Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1866)
- Date
- 1866-03-20
- Page
- Seite 183 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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m solche Mißbräuche zu beschützen. Nehmen wir jedoch das Gegentheil an. Der Papst führt die' unerläßlichen Reformen ein, verständigt sich mit der italienischen Regierung, erklärt sich endlich bereit, seine Unterthanen gerecht zu regieren und in Frieden mit seinen Nachbarn zu leben; wenn alsdann eine ehrgeizige Minorität, eine Bande von Revolutionären oder Aufwieglern mittelst einer Ueberrafchung die päpstliche Regierung zu stürzen suchen, den Papst gefangen nehmen oder vertreiben würde, so könnte Frankreich einer Handvoll Abenteurer die Geschicke des Papstthnms nicht in die Hand geben." Wenn wir nun auch der Ueberzeugung sind, daß Napoleon HI.* schwerlich jemals seine Hand aus Rom zurückzieht, und dieses Italien überläßt, so sehen wir doch, daß die französische Regierung Reformen von der päpstlichen Curie fortwährend verlangt, und unter diesen ‘ eine gerechtere Behandlung der Juden nie vergißt.! — Nach den „Arch. isr." hat der im letzten der „Chinesischen Briefe" dieser Zeitung ausgesprochene Gedanke, daß bei der Wahl eines Großrabbinen des Centralconsistoriums nicht allein der Charatter als französischer Bürger berücksichtigt, sondern nöthigenfalls ein Rabbiner auch aus einem 'anderen Lande, namentlich Deutschland, ins Auge 'gefaßt werden müsse, vielen Ankläng gefunden und wird in nähere Erwägung gezogen. Nachtrag. - Zu dem in Constantinopel zusammentretenden internationalen Congreß zur Verhütung der Cholera ist seitens des österreichischen Staatsministeriums vr. Po llak, der durch seine Schriften über Persien bekannte ehemalige Leibarzt des Schah's, berufen worden. — Sir Moses Montefiore har London behufs seiner neuen Reise nach Jerusalem am 25. Februar verlassen, und ist Dienstag in Calais angelangt. Der Baronet ist begleitet von Herrn und Frau Sebag, vr. Hodgkin, vr. Löwe und Capitän Moore. Der letztere ist der Bruder des englischen Consuls in Jerusalem. Unsere wärmsten Segenswünsche begleiten den edlen Greis. Möge er glücklich am Ziele seiner Reise anlangen, glücklich und mit Befriedigung nach seiner Heimath zurückkehren. Was die Erfolge seiner Bemühungen um unsere Glaubensgenossen im Heil. Lande betrifft, so sind sie freilich bisjetzt nach allen Setten hin noch sehr fraglicher Art. In der jüngsten Zeit wurden die jüdischen Bewohner Palästinas aus einer christlichen Feder mit schweren Anklagen belastet. Es wurde in englischen und französischen Blättern die Verteidigung geführt. Die beste Abwehr würde dadurch geschehen wenn sich einmal factische Resulate der verbesserten Zustände aufweisen ließen. — Berlin, 6. März. (Privatmttth.) Am Sonnabend feierte der Hilfsverein für jüdische Studierende im Lokal der „Gesellschaft der Freunde" seine regelmäßige Generalversammlung und zugleich sein fünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest, das eine große Anzahl Gäste vereinigte. Es waren auch viele Christen anwesend, darunter politische und wissenschaftliche Berühmtheiten, wie Gneist, Virchow u. A. m. Von den Rednern, welche während des Festmahls das Wort nahmen, sind besonders Sanitätsrath vr. Posner und vl^Berthold Auerbach zu nennen, welcher letztere sich sehr für den Verein interessirt und ihm manches Mitglied zugeführt hat. Der jetzige Stand des Vereins ist sehr befriedigend. Im Jahre 1845 gründeten wenige Personen mit 25 Thalern den Verein, welcher am Schluffe des Jahres 123 Thaler besaß. Jetzt zählt der Verein viele Hunderte von Mitgliedern und besitzt ein Vermögen von etwa 13000 Thalern. Die Summe der jährlichen Beiträge — 1 Thlr. ist der jährliche Beitrag, mit einer Einzahlung von 100 Thlrn. wird man immerwährendes Mirglied — übersteigt 2000 Thlr.; an Unterstützungen sind in den 25 Jahren 25,021 Thlr. 3 Sgr. 6 Pf. gegeben worden, von denen bisjetzt etwa 1800 Thlr. zurückgezahlt worden sind. Während des Festmahls wurde eine Sammlung, veranstaltet, welche über 300 Thlr. ergab. Möge der noch so nothwendige und segensreiche Verein Wetter gedeihen und wachsen! — In Glogau ist der erste Theil eines Buches „Preußens Sagen" von vr. Gräss e erschienen. In demselben sind auch die „Prophezeihungen des Bruders Hermann von Lehnin" abgedruckt, und in den Anmerkungen ist auf die wörtliche Erfüllung der bis auf die jetzige Zeit sich beziehenden Vorhersagungen aufmerksam gemacht. Auf die Zukunft bezieht sich folgender merkwürdige Spruch: „Israel wagk eine That, die kaum des Todes würdig, „der Hirt nimmt auf die Schaf und diese ihn als König." Noch kurioser aber ist die Deutung in einer An- 12