Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1866)
- Date
- 1866-03-27
- Page
- Seite 194 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerichtsbarkeit ein Trotz, den er zu brechen versuchte. Allein dies sollte und konnte er eben so wenig wie spätere Romantiker auf dem Throne der Cäsaren durchführen. Das Christenthum siegte, indem es selbst verweltlicht wurde, das Judenthmn aber schied sich um -so strenger ab, je weniger es gleich diesem vom alten Heidenthmne übernehmen konnte, je reiner sich die Gottesidee in ihm ausbildete. Um so mehr mußten deshalb dem Christenthum innere Kämpfe erstehen, die Zeller vorzüglich schildert, die uns aber nichts angehen, während das Judenthum in seinem Martyrium der freien Ueberzeugung, in seinem Dulden der blutigsten Verfolgung sich immer freier ^und reiner gestaltet. Der Geist der Geschichte hat stets Werkzeuge gefunden, durch welche er Alles, was in der rastlos fortschreitenden Entwicklung -der Menschheit begründet war und ist, unfehlbar und zur rechten Zeit durchsetzt. Ein solches Werkzeug sind Sie, Herr Redacteur, der Herr erhalte Sie! Literarischer Wochenbericht. Bonn, im März. Kaum beginnen die diesjährigen Jnstitutsschriften in die Hände des Publikums zu gelangen, als uns bereits die Ausdrücke der Befriedigung zukommen. lieber den Roman „Sepphoris und Rom" schreibt uns ein sehr selbstständiger und bewährter Kritiker: „Ich kann sagen, daß dieses'Werk, dessen Lektüre ich soeben -beendet habe, mich sehr befriedigt hat, und daß ich es meiner Kenntniß nach, als eine der gediegensten Erscheinungen der neueren Literatur überhaupt ansehe. Der historische Boden ist sattsam bewahrt und benutzt, die Verwickelung und Entwickelung des Romans vorzüglich, die Charaktere treu gehalten, die Sprache besonders in den Dialogen vortrefflich; das Ganze nicht überladen, gerundet und schön, die Tendenz hervortretend, und manifestirt. Mögen es diejenigen zu würdigen wissen, zu deren Nutzen und geistiger Erhebung es geschrieben, und deren Geschichte darin verklärt ist." — Uebrigens erscheint von demselben bereits eine zweite Auflage bei Louis Gerschel in Berlin. - Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hannover, 14. März. (Privatmitth.) Dieses Mal Habe ich Ihnen von mehreren Auszeichnungen Mittheilung zu machen, die vor Kurzem einzelnen hiesigen Gemeindemitgliedern zu Theil geworden sind. Herr Architekt Oppler, der Erbauer der Marienburg und der hiesigen Synagoge, dem nun auch der Bau der Synagoge zu Breslau definitiv übertragen wurde und welcher sich fortwährend der Gunst des Hofes erfreut, ist von unserem Könige zum Baurath ernannt worden und ist wohl Herr Oppler der erste Jude in Deutschland, dem ein solcher Titel verliehen ist. Einer anderen Auszeichnung hatte sich der junge Banquier Herr Carl Coppel Hierselbst zu erfreuen, welcher von dem Könige von Schweden das Ritterkreuz des Nordsternordens erhielt. Außerdem wurde Herrn Oberlehrer Dr. Frensdorfs die Ehre zu Theil, von dem Oberhofmarschall v.Malortie im Aufträge des Königs ein Exemplar eines zumeist auf Kosten der Regierung edirten Prachtwerkes über die auf der hiesigen' königl. Bibliothek befindlichen Inkunabeln zu empfangen. Bei den jüngsten Wahlen für das Büreau der städtischen Collegien wurde Herr M. Behrens wiederum zum Schriftführer erannt und auch in mehrere Commissionen von Seiten des Bürgervorsteher-Collegiums gewählt. In dem hiesigen Talmud-Thora-Verein wurden im Laufe dieses Winters außer den Vorträgen über Mischnah noch einige andere allgemein wissenschaftlichen Inhalts gehalten, an denen sich außer dem Landrabbiner die Herren DDr. Cohn und Kayserling betheiligten. Letzterem war auch von Seiten der Direktion des hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsvereins der an dem Stiftungstage dieses Vereins übliche Vortrag für dieses Jahr übertragen. In der am letzten Montag abgehaltenen Plenarversammlung des gedachten Vereins wurde zunächst der Rechenschaftsbericht verlesen und genehmigt; die Einnahme des verflossenen Jahres belief sich auf ca. 1400 Thlr., wobei auf freiwillige Geschenke 700 Thlr. kamen, die Ausgabe dagegen auf ca.-700 Thlr. und stellte