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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-03-13 · Heft 11 (13.3.1866) · p. Seite 164

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 11 (13.3.1866)
Date
1866-03-13
Page
Seite 164 (sequence 6)
Language
German
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gebildeten Juden zuertheilt, dagegen glauben wir das i Recht und die Pflicht zu haben, protestiren zu müssen. Nein, Herr Ring! Duldung und Liebe sind zunächst jüdische Lehren, und als solche lehrt sie auch das'N. T. „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, und du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. An diesen zweien Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten." >,Alles, was ihr wünschet, daß euch die Leute thun sollen,, das sollt auch ihr ihnen thun, denn das ist der. Inhalt des Gesetzes und der Propheten." Wortlaut und Zusammenhang kündigen diese Grundsätze also geradezu als die Grundlehren des Iudenthums an. Der Wortlaut ist dazu nur aus der Hillel'- schen Situation verständlich, aus der er übertragen ist. Jesus und das Urchristenthum haben überhaupt auß keinem anderen, als dem jüdischen Standpunkte .gestanden. Jesus wollte das Gesetz nicht aufheben, also kein neues schaffen. Seine Wirksamkeit war innerhalb -und für Israel; er wollte den Kranken unter ihnerHein Arzt sein. Er verbietet sogar mit den Heiden anzuknüpfen und den Hunden und Säuen die Perlen der heiligen Lehre, des Iudenthums, vorzuwerfen, damit sie von diesen nicht mit Füßen getreten werden. Woher dennoch der Gegensatz des Juden- und Christenthums gekommen ist, haben wir hier nicht zu erörtern. „Ein Gesetz, Ein Recht für Alle; der Fremde sei euch wie der Einheimische, bedrücket ihn nicht, liebet ihn, wie euch selbst", lehrt schon Moses über die Duldung. Die Exclusivität der christlichen Kirche lehrt über diese anders, und hat sie auch anders geübt, gegen die Juden zumal. Die Geschichte des Mittelalters wie der Neuzeit mit allen den Gesetzen und Beispielen socialer und politischer Verfolgung, Zurücksetzung und Bedrückung liefert die Erklärung hierzu. Ja, die Geschichte Daniel Leßmann's selbst giebt uns Beweis und Bürgschaft, wie wenig von Liebe und Duldung mit christlicher Weltanschauung und Gesittung in die Welt gekommen zu sein scheint. Noch einmal! Was davon durch Jesu Mund und Beispiel gelehrt wird, ist jüdischen Ursprungs.- Die Juden sind bis auf den heutigen Tag Träger dieser Idee, jüdische Geister sind mit am thätigsten für ihre Verwirklichung.*) , , Dr. Rothschild. *) Wir haben, die Erzählung des Herrn Max Ring, von welchem man einst schreiben wird: „Nichtjude und Nichtdichter" nicht gelesen. Wir wiffen daher nicht, ob rrauch vom Tode Leßmanns berichtet, der sich selbst ent- Preußen. Bonn, 2. März. (Privatmitth.) Es ist längst auch von uns als unnöthig erkannt worden, Blättern von dem Standpunkte und der. Farbe der „Kreuzzeitung" in irgend einer Weise entgegenzutreten, und ihren Auslassungen über Judenthum und Juden zu widersprechen. Jedermann kennt sie und ihre Parteian-und Absichten. Dahingegen dürfen wir es nicht außer Acht lassen, Blättern jenes heuchlerischen Liberalismus die Maske zu lüften, welche, während sie die Principien hochzuhalten vorgeben, konkret zu lästern, in hinterlistiger Weise zu verdächtigen, sich gern gestatten. Wir meinen hier insonders die „Köln. Zeitung",'die seit den Tagen der Redaction des Dr. Hermes, mit dem wir schon einen derben Strauß zu führen hatten, nicht aufhört, den kleinen Krieg gegen die Juden fortzuführen, weil ein solcher im Großen ihr nicht möglich ist. Sie läßt auch die entfernteste Gelegenheit nicht vorüber, in ihrem Sinne einen Streich gegen uns zu führen. In ihrem gestrigen Leitartikel handelte sie von dem Rechtsstreite über den Redakteur der schleswigholstein'schen Zeitung May. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir von ihr auch, daß May ein Jude sei, was uns bisjetzt unbekannt war. Da nimmt sie denn Gelegenheit, die Solidarität der Juden einmal wieder in Anspruch zu nehmen, "und ihnen einen Hieb zu versetzen. Sie wundert sich nicht, daß ein Mensch, daß ein Deutscher, daß ein Preuße, für den „Particularismus" (Andere sagen politische Selbstständigkeit) der Schleswig-Holsteiner eintreten könne, und doch könnte sie sich hierüber wundern, da der unfehlbare Herr Krause ein Gegner dessen ist; sie wundert sich nur, daß ein Jude dies thun könne „bei dem kosmopolitischen Charakter, den seine Stammesgenossen sonst in Anspruch nehmen." Was die Juden mit dem politischen Treiben des Herrn May zu schaffen haben, weil dieser ein Jude sei, um sie in Mitleidenschaft zu ziehen — würden wir fragen, wenn man die Weise des Herrn Krause nicht schon kennte. Will er uNs aber nicht sagen, wo und wann wir Juleibte, und ob dies nach ihm auch zu der „christlichen Weltanschauung aller gebildeten Juden" gehört. . . .v .... . Die Redaktion,...

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