Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1866)
- Date
- 1866-04-17
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226544--23887-3251214- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
gehen müßte und auch einige, wenngleich nicht sehr erhebliche, Förmlichkeiten in Anwendung kämen, die hier zu Lande nicht erforderlich sind. Nachdem Herr Dr. M. dies vernommen hatte, bemerkte er dem Amtsrichter, daß er der Eidesleistung nicht assistiren könne, da er sich zu einer solchen Assistenz amtlich nur dann verpflichtet fühle, wenn der Eid den hiesigen Landesgesetzen entsprechend'geleistet würde, keineswegs aber, wenn dies unter Förmlichkeiten geschehen müßte, die im Landesgesetze nicht begründet wären. Die Folge dieser Erklärung war, daß die Eidesleistung nicht stattfand. Vor Kurzem erhielt aber Herr Dr. M. vom Amtsgerichte eine zweite Aufforderung, zur Eidesabnahme zu erscheinen, da der Geistliche den amtlich übernommenen Pflichten Nachkommen müsse und es ihm nicht zustehe, sich in das Materielle des Eides zu mischen. Hierauf begab sich Herr Dr. M. nochmals zum Amtsrichter, wiederholte seinen früheren Protest und erklärte, daß er weit entfernt sei, sich in das Materielle des Eides mischen zu wollen, allein hier handele es sich um Förmlichkelten, die den hiesigen Gesetzen zuwiderlaufen und denen er durch seine Assistenz keinen Vorschub leisten könne; er werde deshalb die Berufung bei dem Obergerichte einlegen. Den Ausgang dieser Angelegenheit behalte ich mir vor, demnächst mitzutheilen. Der hiesige Stiftsgelehrte Dr. Cohn aus Altona ist zum Rabbiner und Prediger vock Rakel erwählt worden. Vor einigen Tagen beging Sanitätsrath Dr. Dawosky in Celle sein 25jähriges Jubiläum als Arzt des dortigen Armen-Krankenhauses. Der Jubilar, welcher außerdem'schon seit 1832 als Armenarzt fungirt, hat sich namhafte Verdienste um das hiesige Armen-Krankenhaus erworben, indem in Folge seiner Vorschläge bedeutende Ersparnisse erzielt und verschiedene zweckmäßige Einrichtungen und Verbesserungen eingeführt worden sind. Daß übrigen Dr. Dawosky auch auswärts Anerkennung gefunden, bezeugt unter Anderem der Umstand, daß ihn die Gesellschaft für Naturwissenschaften und Heilkunde zu Brüssel zum Mitgliede ernannt hat und daß derselbe in der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie mit anderen Männern seiner Wissenschaft das Preisrichteramt schon seit mehreren Jahren ausübt. Von Sir Moses Montefiore sind bereits aus Alexandrien. Nachrichten in London eingegangen, nach denen die Reise bis jetzt glücklich von Statten gegangen ist und derselbe beabsichtigt, das Passahfest in Jerusalem zu verleben. Nach dem Feste gedenkt der greise Reisende nach Constantinopel und Adrianopel zu gehen. Möge er in seinem Unternehmen glücklich sein! Heidelberg, 6. März. An der hiesigen juridischen Facultät wurde der außerordentliche Professor Goldschmidt zum ordentlichen Professor für das Handelsrecht und, der erste Jude im Großherzogthum Baden, zum wirklichen Mitgliede 'der Juristenfacultät ernannt. Preußen. Rawicz, 30. März. (Privatmitth.) Die hiesige jüdische Stadtschule, welche vor 30 Jahren organisirt worden war und der bereits 27 Jahre lang Herr Rector Cohn, als tüchtiger Pädagoge auch in weiteren Kreisen bekannt, mit großem Erfolge vorsteht, hat auch äußerlich jetzt ein Ansehen erhalten, welches nicht nur der Gemeinde, sondern auch der ganzen Stadt zur Zierde gereicht. Auf Veranlassung unserer Provinzial-Regierung hat der Vorstand unserer Shnagogengemeinde zu einem Schulhausbau schreiten müssen, zu dessen Herstellung auch die städtischen Communalbehörden zu seinem namhaften Zuschüsse veranlaßt wurden. Ein massives dreistöckiges Haus mit hellen, geräumigen, hohen Lehrzimmern, comfortabel eingerichteter Amtswohnung mit Gaseinrichtung versehen, spornt Lehrende, wie Lernende zu neuer Thätigkeit an. Die unter Staatsaufsicht stehende Anstalt hat zeither alle Zweige des Elementarunterrichts umfaßt. Um'den hebräischen Unterricht jedoch hat sich die Vorgesetzte Behörde nicht gekümmert. Der bei Weitem größere Theil unserer jüdischen Jugend wuchs daher ohne jede Kenntniß der heiligen Sprache heran und das Wissen der Wenigen, welche im Cheder unterrichtet wurden, reducirte sich auf ein sehr bescheidenes Minimum. Herr Rabbiner vr. Ungerleider, aus Güns in Ungarn, seit Michaelis vorigen Jahres hierher berufen, sah die Schäden und nahm auf deren Heilung ernstlich Bedacht. Unter Zuziehung des Rector Cohn, eines des Hebräischen in seltener Weise kundigen Mannes, wurde der Plan zu einer Heligionsschule entworfen. Die Königl. Regierung hat die Genehmigung ertheilt, daß fortan der Religionsunterricht aus dem Lectionsplane der öfferff-