Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1866)
- Date
- 1866-04-03
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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213 Weife nach, wie die Stellung der israelitischen Frauen nach allem, was der Talmud darüber berichtet, in jenem Zeitalter eine höhere, weit mehr geachtete war, als bei den anderen Völkern des Orients. Darauf wurde die Ansicht begründet, daß, wenn die hohe Sittenreinheit der israelitischen Frauen, der ihnen innewohnende, echt weibliche und religiöse Sinn dieselben einer solchen Stellung würdig machte, auch die größere Civilisation des israelitischen Volkes in der freudigen Anerkennung und Würdigung jener heute nicht mehr seltenen Eigenschaften des Weibes sich manifestirt hat. Eine Fülle interessanter Citate, welche von der großen Belesenheit des Vortragenden zeugten, ließ sowohl den Talmud wie alte und neue weltliche Schriftsteller für seine Ausführungen sprechen. Das zahlreich erschienene Publikum bekundete lebhafte Theilnahme für ein Thema, das mit einer der wichtigsten Zeitfragen in so naher Beziehung steht, seinen Dank am besten dadurch ausdrückend, daß es dem belehrenden und unterhaltenden Vortrag mit der größten Aufmerksamkeit folgte. — Der Bau der neuen Synagoge nach dem Oppler'schen Plane, welcher mit 1000-Thalern honorirt wurde, soll demnächst beginnen. Berlin, Ende März. (Privatmitth.) Eine von Seiten des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde an Herrn Dr. Joel wiederholt ergangene Berufung für den hiesigen Rabbinatssitz wurde von demselben abermals ablehnend beantwortet. Hierauf verfügte sich eine Commission nach Mainz, um auf Dr. Aub zu reflectiren. Die bändereiche Büchersammlung des peil, hiesigen Rabbinats-Assessors R. Joseph Oettinger ist von einem Polen angekauft und nach seiner Heimath abgeführt. Die gewählte und an Seltenheiten reiche Sammlung des Predigers Hold heim hat der hiesige Buchhändler Benzian erworben. Es gereicht der hiesigen Gemeinde zur Schmach, daß sie die Bibliotheken nicht an sich gebracht hat', während kleinere Gemeinden ihre eigene Bibliothek besitzen, und daß sie sich die Gelegenheit hat entgehen lassen, sich selber zu ehren. Wir haben hier jetzt nur noch die Bibliothek des sel. Dr. M. Sachs, die eine Menge von Raritäten aufzuweisen hat. Soll auch diese nach dem Auslande wandern oder versprengt werden? Nach dem Tode des Rabbinats-Assessors und Predigers Dr. M. Sachs wurde unter dem Namen „Sachs-Verein" von hiesigen Studirenden ein Verein begründet, der sich jeden Sonntag Nachmittags versammelt, wobei je ein Mitglied nach vorgängiger freiwilliger Meldung entweder einen freien Vortrag hält, oder ein Stück aus der Bibel, oder der arabisch-jüdischen Philosophie bespricht. Der Verein hält die jüdischen wissenschaftlichen Zeitschriften, und bereits ist ein Anfang zu einer Bibliothek gemacht. In der am 6. Februar e. hier stattgehabten Versammlung des Centtal-Vereins Arends'scher Stenographen berichtete eine Correspondenz aus Luxemburg über recht gelungene Versuche der Anwendung des' Arends'schen Kurzschriftsystems für die hebräische Sprache. In Anerkennung der segensreichen Wirksamkeit der Baruch-Auerbach'schen Waisen-Erziehungsänstalten für Knaben und Mädchen, haben Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin auf die Bitte des Directors der Anstalten, Herrn Dr. Leonhardt Auerbach, das Protectorat über dieselben angenommen. Ueber die Generalversammlung des „Hilfsvereins für arme jüdische Studirende" haben Sie bereits berichtet. Zur Ergänzung diene noch. Es wurden, wie alljährlich, die Preisaufgaben prämiirt. In der vorjährigen Versammlung waren zwei medicinische über Fieberkrankheiten und eine juristisch-philosophische über die Aristotelische Kritik des Platonischen Staates .gestellt. Zur Prüfungs-Commission der ersteren gehörten die Herren Professor Dr. Traube und der Privatdocent Dr. Joseph Meyer; die Preisrichter der letzteren waren der Decan der juristischen Facultät hiesiger Universität, der Geh. Justizrath Prof. Dr. L. C. Heydemann und Herr Prof. Dr. Gneist. Zwei Studirende, die sich um den Preis der medicinischen Aufgabe bewarben, empfingen je 50 Thlr.; von den Concurrenten der juristischen Preisfrage erhielt der» Eine den ersten Preis von 50 Thlrn., ein Anderer ein Accessit von 40 Thlrn. — Bei dem darauf stattfindenden Festmahle wurde eine Sammlung veranstaltet, die über 300 Thlr. ergab. Im Verlage von Dr. M. Poppelauer hier ist von Herrn Dr. David Cassel eine neuePeßach-Haggadah mit deutscher Uebersetzung erschienen. Der hebräische Theil ist mit einer großen Anzahl wichtiger Literarnotizen ausgestattet, wie auch die deutsche Uebersetzung mit vielen, das Verständniß erzielenden Anmerkungen versehen ist.