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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-10 · Heft 15 (10.4.1866) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 15 (10.4.1866)
Date
1866-04-10
Page
Seite 230 (sequence 6)
Language
German
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den Händen des vielbeschäftigten Herrn Lewek, dessen Uneigennützigkeit um so anerkennenswerther ist, als er ohne Vergütung, mit allen Seiten nach liebenswürdiger Mildherzigkert seine Mußezeit hingieLt, um Samen des Wohlthuns auszustreuen. Im Interesse des Vereins können wir nicht umhin, den Wunsch auszusprechen, daß Herr L., welcher nach einem Gerücht dieses Ehrenamt niederzulegen gedenkt, seine unersetzliche Leistungskrast nicht entziehen möge. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 29. März. lPrivatmitth.) „Kleine Ursachen, große Wirkungen." Vor einiger Zeit reisteein Schriftsteller durch Galizien. Er ist Christ und setzte auch seine Reise am Sabbat fort. Er kam an einen Schlagbaum und sollte die Mauthgebühr entrichten, doch der Mauthpächter war ein Jude und dieser wollte am Sabbat das Geld nicht annehmen und der Christ, dem dieses Geschäft oblag, war eben nicht anwesend und so mußte der Schriftsteller etwa ein halbes Stündchen warten. Dieser Herr ist jetzt hier und nährt sich redlich vom Dispositionsfonds und da läßt er Artikel in der „Oesterreichischen Zeitung" über die Judenemancipation los. Als Bedingung der Emancipation stellt er auf, daß die Juden den Sabbat auf den Sonntag verlegen, damit Reisende nicht mehr vor den Mauthschranken auf mehrere Minuten Halt machen müssen; — sonst sei die Emancipation „unmöglich." Diese Artikel haben in manchen Kreisen aus dem Grunde Beachtung gefunden, weil die „Oesterr. Zeitung." ein ofsiciöses Blatt ist. Wir wissen^ nicht, wie der Graf Belcredi über die Judenfrage denkt, doch glauben wir keineswegs, daß er die sogenannten Reformer besonders begünstigen wolle. Als Curiosum mag angeführt werden, daß der Redacteur des genann-' ten Blattes ein Jude ist und zwar Herr Löwenthal aus Lissa im Großherzogthume Posen. Freilich ist er blos nomineller Redacteur oder Strohmann; aber es ist doch ein eigeNthümliches Vorgehen eines Juden, derartige Artikel unter seiner Aegide zu veröffentlichen, während seine Glaubensbrüder in Böhmen verfolgt, beraubt, geplündert und ermordet werden. — Das Standrecht hat übrigens den lieben Wenzelskindern in Czechien einen heilsamen Schrecken eingejagt. Die Regierung hat dadurch aber einen deutlichen Wink bekymmen, wie weit es in Oesterreich käme, wenn man diesen Staat vom slavffchen Standpunkts aus betrachten würde. — Am Sterbetage des sel. Predigers Herrn Mannheimer am 20. Adar, wurde das für denselben von Seiten des Vorstandes errichtete Grabmonument enthüllt. Das Monument ist einfach aber des Todten in vollem Maße würdig. Auf demselben befindet sich blos der Name, Geburts- und Todestag des Verstorbenen und nach einer testamentarischen Anordung vom Jahre 1830 die Verse 9 und 10 des 40. Cap. der Psalmen. An der Vorderseite finden sich die Worte: „Dem Lehrer und Prediger die dankbare Gemeinde." Dr. Jellinek hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache und hob hervor, daß der Verstorbene blos Prediger sein wollte, und darum wirkte er so viel durch sein Wort. Am letzten Sabbat feierte Herr Obercantor Sulzer sein vierzigjähriges Amtsjubiläum in hiesiger Gemeinde im Gotteshause. Von nahe und ferne kamen Deputationen, Adressen, Glückwünsche und Geschenke, so aus Paris, Rom, Ancona, Venedig, Triest, Prag, Pest rc. Die Festrede, welche Dr. Jellinek hielt, war ein Meisterwerk. Ich muß bemerken, Dr. Jellinek Hatte in jüngster Zeit wiederholentlich Gelegenheit von Neuem den Beweis zu führen, daß er ein eminenter Redner sei. So 'sprach er wahrhaft erschütternd und erhebend am Sarge der Stieftochter unsers verehrten Dichters Herrn Dr. Leop. Kompert. Das junge Mädchen hatte in einem Wahnsinnanfalle sich vom 4. Stockwerke herabgestürzt. Schließlich gestatten Sie mir noch die Bemerkung, daß die Localitäten der Religionsschule sich noch immer im 3. und 4. Stockwerke befinden. So eben erhielt ich die reichhaltige Sendung des Literaturvereines. Wien, 29. März. lPrivatmitth.) Jüngst fand hier eine Gerichtsverhandlung statt, die hoffentlich nicht spurlos an einem größeren Theile des Publicums vorübergehen wird. Einige Schwindler gaben vor, in der Lage zu sein päpstliche Orden verschaffen zu können. Ehrgeizige Personen gingen in die Falle und gaben bedeutende Summen für Orden und Breves, die sich hinterher als falsch herausstellten. Sie haben nun außer dem Schaden noch den Spott zu tragen. Eigenthümlich genug wirft man unserer Zeit Materialismus vor, man sagt, sie strebe nach dem Realen und doch sehen wir eine Jügd auf n^an bars, wie sie nie in

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