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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-17 · Heft 16 (17.4.1866) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 16 (17.4.1866)
Date
1866-04-17
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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,243 freien Wissenschaft und Kunst die Hypertrophie der Sinnlichkeit und die wucherische Befriedigung der letzteren befördert, desto mehr muß die wahre Bildung, welche allein aus echter Religiosität, Sittlichkeit und freier Bewegung hervorgehi, entarten und in das Gegentheil Umschlagen. Es sind alles unausbleibliche Consequenzen, welche weder' das Genie, noch der beste Wille eines Imperators zurückhalten kann.. Hiermit ist aber auch das Loos der Juden in der Zukunft entschieden. Die Geschichte zeigt dies. Das Zeitalter des Augustus brachte noch viele Blüthen hervor und auch den Juden in Palästina wie in Rom erging es gut. Aber der fortschreitende Imperialismus nöthigte die Nachfolger des Augustus, selbst so weit sie an sich nicht dazu geneigt waren, zu einer Gewaltherrschaft, welche den ganzen Baum des römischen Weltreichs absterben und vermodern machte. Nicht die Consuln und Prätoren des römischen Volkes, sondern die „Landpfleger" der Imperatoren brachten die Juden zur Verzweiflung; die Imperatoren mußten dem jüdischen Heiligthume ihre goldenen Bildsäulen aufnöthigen, und durch ihre und ihrer Heerführer Habgier und Intoleranz dem jüdischen Volke die Waffen in die Hand zwingen. So mußte gerade der Imperator, welchen man die „Wonne des Menschengeschlechts" nannte, die Städte und den Tempel Juda's zerstören, das Volk vernichten und dessen Ueberreste theils als Sklaven verkaufen, theils im Cirkus den wilden Thieren als Opfer vorwerfen. Titus wollte wahrscheinlich anders, konnte aber nicht. So mußte, um nur noch ein Beispiel anzuführen, der Imperator Mark Aurel trotz seiner erleuchteten Frömmigkeit, trotz seiner erhabenen und humanen Gesinnung, die Christen blutig verfolgen, weil der Imperator keinen Gegensatz dulden kann, selbst wenn er es persönlich wollte. Mit der Existenz des Gegensatzes ist seine Macht gefährdet. Man hat es öfter hervorgehoben, und ich that es selbst, daß man Juden auch in allen politischen Parteien findet. Es liegt dies in der Natur der Sache, denn kein Mensch macht sich seine politische Ueberzeugung ganz selbst, so wenig wie seinen religiösen Charakter; Bildung und Lebensstellung tragen das ihrige dazu bei. Es ist dies auch ganz gut, denn im Einzelnen und im Augenblicke wird dieser Umstand die allzu krasse Feindseligkeit' der einen wie der anderen politischen Partei gegen bie' Juden. verhindern. Dies hat aber keinen Einfluß auf die allgemeinen Bedingungen, unter welchen wir leben, auf die Principien, auf die unsere Existenz gestM ist, und i .auf die Consequenzen, die uns zu einer gewissen Richtung hinführen und nöthigen. Ich glaube daher kein Wort mehr darüber aussprechen zu müssen, wohin die Juden dem Imperialismus gegenüber gehören, auf welche Seite sie unter dem fortschreitenden Imperialismus, auch wenn sie nicht wollten, hingedrängt werden. Spenden zur Vollendung der Bibelausgabe mit großen Txpen durch die israelitische Äibelanstalt. (Fortsetzung.) Stadtrath Benny Burchardt in Landsberg a.d. Warthe 3 Thlr.; ein Unbenannter 20 Thlr. — Gesammtsumme: 87 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf. Die Redaction. Literarischer Wochenbericht. Bonn, im April. (Notizen.) Vor Kurzem erschien eine Schrift des Dr. Eduard Freiherr von Sacken über die Pfahlbauten des Garda-Sees. Die, Ergebnisse der dort angestellten Untersuchungen werfen das ganze System der, die Pfahlbauten in ein unmeßbares Alterthum von etwa fünfzigtausend Jahren hinaufrückenden Archäologen um. Wir heben aus dem desfallsigen Berichte des „Mag. f. d. Lit. d. Auslandes." (No. 10) folgendes hervor: „Was die im Garda-See gemachten Entdeckungen selber betrifft, so sind diese geeignet, in der Archäologie ein gewisses Aufsehen zu erregen, ja vielleicht eine Umwälzung in mancher Hinsicht zu bewerkstelligen. Man bedenke nur, daß u. a. merkwürdigen Sachen inmitten der Culturschicht Roggenkörner, Weintraubenkerne, ein Stück unverarbeiteter Bernstein auf eine zierliche Bronzenadel gespießt und eine Münze des Kaisers Trajan (100 n. Ehr.) beisammen gefunden worden sind. Auffälligerweise wird aus diesen höchst merkwürdigen Funden in archäologischen Kreisen so gut wie gar nichts gemacht, vielleicht weil sie den Systematikern und Anhängern eines unmeßbaren Alters der Bronzeperiode höchst ungelegen kommen. Man bedenke nur: Weinbau neben Pfahlbauten, und Roggen, dieses edelste Culturgewächs, in den Wohnstätten „vorgeschichtlicher Barbaren", dann 16*

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