorisch geworden, während die öffentliche Stadtschule jeden confessionellen Charakter abgestreift hat, an der in Folge Lehrer wirken können, ohne an ein bestimmtes religiöses Bekenntniß gebunden zu sein. Dieses ist um so erwähnenswerther, als sich ein zweites Beispiel in unserer ganzen preußischen Monarchie wohl nicht vorfindet. Die erste Prüfung dieser Religionsschule hat die glänzenden Leistungen derselben erwiesen. Berlinim März. (Privatmitth.) In den letzten Tagen', erschienen auch hier wieder die Jahresberichte und Programme der verschiedenen jüdischen Schulen, mit welchen diese zu ihren Prüfungen einladen. Hiermit haben selbstverständlich diese Eintagsfliegen ihren Zweck erfüllt. Wenn ich daher heute auf. eines dieser Programme, ' nämlich das der „jüdischen Reformgeureinde", einen Blick werfe, so geschieht es, weil der Berf. desselben mit einer Keckheit auftritt, die nicht ganz ohne öffentliche Rüge gelassen werden darf, wenn auch das Programm über den häuslichen Heerd nicht hinauskommt. Ist es nicht sonderbar, daß Jemand, der sich doch noch wie jüdischer Theologe dünkt, Folgendes von der berliner Reformgemeinde zu schreiben sich nicht entblödet: „Wie einst Mose sein Zelt weitab vom Lager Israels aufschlug, so nahm auch sie ihren Standpunkt weitab von dem ihrer Glaubensgenossen; aber wie weit sie. sich auch entfernte, man schaute ihr nach, man blickte auf sie, wie man aus Moses blickte, ein Jeder am Eingänge seines Zeltes, vom sicheren Posten seines Standpunktes aus. (1 Buch Mos. 33, 8)." sMuß heißen 2 Mos.^s Also die jüdische Reformgemeinde zu Berlin ist mit Moses zu vergleichen! Und will nicht der Verfasser sagen, wer die „man" sind, die auf sie schauen und ihr nachblicken? Zwanzig Jahre besteht die Gemeinde, und noch hat ihr Niemand auch nur das geringste entlehnt, nicht ein Gebet, nicht eine Melodie, viel weniger irgend eine liturgische Einrichtung! — Doch das ist es nicht einmal, was wir bemerken wollend Der Gottesdienst der Neformgemeinde ist bekanntlich ganz deutsch; in der Religionsschüle wird kein hebräisch gelehrt, außer daß sich die Lehrer bereit erklärt haben, privatim unentgeltlich hebräisch zu unterrichten, ohne daß, wie es scheint, von diesem Anerbieten irgend wer Gebrauch macht. Dies will das Programm nun rechtfertigen. Wir wollen diese abgemachte Streitfrage nicht wieder erwecken, denn die seichten Gründe, die für die gänzliche Entfernung der hebräischen Sprache aus dem Gottesdienste hervorgebracht wurden, verdienen keine nochmalige Wiederholung und Bekämpfung. Das Programm jbringt aber ein zu drolliges Motiv dafür an, daß auch in der Religionsschule das Hebräische nicht gelernt werden solle, nämlich: Man will es nicht lernen, darum lehren wir es nicht. Bekanntlich würde es in jeder Schule sehr bunt aussehen, wenn sie nur das lehren wollte, was die Schüler von vornherein lernen wollen; und um die gesammte Volksschulbildung noch bunter! Wie bald würden die wichtigsten Gegenstände aus den Schulen als Lehrobjecte verschwinden, wenn man diesen pädagogischen Grundsatz einführen wollte! Da aber außerhalb der Reformgemeinde zu Berlin idie Ansicht vorwaltet, daß die Schüler lernen müssen, was die Schule lehren.will, nicht aber daß die Schule lehren soll, was die Schüler lernen wollen, und da man außerhalb jener die hebräische Sprache beibehalten will und die Wirksamkeit feststehender und immer wiederholter deutscher Gebete stark anzweifelt, außerdem den Unterricht in der hebräischen Sprache für einen Bekenner unserer heiligen Schrift für unerläßlich erachtet, wird wohl das gedachte Programm keine Aenderung herbeiführen. Uebrigens ist in dieser Religionsschüle der Eifer für den Unterricht in anderen religiösen Disciplinen auch nicht sehr besonders, denn jede Klasse hat wöchentlich nur 3 Stunden für „Bibelkunde, biblische Geschichte und Religionslehre", und im Winterhalbjahr erhalten die Confirmanden nur eine Stunde!! Dabei klagt das Programm selbst, daß die Schule von ihren Schülern kaum ein ganzes Jahr besucht wird. Das ist doch eine dürftige religiöse Bildung zur Erziehung eines jüdischen Menschenkindes. Die Herren Lehrer dürfen sich also über Ueberbürdung nicht beklagen, denn für diese paar Stunden ' sind — 3 Lehrer angestellt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Kroatien-Slavomen, im März. (Privatmitth.) Wir Juden hierzulande leben unangefochten in des Wortes weitestem Sinne. Wir fraternisiren'