Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1866)
- Date
- 1866-04-10
- Page
- Seite 236 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226543--23877-3251203- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
theil an dem Gelingen dieses wichtigen Unternehmens genommen und noch jetzt stets mit der innigsten Theilnahme dem Vorwärtsschreiten der Schule folgt. Es ist der allgemein hochgeachtete hiesige Kaufmann, Herr Chone Kahn aus Salanthen, der das Vertrauen und die vollste Achtung der Gemeinde genießt, was wohl genügend daraus hervorgeht, daß mehr als eines der ehrendsten Gemeindeämter auf seinen Schultern lastet. Und um so größere Anerkennung verdient Herr K., daß er, ein Mann der allerstrengsten Orthodoxie, den hohen Werth der Bildung so zu würdigen weiß. Und nun zur Schule. Die Gemeinde ist in der Wahl des Vorstehers derselben recht glücklich gewesen, da sie in Herrn L. Behrmann nicht nur einen guten Pädagogen, sondern auch einen seiner schönen Aufgabe mit Leib und Seele ergebenen Mann gefunden hat. Daß die hohe Regierung Herrn.B. die vollste Zufriedenheit mit dem Zustande und den Leistungen der Schule mehrmals ausgedrückt, ist eine Handlung der Gerechtigkeit, wie wir sie von ihr zu sehen gewohnt find: aber daß auch andererseits Männer, wie der Rosch Jeschibah aus Woloschin, Rebb Leib Hirsch Berlin und der greise, weltweise Rebb Elijahu Lidder aus Szagorh, den Segen derselben erkennen, ist ein ' großer Fortschritt, — ein Zeichen der Zeit. In der That sind die vernachlässigten, verwilderten Wesen, die noch vor Kurzem — inn mmn y-iam imi mit: „Un die Erd' is gewen im21 inn" übersetzten, Dank den Bestrebungen des Herrn B. und der an der Anstalt wirkenden Lehrer, kaum wiederzuerkennen. Circa 70 Schüler*) genießen in 3 Klassen, mit Einschluß des Vorstehers, von 7 Lehrern den Unterricht in: Religion, Bibel, Ritualien, Mischna ■ und Talmud, hebräischer, russischer und deutscher Sprache, Arithmetik, Geographie, Naturwissenschaften, Zeichnen und Calligraphie. Im Sommer soll noch Turnen hinzukommen, weshalb die Gemeinde den frühern Etat auf 3000 Rubel erhöht hat, eine für die hiesigen Verhältnisse nicht allzuhohe Summe. So beträgt beispielsweise die Miethsumme für das freilich sehr schöne und geräumige Schullokal, excl. Wasser und Holz, nicht weniger als 700 Rubel S. . Die Schule besitzt eine recht zahlreiche Büchersammlung, die von der Gemeinde angeschafft wurde. *) Von denen 30 ganze* und 30 halbe Stipendiaten der Gemeinde sind. Von Herrn Horace Günzburg jun. hat sie, außer einem, Globus, Shdows Wandkarten über alle Theile der Welt, einer Specialkarte von Palästina, noch das freie Abonnement auf pädagogische Zeitschriften bis zum Betrage von 25 Rubel jährlich zum Geschenke erhalten, zum Zeichen seiner vollsten Zufriedenheit mit derselben. — Zum Schlüsse wünschen wir der jungen Schule, daß sie halten möge, was sie so schön verspricht: recht wacker an der großen Aufgabe der Bildung der Israeliten mitzuarbeiten. A. Goldblatt. 8tud. jur. Warschau, 28. Febr. Ein kaiserlicher Ukas gestattet Israeliten, welche mit dem Universitäts-Diplom des Kaiser- und Königreichs versehen sind, zum Civildienste des Königreichs nach'Maßgabe der allgemeinen Rechte zuzulassen. (Es ist also hiermit auch für Polen Bestimmt, was für Rußland schon längst gesetzlich ist.) Nachtrag. Lemberg, 22. März. Der galizische. Landtag hat zum zweiten Male seine reactionären Gesinnungen bethätigt, indem er das Statut der Stadt Lemberg genehmigt hat mit all den empörenden Beschränkungen für die Juden. Das Nähere in nächster Nummer. Lemberg, 27. März. Unter den galizischen Israeliten bereitet sich eine lebhafte Agitation gegen die neuesten, deren Rechte einschränkenden Beschlüsse des hiesigen Landtages vor. Die. Absendung einer Deputation der Lemberger Israeliten zum Zwecke der Hintertreibung der Sanction des Lemberger Gemeindestatuts, welches dieselben von jedem Antheile am städtischen Vermögen ausschließt und der christlichen Gemeinde-Repräsentanz die Möglichkeit der Auflegung neuer Judensteuern eröffnet, zugleich die Autonomie der israelitischen Cultusgemeinde vernichtet, ist als gesichert zu betrachten. Es dürfte sich aber derselben eine Deputation der sämmtlichen größeren israelitischen Gemeinden im Lande anschließen, welche die Hintertreibung der Sanction der Gemeinde-Wahlordnung zum Zwecke haben wird, weil die zu der ursprünglichen Regierungsvorlage (im Widerspruche mit dem vom