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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-03-27 · Heft 13 (27.3.1866) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 13 (27.3.1866)
Date
1866-03-27
Page
Seite 202 (sequence 12)
Language
German
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ffWW 202 Street, eine der beträchtlichsten hiesiger Stadt, hat einen Ritus nach strengster alter Weise, und die Beibehaltung desselben war eine Grundbedingung der Gemeinde. Da sich aber diese allgemach zu verringern begann, und der Rabbiner, nebst den Verwaltern der Gemeinde die Ursache davon in der Stabilität und Andachtslosigkeit des Gotresdiestes fanden, sobeschlossen diese einige Neuerungen einzuführen. Hiergegen wurden einige Mitglieder der Gemeinde klagbar, und der Gerichtshof entschied, daß der Rabbiner und alle Beamten der Gemeinde Alles beim Alten lassen müßten. Dieser Urtheilsspruch macht großes Aufsehen, ist aber juridisch völlig. gerechtfertigt, da der Bestand aller hiesigen Gemeinden auf einem Vertrage beruht, der nicht willkührlich geändert werden darf. Erst wenn eine. Gemeindeversammlung berufen und diese per majora andere Bestimmungen beschlossen hat, wobei es dann Niemandem benommen ist, aus der Gemeinde auszuscheiden, darf mit Recht eine Veränderung vorgenommen werden. — Wie wir neulichst bemerkt, hat sich in der Hauptstadt des Mormonenstaates eine jüdische Gemeinde constituirt. In den desfallstgen Statuten befindet sich folgender Artikel: „Als Mitglied der Gemeinde wird jeder Israelit angesehen, der nach den Vorschriften die hohen Festtage beobachtet, nämlich das Neujahr und den Versöhnungstag." Chicago, im Jan. (Privatmitth.) Am 13. Dez. v. I. hielt hier in der „Ramah-Loge" der Prediger der hiesigen „Zionsgemeinde", Herr B. Felsenthal, einen ausführlichen Vortrag über „Jüdisches Schulwesen in Amerika", der großen Eindruck machte, und jetzt gedruckt erschien. Ich sende Ihnen denselben, und werden Sie wohl in Ihren Literaturberichten davon Kenntniß nehmen. Heute hebe ich nur eine Stelle hervor, welche eine in dieser Zeitung erhobene Frage bespricht, und Worte enthält, die sehr beherzigt werden sollten. Es heißt S. 35: „Was die Behauptung betrifft, wir sollten uns vom deutschen Judenthum emancipiren und unsere Unabhängigkeit proclamiren, so sagen wir: Wehe uns, wenn wir jetzt von deutschem Judenthum und seinen Einflüssen uns frei machen würden! .Wie im Mittelalter die Sonne jüdischer Wissenschaft erhaben und herrlich in Spanien leuchtete, und wie aus jenen vergangenen Jahrhunderten die Strahlen dieser Sonne erhellend und erwärmend noch in unsere Gegenwart hereinfallen, so steht nun diese Sonne am deutschen Himmel und sendet von da aus ihr wohlthätiges Licht zu allen Juden und jüdischen Gemeinschaften, die unter den modernen Kulturvölkern zu finden sind. Deutschland ist an die Stelle Sefarad's getreten. Nun verschließe man sich einmal vor den deutsch-jüdischen Influenzen! An den paar sogenannten portugiesischen Gemeinden des Landes, auf die nur mittelbar und schwach eine Einwirkung von deutschem Judenthum sich geltend macht, kann man es sehen, welches die Folgen dieser bewußtlos eingenommenen isolirten Stellung sind. Würde dieses Sichabwenden von Deutschland in größerm oder gar in allgemeinem Maße stattfinden, so würde entweder das amerikanische Judenthum in orthodoxe Verknöcherung versinken oder in nihilistischer, übermüthig-roher Bar- Room-Weisheit seinen Ausdruck finden. Aber diese künftige Orthodoxie und diese künftige nihilistische Weisheit würden einen ganz eigeNthümlichen Charakter haben, würden ächt native alnerioan sein. Die Orthodoxie würde eher einem gefühlsschwärmerischenMethodismus oder einem finster-strengen calvinistischen Puritanismus oder einem prunkvollen bischöflichen Hochkirchthum gleichen, denn einem gesetzestreuen Judeuthum, das sich mit Thalmud und Poßekim im Einklänge weiß. Nicht mehr würden bei dieser künftigen Orthodoxie Tallith und Thefillin ein Kennzeichen der Rechtgläubigkeit sein, sondern das — geistliche Ornat; nicht mehr würden bei ihr die kenntnißvollen und in Demuth wandelnden Rabbis und Lehrer gelten, sondern die ordinirten und geweihten Hierarchen, die „geistlichen" Herren; nicht mehr wären bei ihr die 13 maimonidischen Grundlehren Normen des Glaubens, sondern die etwas jüdisch colorirten 39 Artikel der bischöflichen Kirche; nicht mehr gälte bei ihr das „Thoralernen" und der gesetzestreue und sittenreine Lebenswandel, sondern das Beten, die Askese, der Glaube. Und anstatt aus Thalmud und Midraschim, die ihnen ja doch Bücher mit sieben Siegeln wären, würden die Homileten dieser neuen „rechtgläubigen" Schule aus Edwards oder Wesleh oder Spurgeon schöpfen, wobei man ja nur nöthig hätte, anstatt „our 8aviour“ den Ausdruck „the God of our ancestors“ zu setzen, und einige derartige kleine Abänderungen mehr. „Salvation by faith“, „hereditary sin“, „election by grace“, „viearious deatb"u.s. w.— das ginge gewiß noch an und würde unbeanstandet passiren. Und so würde man nicht zaudexn, das Gold unserer Lehre mit den gröbsten heidnischen Schlacken

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