Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1866)
- Date
- 1866-04-03
- Page
- Seite 217 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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217 der auch Ln Ihrem verehrlichen Blatte Raum gefunden, zeigen mir, daß man über die Volksabstimmung bezüglich der Bundesrevision vom 14. Januar nicht recht im Klaren ist. Um mich von vornherein in Beziehung der Angelegenheit der schweizerischen Israeliten kurz auszudrücken, muß ich sagen, daß dieser Punkt der einzige von allen 9 Revisionsartikeln ist, der sowohl vom Volke, als auch von den Ständen angenommen wurde. Das Resultat. der Volksabstimmung ergab 170,032 für Annahme und 149,401 für Verwerfung und von den 22 Ständen waren 121/2 für Annahme, 91/2 für Verwerfung, Wer die Maschinerie der Volksabstimmung kennt, der wird sich nicht wundern, wenn trotz aller . Aufklärung von Seite der Behörden und der Freunde politischen Fortschrittes nicht noch eine große Mehrheit zu Gunsten unserer Sache erzielt wurde. Es ist dies um so begreiflicher, wenn man weiß, welche Faktoren den liberalen Bestrebungen der- Bundes- Behörden entgegenwirkten. Am heftigsten traten die „Helvetianer" auf, die Heißsporne in der «Politik, die, weil die Bundesbehörden es nicht für gut fanden, in der Revision weiter zu gehen, auch das Dargebotene, die einstweiligen Fortschritte, refusirten. Sodann arbeiteten die EisenbahneifersüchLeleien der östlichen Schweiz, die den Bundesbehörden darum grollen, weil sie sich für die Gotthardbahn ausgesprochen, gegen eine, partielle Bundesrevision in der Hoffnung , eine Totalrevision zu erzielen und damit eine Erneuerung der Bundesbehörden. In dritter Linie machte der UltramontaNismus auch diesmal alle mögliche Anstrengungen, um die Annahme zu verhindern,, öffentlich wirkten die ultramontanen Blätter und imStillen die weltlichen und geistlichen Pfaffen, wobei merkwürdige Dinge zum Vorschein kamen. Trotz allen Anstrengungen aber , wurde der sogenannte „Judenartikel" angenommen: Ein aargauisches Blatt, der „Hausfreund" in Brugg, äußerte sich folgendermaßen: „Daß der. Kernpuntt der Revision Art. 2 in der That angenommen ist, das darf von dem Freunde der - Cultur und des Fortschrütes als ein erfreuliches Zeichen der Zeit begrüßt werden. Es ist das erste Mal, daß die Frage der bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten einem Volke vorgelegt wird. Daß die schweizerische Naüon diese Frage bejaht hat, das liefert ein schönes Blatt in .unserer Geschichte, das des Schweizerthumes mtt Ehren erwähnen wird:" Vor 20 Jahren hätte man in der gesäumten Schweiz nicht 200 Stimmen für bürgerliche Gleichstellung der Jsraeltten zusammengebracht. Und am Ende des vorigen Jahrhunderts ist es selbst den Koryphäen der Freiheit, einem Conrad Escher, Uster, Suter, ihrem eindringlichen und begeisterten und mit logischer Schärfe geführten Worte nicht gelungen, den helvetischen Großen Rach zur bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten zu bewegen.. Es. ist somit im Punkte der Toleranz bei uns ziemlich vorwärts gekommen. Und welch ein, Abstand bildet der 14. Januar 1866 zu dem 27. Juli 1862!*-" Ich . kann nicht hinterlassen , zu bemerken, daß auch hier sich jener Spruch bewährte: „Die Emancipation der Israeliten ist der Thermometer der Bildung des Volkes." Diejenigen Cantone und Landestheile, welche in der Bildung am meisten vorwärts sind, stimmten durchweg für den Judenartikel. Der Canton Zürich, der in Bezug auf Bildung unter den Cantonen den. ersten Rang einnimmt, gab sein Votum für Annahme sammtlicher Artikel mit 27,600 gegen 2400 ab. M. G. D., Italien. Aus Oberitalien, 9. März. (Privatmitth.) Da ich mit Vergnügen bemerkte, daß der Aufruf zu Subscriptionen für die Familie des verdienstvollen seligen Luzzatto vom Comits auch Ihnen .zugesandt und in Ihrem schätzbaren Blatte veröffentlicht worden, so wird es Ihnen gewiß nicht unangenehm sein, wenn ich Ihnen nach dem Oorriers Isroeliüeo di Trieste den ferneren Verlauf dieser Angelegenhett mittheile. Von den fünf größeren Gemeinden des Lombardisch-Venezianischen, welche zur Erhaltung des Collegium rabbinicum beisteuern, haben bereits vier namhafte Summen gezeichnet, (die in meinen früheren Briefen bereits erwähnt sind). Verona läßt warten, wird aber gewiß nicht fehlen. In Triest hat sich ein besonderes Comite gebildet, den Dr. Crnilio Cav. Marpurgo an der Spitze. Die Gemeinde als solche zeichnete 2000 Fcs., Privatpersonen 1095 Gulden. . .Aus Berlin gelangten vor Absendung des Aufrufs *) Der Tag, an welchem der' große Rath des Aar-' gau's wegen des am 15. Mai gl. I. gegebenen Gesetzes zur bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten abberufen wurde. 1; •!: 14