Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1866)
- Date
- 1866-03-20
- Page
- Seite 177 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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rakter dieser Reden mit einem Worte bezeichnen sollten, so würden wir sie „finnig" nennen; sowohl die Anordnung, als auch die Durchführung im Einzelnen, die Anwendung der Bibelverse und Midraschim und endlich die Aüsdrucksweise ist überall sinnig. Keine philosophische Tiefe, wie sie in der Ansprache an das Volk unangemessen wäre, auch keine Mystik, selbst kein besonderer Schwung, überall aber Gedanke, Klarheit, zutreffende Empfindung, Smnigkeit. Die zweite Sammlung hat ihren- Mittelpunkt zwar in einem Zeitereigniß, in jenem Versuche einer gewiffen Clique, nach jenem Gutachten in dem Kompert'schen Proceß unter den Schlagwörtern „Orthodoxie und Reform" eine Spaltung in Wien, in Oesterreich, überall hervorzurufen, und zwar vermittelst.der Mesfiasfrage, Versuche, die selbstverständlich nach einer kurzen Zeit der Aufregung, nachdem der aufgeregte Staub sich gelegt, scheitern mußten — behält aber dennoch wegen des Gesichtspunktes, aus welchem die 7 darin enthaltenen Predigten ausgehen, eine bleibende Geltung. Sie zeigen nämlich, wie Israel berufen ist, die Einheit und Einigkeit zu bewahren, wie es durch sie allein bestehen blieb und bestehen kann, und wie dies auch in der innersten Natur seiner Lehre begründet ist. Dieses eine Thema wird nach allen Seiten hin betrachtet, erwogen und erwiesen. -An einzelnen Predigten liegen uns folgende vor: „Predigt zum Geburtsfeste des Großherzogs von Baden, von Rabbiner B. Willstädter. Karlsruhe 1865", eine wackere Predigt, worin aus Jesaias 60, 17 nachgewiesen wird, daß Wohlstand, Friede und Gerechtigkeit die drei Grundpfeller wahrer Wohlfahrt des Staates sind, die zu fördern dem Regenten zum höchsten Ruhme gereicht. Der Redner wußte das Lob seines Fürsten gerade durch das Maßhallen und, einen höheren Standpunkt erst recht hervortreten zu lasten. „Rede zur Einweihung der Synagoge zu Elberfeld, von Rabbiner Dr. Kleeberg. Elberfeld, Bädeker 1865." Die Synagoge ist „erstens ein ehrwürdiges Denkmal von Israels glorreicher und schmerzensvoller Vergangenheit, zweitens ein lebendiger Zeuge von Israels lebensfrischer und entwickelungsfähiger Gegenwart, und drittens eine beredte Verheißung von Israels ewiger Zukunst." Dieses Thema behandelt der Redner mit einer reichen Durchfühlung und einer vortrefflichen Fülle der Sprache. — „Joses, ein Spiegelbild des israelitischen Volkscharakters, von Rabbiner vr. S. H. Sonnenschein in Warasdin. Wien, Herzseld u. Bauer 1866." Der Verf. veröffentlicht diese Predigt, den Charakter Josefs gegen die Anschuldigungen zu rechtfertigen, die ihm von Bibel- und Judenfeinden gemacht seien. Wir finden dies an sich unnöthig, denn diese Anschuldigungen sind so frivoler Art, daß sie ernstliche Abwehr "nicht verdienen. -Aber es ist dies eigentlich auch gar nicht der Gegenstand des Redners, er zieht vielmehr eine recht hübsche, zum Theil auch geistreiche Parallele zwischen» den Schicksalen und Charakterzügen Josefs und des Volkes Israel, und dies in einer klaren korrekten Sprache. — „Minnestai vid Albert Jacobson’s Jordfästning i Stockholm den 17. October 1865“ von Dr. L. Lewysohn, Rabb. in Stockholm 1865. — Leipzig, im März. Der Hamaskir hat mit seinem 8. Jahrgange zu erscheinen ausgehört, und behält sich der Herausgeber vor,- an die Stelle dieser Blätter ein Jahrbuch treten zu lassen, in welchem alle auf jüdische Geschichte und Literatur bezüglichen Schriften zur Anzeige kommen sollen. — Die jüdische „illustrirte Monatsschrift", die in Wien erschien, hat mit dem Märzhest zu erscheinen aufgehört. — Der -iwnnn mit dem belletristischen Beiblatt “nasn erscheint noch immer in Lemberg und erfreut sich eines ausgedehnten Leserkreises.— Dresden, im März. Die zwei letzten Abschnitte des Pentateuchs, übersetzt und erklärt von vr. W. Feilchenfeld, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Düsseldorf. Düsseldorf 1866. Commissionsverlag von Wilh. de Haen. Der Reinertrag ist für die kürzlich von der Cholera heimgesuchten Glaubensbrüder im heil. Lande, resp. deren Waisen und Wittwen bestimmt. — Wir machen auf diese Arbeit, als auf eine eben so originelle, wie gründliche, aufmerksam. Die Uebersetzung weicht oft von den früheren ab, und der an feinen, syntactischen und lexicographischen Bemerkungen reiche Commentar motivirt den selbständigen Weg des Verf. gründlich. Der kundige Leser wird manche abweichende Uebersetzung gefällig, jedenfalls aber in der Motivirung viel Lehrreiches finden. Als Beispiel heben wir die Uebersetzung Cap. 33, 2 hervor: ... „Aus seiner Rechten strahlt Feuer ihnen." Der Verf. urgirt mit Recht, daß die Uebersetzung: „Feuer des Gesetzes", „Feuer- Religion" nicht zu billigen ist, vorzüglich weil das Wort m erst in den späteren Büchern Daniel, Esra, Esther zu finden und auch da nur „Sitte", „Verfügung," aber nie religiöses Gesetz bedeutet, woran bereits Fürst (s. Lexicon s. v. mos) Anstoß zu nehmen scheint und da- 12*