Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1866)
- Date
- 1866-03-20
- Page
- Seite 180 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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180 mindeste materielle Vortheil verbunden ist, höchstens, daß so ein Bürger das Recht hat, die Karabela beim polnischen Anzuge zu tragen, ist schwer zu begreifen, da Niemand gegen diese Herren auch nurdas Mindeste vorzubringen im Stande wäre. Gr.-Becökerek, 25. Febr. (Privatmitth.) Sie haben bereits die Erklärung Deüks bei der Adreßdebittte mitgetheilt. Ueberall wurde, diese Erklärung mit Freuden begrüßt — und die Sache der Glaubensfteiheit hat das 1. Stadium bereits glücklich durchgemacht. Denn obschon die Adresse keine Gesetzeskraft besitzt, so ist dieselbe als legaler Ausdruck der öffentlichen Meinung der Krone gegenüber von unberechenbarer Wichtigkeit und außerordentlicher Tragweite. Die Stelle in der Erklärung Desks, wegen des in Aussicht gestellten Jncolatsgesetzes, ist in den Zeitungen von den Berichterstattern zu kurz wiedergegeben, da hoffentlich dieses Gesetz auch ohne Unterschied der Religion erlassen werden wird. Pest, 25. FeLr. Die Repräsentanten der hiesigen Cultus - Gemeinde hielten gestern eine Conferenz, in welcher darüber berathen wurde, ob nicht an DeLk für dessen Aeußerung bei der Debatte über das 35. Alinea eine Dankes-Deputation entsendet werden solle. Man kam jedoch darin überein, das zu unterlassen, weil DeLk's Interpretation der Worte „Bürger des Landes" eben eine Enunciation der Gerechtigkeit war, die als solche jeden Dank ausschließt. DM wurde nachttäglich von der Berathung und deren Resultat, wie von den Motiven desselben in Kennntniß gesetzt, und hat darüber seine Zufriedenheit erklärt, da er nicht wünschte, daß die Sache der Gerechtigkeit auf das Terrain der Sympathie hinübergezogen werde. Pest, 26. Febr. Gestern war vr. Hirschler bei Deük: die Lösung der Judenfrage ist nicht so schwierig, als man glaubt, denn selbst diejenigen, die gegen sie sind, haben einen mächtigen Feind in sich selbst — sie fühlen, daß sie ein Unrecht thun.... Die Frage darf nur vom reinen Rechtsstandpunkt aus betrachtet werden; denn beruft man sich auf die Sympathien, so folgen die Antipathien nach. Wien, 26. Febr. Gestern wurde auf Bericht des vr. Kompert vom Vorstande der Rabb. vr. Güdemann ' ' - p zum Prediger am Leopoldstädter, Tempel an Stelle des Dr. Iellinek gewählt, welcher letztere an Stelle des sel. Mannheimers im Tempel in der Stadt fungirt. Prag, 27. Febr. ZuHostomitz, unweit Przibraw, fand gestern und heute ein großer Krawall dorttger Nagelschmiede statt, welcher gegen israelitisch eNagelhändler gerichtet war; die Häuser derselben wurden geplündert und ihre Inwohner am Leben bedroht. Der verursachte Schaden ist bedeutend; die Juden haben sich geflüchtet. Es sind 150 Soldaten mit dem Kreisvorstande nach dem Orte der Unruhen abgegangen. Prag, 1. März. Ueber die Excesse, die in Höst o mitz stattgefunden haben, berichtet die „Prag. Ztg." folgende Details: Am 26. v. M. kam ein Knabe zu einem der dortigen israelitischen Händler, von dem man erzählt, daß er in Folge des Handels mit Nägeln ein bedeutendes Vermögen erworben, um ihm Nägel abzuliefern. Der Kaufmann wollte ihm einige Kreuzer abziehen, worauf der Knabe ihm höhnend zurief: für „Silber" würde er ihm wohl mehr geben. (Das Wort „suibro" fSilbM ist nämlich seit der' Przibramer Affaire im Munde der dortigen Bewohner ein Hohnruf geworden.) Der Kaufman versetzte hierauf dem Knaben einen Schlag, dieser lief schreiend fort, so daß ein förmlicher Aufruhr entstand, an dem sich um so mehr Leute betheiligten, als gerade Markttag war. Es ging nun über die Juden her, und wurden deren Wohnungen und Häuser geplündert. Die E-cesse erneuten sich, als am 27. v.M. zwei der ärgsten Excedenten verhaftet wurden, und eben zogen wieder in den Abendstunden starke Volkshaufen aus mehreren Gaffen auf den Marktplatz, als die ersten Wagen mit Militär ankamen (die Truppe war um 5*/2 Uhr mit Separatzug in Zdic angekommen und auf Wagen werter befördert worden). Die Soldaten wurden von den Bürgern mit Jubel begrüßt, während der Pöbel ihnen „stribro“ entgegenrief; doch verloren die Tumultuanten alsbald den Muth und verliefen sich, bevor sich noch die Kompagnien formirt hatten, so daß die Straßen bald ganz leer waren. Doch hatte sich bereits die Aufregung weiter verbreitet, und es wurden daher noch in der Nacht eine Kompagnie nach Bechcin, wo im Laufe des Tages ebenfalls Judenhäuser geplündert worden waren, ein Zug nach Wosow, woher