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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-03 · Heft 14 (3.4.1866) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 14 (3.4.1866)
Date
1866-04-03
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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Pest, März. (Privatmitth.) Künftigen Historikern diene zur Notiz, daß in der L i t e r a L e n löge des gegenwärtigen ungarischen Landtages mehrere hervorragende Literaten israelitischer Confession ihren Sitz haben. Wenn auch aus Bescheidenheit jene Männer ihre Namen nicht in die Welt geschickt haben wollen, so sei uns dennoch an dieser Stelle gestaltet, die Bemerkung zu machen, daß bei Gelegenheit der berühmten übrigens improvistrten Rede Deals in engen Kreisen auch einige Männer der ehemaligen Beschlußpartei, wir erwähnen beispielsweise des gegenwärtigen Landtagsdeputirten und Redacteurs des „Hon", Herrn Jokai M6r, sich unserer Sache mit Interesse annahmen. R. Debrecin, 3. März. (Privatmitth.) Der dahier bestehende landwirthschaftliche und Handwerksverein gedeiht zusehends und wurden denn auch in diesem Jahre einige Lehrlinge als Schlosser untergebracht. Zu bedauern ist, daß in der Vaterstadt eines Tisza Kalman die Toleranz keine sonderlichen Fortschritte macht, und wurden denn auch einige Israeliten aus dem Nobelcasino ausgeschlossen. Unsere Schule ist nach dem Abgänge des als Literat so rühmlichst bekannten Oberlehrers Moritz Ehrentheil eines sanften Todes entschlafen. ' Z . . . Unghvür, im März. (Privatmitth.) Den Bemühungen des hiesigen Rabbi und Vorstehers gelang es, einen zum Strange verurtheilten wahnsinnigen Juden vom Tode zu retten. Der Unglückliche glaubte den Verfolgungen seines Schwiegervaters am besten dadurch zu entgehen, so er ein Verbrechen über sich nahm, welches er weder begangen, noch das ihm nachgewiesen werden konnte. Auö Oberungarn, im März/ In einer Zeit, wo die Augen von fast ganz Europa nach Ungarn gerichtet sind, wollen Sie es mir zu gute halten, wenn ich, so weit die jüdischen Verhältnisse bei diesem Ausgleiche berührt sind, eben diese zum Gegenstände eines Referates mache. In Ungarn Unduldsamkeit suchen wollen, wäre ebenso ungerecht, als in das entgegengesetzte Extrem fallen und der Welt glauben machen, daß die hochherzige ungarische Nation für die Sache der Juden schwärme. Wollen wir nicht der Laune der Municipien immer wieder von Neuem unterliegen, nicht hundert Beschränkungen ausgesetzt sein, so dürfen wir uns nicht mit' dem Gegebenen zufrieden geben, Wohl; aber unser gutes Recht fordern. Nach unserer Ansicht wäre es gerathen, so Pest im Verein mit den Landgemeinden unsere gerechte Sache vor das Forum des Reichstages brächte, oder falls solches nicht angeht, doch Privatconferenzen nach dieser Richtung stattfänden. Wohl hören wir, daß die Männer der Hauptstadt nicht feige die Hände in den Schooß legen, doch sollte Sorge getragen werden, daß die magyarische Presse mehr unsere Sache verfechte, und wenn wir auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen dem Magyar Izraelita nicht das Wort reden, so sollte es doch unseren Gemeindevorftänden und Literaten nicht schwer fallen, ein magyarisches Journal zu finden, welches unsere Sache zu der scinigen machte, um so die Emancipationsangelegenheit Ungarns dem großen Publikum zugänglich zu machen. Gestatten Sie mir, so ich die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf eine Persönlichkeit lenke, die vermöge ihres biederen Charakters so recht unsere Hochachtung verdient und auch bereits in diesen Blättern in ihrer Eigenschaft als ehemaliger Präses des ungarisch-israelitischen Vereines, der Lehrerversammlung in Pest und als Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaft die verdiente Erwähnung fand. Wir meinen den Primararzt 'am Elisabcthinum in Pest, Herrn Dr. Josef Rüzsay. Dieser um die leidende Menschheit so sehr verdiente Oberarzt wurde bei der Grundsteinlegung, die am 27. Februar im Beisein Ihrer Majestät der Kaiserin, des Tavernikus von Ungarn, vieler geistlichen und weltlichen Würdenträger stattfand, nicht nur von seiner Majestät dem Könige mit dem Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens überrascht, sondern war auch so glücklich, dem allerhöchsten, Herrscherpaare zwei in Seide gebundene Exemplare der von ihm verfaßten historischen Skizze des Institutes ehrfurchtsvoll überreichen zu dürfen. Auf die am Schluffe der /Feierlichkeit gehaltene und mit Beifall aufgenommene Rede des 'Dr. Rüzsay geruhten Se. Majestät zu erwiedern: „Ich habe mich mit Vergnügen an dieser Feierlichkeit betheiligt und drücke Ihnen und allen denjenigen, welche zur Begründung^ dieser wohlthätigen Anstalt, diesem Asyle der Armuth beigetragen haben, meine Anerkennung aus." — Die ujhelyer Cultusgemeinde hat in ihrer Sitzung beschlossen, bei der hohen Regierung nicht um Verkürzung, wohl aber um Erweiterung der Ferien in den

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