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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-03-27 · Heft 13 (27.3.1866) · p. Seite 197

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 13 (27.3.1866)
Date
1866-03-27
Page
Seite 197 (sequence 7)
Language
German
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197 diesem jungen, nach so vielen Seiten hin segensreich wirkenden Institute ihr Wohlwollen zuwendeten. Die Stellung der meisten isr. Lehrer ist eine so precäre, daß in Krankheits- und Todesfällen die nackteste Hülssbedürftigkeit zu Tage tritt, wenn derselben nicht durch einmüthiges Einschreiten Vieler entgegengearbeitet wird. Bonn, im März. (Privatmitth.) Das Februarheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" enthält eine Aufzählung aller im Ressort der Unterrichtsverwaltung während des Jahres 1865 gemachten und landesherrlich genehmigten Stiftungen, 30 an der Zahl. Unter diesen befindet sich nur eine von einem Juden gemachte, nämlich die auch in diesem Blatte besprochene Meyerbeer'sche Stiftung für Tonkünstler. Dagegen fällt uns zu unserer Befriedigung No. 28 auf, wo ein Partikulier, Herr I. S. Krause in Breslau, den verschiedenen, zumeist katholischen Unterrichtsanstalten Breslan's bedeutende Summen vermacht hat. Die höchste Summe 2500 Thlr., legirte er „der israel. Waisenanstalt für Knaben und der israel.-Waisenanstalt für Mädchen in Breslau zu gleichen Theilen behufs Fundirung von ein oder zwei Stellen bei jeder dieser Anstalten." Berlin, 14. März. Der Syndikus der hiesigen jüdischen Gemeinde, Dr. jur. A. Rubo, ist vorgestern Mittag 12 Uhr plötzlich gestorben. Er war zugleich erster Vorsteher des Moses Mendelssohn'fchen Waisenhauses und der Friebe'schen Stiftung. (Herr Dr. Rub'o muß bereits ein hohes Alter erreicht haben. Vor Ein- -führung des Gesetzes vom 23. Juni 1847 'hatte er lange Zeit das Heft für die Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Händen, und sein Einfluß übte eilte fast verödende Wirkung. Redaction.) Birnbaum, 14. März. (Privatmitth.) Nachdem in den letzten Jahren die Bestätigung der in so mancher Commune getroffenen Wahl eines Stadtrathes oder Magistratsmitgliedes, seitens der Provinzial-Regierung, oft deßhalb beanstandet wurde, weil der Gewählte dem Judenthume angehörte: hat es hier nicht wenig überrascht, daß dem Herrn Ullmann, der das im hiesigen Kreise belegene Rittergut Waize vor einigen Monaten erkaufte, von der Königlichen Regierung zu Posen, ohne alle Umstände, die Polizei-Verwaltung übertragen wurde, obgleich Herr Ullmann Israelit ist..— Eben so unerwartet kam hier die Nachricht, daß der Kaufmann, Herr Haimann Drucker, welcher seit längerer Zeit das Lehnschulzen gut in dem zwei Meilen von hier entfernten Dorfe Lubjath besitzt/ von der Königlichen Negierung zu Frankfurt a. O., die seit Jahren aufs Entschiedenste' verweigerte Bestätigung als Lehnschulze nunmehr erhalten habe. — Sollten die Verhältnisse wirklich einen günstigen Umschwung für uns genommen haben, so wünschen wir, daß sie nicht wieder die Eigenthümlichkeiteu des herannahenden Aprils annehmen und nach stattgehabten Neuwahlen etwa von Neuem Umschlägen/ Der von dem hiesigen Prediger und Religionslehs rer Levy ins Leben gerufene Verein israelitischer Cültus-Beamten und Lehrer erfreut sich in der That' einer kräftigen Theilnahme, so daß schon am 7. Mai die erste Zusammenkunft in Posen stattfinden wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß 'viele Gemeinden ein solches Institut bereitwilligst unterstützen werden, da denselben durch das Vorhandensein einer Unterftützungskasse die Last der Versorgung und Erhaltung ihrer entlassenen oder dienstunfähig gewordenen Beamten und Lehrer bedeutend erleichtert wird. Von dem Stifter des Vereins wird gleich in der ersten Sitzung der Entwurf einer zu diesem Behufe an die Gemeinden zu erlassenen Ansprache zur Berathung vorgelegt t werden. Krotoschin, 9. März. (Privatmitth.) Am 7. d. M. ist ein junger Mann aus Miloslaw (einer der benachbarten Städte), Namens R. Niesner, 24 Jahre alt, welcher zur evangelischen Confession gehörte, zur jüdischen Religion übergetreten. In den 10 Jahren,, welche Herr Rabbiner Dr. Joel die hiesige Gemeinde leitet, ist dies die dritte Bekehrungs-Operation, die unter seiner Aufsicht vollzogen wurde. Um 11 Uhr V.- M. unternahm Hr. Dr. Joel diesen feierlichen Act. Er legte die beigebrachten Papiere des wackeren jungen Mannes vor. Diese bestanden in einer Erlaubniß vom Hrn. Pastor zu Miloslaw, einem Lossagungsbrief von dessen Eltern und einem Ermahnungsbrief von Hrn. Dr. Perles aus Posen. Hierauf verkündete der Herr Rabbiner dem angehenden Glaubensbekenner einen Theil von den Ceremonialgebräuchen und vermahnte denselben, bei seinem früheren Glauben zu bleiben, indem unsere Glaubensbrüder in vielen Ländern zurückgesetzt und gedrückt seien. „In BetreF des Glau-

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