Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1866)
- Date
- 1866-03-20
- Page
- Seite 182 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226540--23816-3251139- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
durch geweckt werden, daß man die wilden Zähne an den Deutschen wetzt. Die Deutschen sind es, die Böhmen heruntergebracht; die deutschen Beamten sind es, welche Böhmens Größe und Blüthe Niederhalten; die Deutschen und Juden sind es, welche Böhmens Reich-- thum an sich gerissen. In solchen Zeiten der' agitatorischen Blüthe beginnen die Spott- und Kriegslieder: „8ur>6lka näm pise“, „Af se pinkl häxi“, „Kupte Stribro“ rc. Und nun geht es lös: Hussa über die Deutschen, hussa über die Juden! Das ist eine alte Geschichte! .Agram, 23. Febr. (Privatmitth.) Auch auf dem croatischen Landtage ist. die Gleichstellungsfrage zur Sprache gekommen. In der gestrigen Sitzung wurde über den Entwurf der Wahlordnung verhandelt. Der tz. 9. lautet: Nach dem Gesetze kann Vertreter jeder Sohn des dreieinigen Königreiches sein: a) Wenn er majorenn ist und sich nicht unter Curatel befindet; b) wenn er ein schriftkundiger Mann ist, d. h. wenn er wenigstens lesen und schreiben kann; e) 'wenn er nicht wegen eines gemeinen Verbrechens verurtheilt wurde, oder sich wegen eines solchen oder einer aus Gewinnsucht begangenen Uebertretung in Untersuchung befindet; ä) wenn nicht über sein Vermögen das Concursverfahren verhängt worden ist. Hierzu hatte der Cardinal H a u li k das Amendement gestellt, daß alle Nichtkatholiken ausgeschlossen seien. . Er begründete dies mit ungefähr folgenden Worten: „Ich hoffe, man werde mir erlauben, auszusprechen, daß ich nicht gegen Andersgläubige intolerant bin. Ich hielt immer an dem Princip fest, daß jeder Einzelne, wie auch der ganze Staat, eine bestimmte Religion anerkennen müsse; und dies um so mehr, als ein Staat, welcher keine bestimmte Religion anerkennt, in den Jndifferentismus, folglich in den Materialismus und Acheismus verfallen muß, dessen üble Folgen ich nicht zu erwähnen brauche. Wenn man mein Amendement nicht annimmt, so könnten auch Protestanten und Israeliten sich das Vertretungsrecht vindiciren. Dies würde aber meiner Vermuthung nach: zur Folge haben, daß das dreieinige Königreich seinem Charatter eines streng katholischen Landes untreu sein würde, was auch allen bisherigen.Gesetzen unseres Landtages zuwider wäre." Frankreich. Paris, im Februar. (Privatmitth.) Es wird Ihnen aus den öffentlichen Blättern bekannt sein, daß Depeschen des spanischen Gesandten am hiesigen Hofe über die römische Frage, den Cortes in dem. „Rothen Buche" vorgelegt, große Sensation hervorgerufen. Der materielle Inhalt dieser Depeschen kann nun Ihr Blatt nur sehr mittelbar, interessiren. Allerdings hat der Zustand, in welchem die päpstliche Regierung unsere römischen Glaubensgenossen ifortwährend erhält, und dessen Aenderung, so lange die weltliche Herrschaft des Papstes, dauern wird, 'nicht abzusehen ist, in uns den lebhaften Wunsch , daß diese weltliche Herrschaft aufhöre, Hervorrufen müssen, und zwar nicht allein wegen des Schicksals jener unserer römischen Glaübensbrüder, sondern auch weil es für die Gesammtheit von Wichtigkeit ist, daß ein solches auffällige Beispiel Mittelalterlicher Bedrückung, und fanatischer Intoleranz mehr aus der Welt geschafft werde. Allein diese Depeschen werden geradezu auf die Erreichung oder Hinausschiebung des Zieles nicht so sehr einwirken', daß chrer hier gedacht werden sollte. Aber in ihnen kommen Aeußerungen des französischen Ministeriums des Auswärtigen vor, die hervorgehoben werden müssen, und welche abermals beweisen, daß ein geschehenes Unrecht auch durch die Zeit nicht todtgeschwiegen wird, sondern seine Folgen früher oder später nach sich zieht. „Wenn der Heilige Stuhl", sagt Drouin de Lhuhs dem spanischen Gesandten wörtlich', „taub bleibt für alle unsere Rathschläge, wenn er die Gelegenheit zu einer Verständigung mit Italien von sich weist, wenn er sich der Einführung von Reformen widersetzt, wenn er fortfährt, Juden mit Gewalt zu taufen und Judenkinder, wie den kleinen Mortara, zu rauben, unter jeder Form die Fortschritte der Neuzeit zu leugnen, die Briganten an der Grenze zu unterstützen; wenn er endlich den Römern jede Hoffnung auf eine, wenn auch nicht liberale, doch wenigstens tolerante und gerechte Regierung benimmt; wenn in diesem Falle gegen unseren Wunsch eine Revolution in Rom ausbrechen würde — so liegt es auf der Hand, daß unsere Truppen nicht nach Rom zurückkehren werden, um den Römern eine derartige Regierung aufzuzwingen, um mit ihren Bajvnnetten