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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-03-27 · Heft 13 (27.3.1866) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 13 (27.3.1866)
Date
1866-03-27
Page
Seite 201 (sequence 11)
Language
German
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20l wachsenden Bevölkerung die Ansprüche, aber auch die Mttel der Befriedigung. Es werden monatliche Unterstützungen an Geld und Naturalien an 500 Familien geleistet. Die Naturalunterstützungen bestehen theils in Brod und Fleisch, cheils in gekochten Nahrungsmitteln, wozu das Cprnite eine Küche unterhält. Die von dieser gelieferten Speisen sind so gut, daß mehr als die Hälfte der Portionen von diesen Familien gekauft wird. Jährlich werden 12000 Kilogramme Mazzoth an alle, welche solche verlangen, vertheilt. Bei Gelegenheit der Einweihung des Schlosses Ferriöres bestimmte Baron James v. Rothschild 20,000 Frcs., um durch die Zinsen dieser Summe die Mittel, Feuerungsmaterialien zu vertheilen, zu vermehren, so daß jetzt deren für den ganzen Winter vertheilt werden können. 7000 Frcs. werden jährlich zu Bezahlung von Miethzinsen vertheilt, und richtet das Comitä gerade hierauf die Aufmerksamkeit der Reichen, um die Mittel für diesen Zweig zu vergrößern. 1700 Kinder besuchen die Schulen und Kinderbewahrsäle des Comitb's. Linearzeichnen und Musik gehören zu den Unterrichtsgegenständen, um das Gefühl des Schönen in den Kindern zu wecken. Außerdem besuchen 600 Kinder die mit dem Rothschild'schen Waisenhause verbundene Schule. -Das Consistorium hat endlich eine jährliche Subvention von 20,000 Frcs. von der Stadt für die jüdischen Schulen erlangt, wofür die Localitäten und Lehrmittel , vergrößert und die Errichtung von Privatschulen in den entfernteren Stadttheilen, in welchen theils zahlende, theils nicht zahlende Zöglinge ausgenommen werden, unterstützt wird. Beträchtliche Summen werden auf die Bekleidung armer Kinder verwendet. Das Waisenhaus unterhält 69 Kinder und bedarf sehr der Erweiterung. Die Knaben verlassen es zu 14 Jahren, wo sie in die Lehre kommen, die Mädchen bleiben bis zum 18.—20. Jahre. Endlich wird für die religiösen Gebräuche bei der Bestattung von Todten und für den Unterhalt ihrer Hinrerlassenen während der sieben Trauertage gesorgt. 86 arme Wöchnerinnen erhalten jährlich das ganze Kinderzeug und durchschnittlich 18 Frcs. Unterstützung; es beträgt dies jährlich ca. 7000 Frcs. Es hat sich aber auch zu diesem Zwecke noch ein. besonderer Damenverein geblldet, dessen Mitglieder die armen Wöchnerinnen selbst besuchen und ihnen Hülfe "und Unterstützung bringen. — Als ein Curiosum stelle ich Folgendes hierher. Einen langen Artikel über die Wahl des Großrabbinen beginnt der Redacteur des Univers isra6lite, der die Orthodoxie ttt Frankreich vertreten will, mit folgenden Worten: „Bis zu dem Tage, wo ein entscheidendes und unwiederrufliches Votum den Namen dessen, verkündet haben wird, der zukünftig über dieShnagoge von Frankreich regieren soll" (qui doit r6gner d6sormais sur la synagogue de France) — ist das nicht sehr jüdisch, sehr orthodox! Der Großrabbine regiert über die Synagoge Frankreichs. Bonn, 2. März. Unser geehrter College, der Redacteur der Arch. isr. ist mit unseren Bemerkungen Nr. 7 d. Z. zu dem von ihm veröffentlichten Briefwechsel zwischen dem Großrabbinen Isidor und dem Minister Duruy nicht zufrieden, ohne jedoch zu erkennen zu geben, daß er mit dem Inhalte derselben nicht einverstanden sei. Da wir ungern auf abgethane Dinge zurückkommen, würden wir dessen nicht weiter erwähnen, wenn Herr Isidor Cahen uns nicht vorwürfe: die Deutschen wagten noch immer nichts zu äußern, und wären gegen außen desto reizbarer. Dieser Vor- ,wurf ist ungerecht und beruht-auf Jrrthum. Wir unsrerseits erinnern als ein Beispiel nur an den Brief, welchen wir an den preußischen Minister v. Bethmann- Hollweg richteten, als er die Juden der Verfolgungssucht bezüchtigte, und den wir nicht allein in dieser, sondern in vielen Zeitungen veröffentlichten. Herr Cahen kennt wohl die Emanzipationsliteratur der deutschen Juden nicht genug, sonst würde er den Muth, die Kühnheit, die Unerschrockenheit der deutschen Juden gegen die Judengesetze, Minister und Parlamente ihres eignen Landes nicht in Zweifel ziehen. Er kennt unsere Johann Jacoby, Rießer, Veit, Jakob Weil u. s.' w. nicht genug, sonst würde er von den deutschen Juden anders urtheilen. — Auch das sei beiläufig noch bemerkt, daß die Priorität, die wahre Geschichte Shyloks aufgedeckt zu haben, der A. Zeit. d. Jud. gehört, wie wir Nr. 8 gezeigt. Wenn ein anderes deutsches Blatt den Artikel dieser Zeitung giebt, ohne die Quelle anzugeben, so ist dies ein Schicksal, dem wir täglich ausgesetzt sind. Nordamerika. New-Iorb, im Januar. Der Jewish Messenger berichtet über einen eigenthümlichen Rechtsfall, der hier vorgekommen. Die jüdische Gemeinde von Norfolk- 13*

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