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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-17 · Heft 16 (17.4.1866) · p. Seite 242

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 16 (17.4.1866)
Date
1866-04-17
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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Erkenntniß, noch mehr das Bedürfniß nach ihrer Realisirung, nach Umgestaltung des Staatslebens ihren Forderungen und Bedingungen gemäß konnte nur das Erzeugniß einer vorgeschrittenen Bildung und Aufklärung, das Produkt einer Entwicklung in der Gesittung und dem Bewußtsein der Menschen sein, die zuerst in den Geistern, welche von dieser Bildung erfüllt waren, vor sich ging, und von'"hier aus nach unten und oben in alle Schichten des Volkes sich verbreitete. Man erkennt hieraus, welche Gegensätze zu überwinden waren. Es.mußten alle die Grundsätze des feudalen Staates, der ständischen Gliederung, der gewerblichen Corporationen, der Privilegien, Monopolen, örtlicher Abschließung, es mußten ebenso die Grundsätze der kirchlichen Intoleranz und Ausschließung, die nationalen Vorurtheile, und das ganze Heer gehässiger Antipathien beseitigt werden. Jemehr diese Bildung und Aufklärung um sich griffe immer tiefere Wurzeln schlugihre Ranken immer weiter ausdehnte, von Land''zu Land, von Volksschicht zu Volksschicht, desto kräftiger trat die Forderung der bürgerlichen Gleichstellung für die Juden auf, desto unwiderstehlicher drang sie auf deren Verwirklichung; erst als erkannt worden, daß jene Grundsätze sich weder halb Noch theilweise realisiren lassen, daß jede Ausnahme einer Verneinung gleichkomme, hatte unsere, Gleichberechtigung ihren vollen Platz eingenommen. Wenn nun jene Principien die des wahren Liberalismus sind, oder vielmehr wenn man Liberalismus nennt, was jene Principien bekennt und verwirklicht, so sieht man leicht ein, daß die Gleichberechtigung der Juden ihren Boden, ihre Grundlage und ihren ganzen Bestand allein in dem Liberalismus, dessen Herrschaft und Lebenskraft hat. Dies hat sich denn auch faktisch hinlänglich erwiesen: die Gegner des Liberalismus waren stets Gegner der Judenemancipation, und die Gegner der letzteren waren immer auch die Gegner des ersteren, einige wenige Ausnahmen aberechnet, deren beschränkte Ansichten bald und leicht aufgedeckt wurden. Daraus folgt aber wiederum, daß mit dem Falle und der Beseitigung des Liberalismus, d. h. jener oben gezeichneten Principien und der sie erkennenden und verwirklichenden Bildung, auch die Gleichberechtigung der Juden fallen und beseitigt werden würde, so zwar, daß der Rückbildung, wenigstens der allmähligen, eine Grenze nicht , zu bestimmen ist. Auch hierfür liegen faktische Beweise vor. Denn jede reactionäre Regierung schränkte sofort die Juden wieder ein, suchte ihnemein Recht nach dem andern wieder zu nehmen, und ließ da, wo sie sich noch nicht kräftig genug hierzu fühlte und anderweitig noch zu sehr beschäftigt war die Tendenz dahin hinlänglich erkennen; und andererseits jede Pöbelanarchie hatte in der Regel einen Angriff aus die Juden als Vorläuferin oder Begleiterin. Diese Ueberzeugung müssen wir festhalten. Ich habe in meinem Briefe weiter oben (s. No. 1t) darzuthun gesucht, daß der moderne Imperialismus, dieser Absolutismus mit scheinbaren demokratischen Institutionen, diese illusorische Vereinigung von sich gänzlich widersprechenden Grundprincipien, der Bildung und dem Bewußtsein der modernen Völker gegenüber keinen Bestand haben könne, so daß eine imperialistische Dynastie, welche bestehen bleiben wolle, dies nur werde vermögen können, wenn sie den Imperialismus aufgiebt, d. h. wenn sie dessen Wesen, den Absolutismus, immer mehr zum Schein, und dessen Schein, die liberalen Grundsätze, zu ihrer Wirklichkeit machte. Will der Imperialismus als solcher bestehen bleiben, so kann er sich in dem Kampfe um seine Existenz nur auf zwei Stützen lehnen: auf die Militär- Herrschaft und den Ultramontanismus, oder, wie man gewöhnlich sagt, auf die Prätorianer- und Pfaffenherrschaft. Die erstere hat das Volk in seinen Fesseln zu erhalten, die letztere die Bildung zu bekämpfen und aus dem Herzen des Volkes zu verdrängen. Es ist dies unausbleiblich und die Anfänge zeigen sich schon jetzt, so sehr auch der Imperialismus jetzt noch das Gegentheil, den Schein liberaler Bildung und liberaler Grundsätze zu wahren sich bemüht. Der Kampf selbst drängt ihn immer mehr, sein eigenstes Wesen zu zeigen und auf die Seite jener Beiden, welche allein zu kräftigen Werkzeugen seiner Macht tauglich sind. Hiermit ist aber auch das Schicksal der Juden unter der dauernden Herrschaft des Imperialismus entschieden. So wenig sie unter den Anfängen seiner Herrschaft zu leiden haben, ja es vorkommt, daß der Imperialismus bei Gelegenheit sich ihrer annimmt, so ist doch auf die Länge ihr Mißgeschick unter ihm unausbleiblich. Das Militärregiment schafft feudale Zustände, der Ultramontanismus fordert Ausschließung, ja selbst Verfolgung, wie der bekannte päpstliche Syllabus erst jüngst constatirt hat; die fliehende Bildung erleichtert diesen Weg und läßt die Quelle versiegen, aus welcher allein unsere Gleichberechtigung fließt. Jemehr der moderne Imperialismus das industrielle Leben zu fördern, den Sinn und die Kraft der Menschen auf den Erwerb und Genuß zu lenken strebt, durch die Unterdrückung des freien Austausches der Gedanken, dev

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