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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-03-13 · Heft 11 (13.3.1866) · p. Seite 161

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 11 (13.3.1866)
Date
1866-03-13
Page
Seite 161 (sequence 3)
Language
German
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hat der französischen Nation vorgeworfen, sie könne die Freiheit nicht vertragen; man hat sie der Unruhe und der Unbeständigkeit geziehen. Es ist dies ungerecht; man kann nur sagen, daß sie noch große Elemente für den Absolutismus in sich enthalte, dagegen muß man ihr die außerordentliche Kraft zugestehen, mit welcher sie in dem Momente, wo der Absolutismus seine ganze Tendenz und seine volle Kraft darthat, ihn immer wieder zu stürzen vermochte. So den Terrorismus, als er die letzte Hand an den Convent legte, die Legitimität, als sie ihre bekannten Ordonnanzen erließ, den Julithron, als er jede Reform zu unterdrücken sich anschickte, den Socialismus, als er seine Faust auf die Gesellschaft legen wollte. Sie werden bemerken, daß ich hier den Bonapartismus übergangen. Aber ich glaube, daß, wenn dieser von außen nicht gestürzt worden wäre, er auch in Frankreich einer langen Zukunft sich nicht mehr erfreut hätte. Ich erinnere an den Versuch des Generals Malet im October 1812, die napoleonische Herrschaft zu stürzen, während der Kaiser in weiter Ferne seine Heere gegen die Grenzen Asiens führte, ein Versuch, der fast gelang, so sehr war die Macht'Napoleons in Frankreich selbst ohne Fundament und ohne Wurzel. Die Art, wie Frankreich den Kaiser fallen ließ, ist Beweis genug, daß es seiner überdrüssig war und bald selbst gegen ihn gehandelt hätte. Was geht hieraus hervor? Der neue Imperialismus hat keine verlebte Institution, keine in der Auflösung begriffene Nation vor sich, er ist keine Nothwendigkeit, keine unumgängliche Concentration von Trümmern, um diesen noch einen dauernden Halt zu gewähren — er ist nichts als eine Phase eines noch lange nicht erschöpften Kampfes, in welchem die beiden Kämpfer noch immer dieselbe Kraft erwiesen haben, der eine den anderen immer wieder stürzte, wenn dieser auch von Neuem sich wieder zu erheben verstand. Man kann sagen, daß der Imperialismus Glück und Geschick hat, Glück, weil er die Nation im Zustande der Ermüdung traf, Glück, weil sich jener bis jetzt noch nichts bot, was sie an die Stelle des Imperialismus setzen könnte,-kein Führer, kein Charakter; auch Geschick, das er in der Erhebung Frankreichs aus seiner politischen Erniedrigung und in der Accommodation an die modernen industriellen Prinzipien bewies. Dies Glück und Geschick konnte ihm einige Dauer schaffen und kann ihm noch einige Dauer bereiten. Dahingegen ist sein Wesen dem Bewußtsein und Bedürfniß unserer Zeit so sehr widersprechend, und dieses Wesen und der Kampf, den es zu bestehen hat, muß ihn andererseits zu solchen-Fehlern führen, daß fein Bestand eben dadurch, wieder gefährdet wird. Denn vor Allem bedarf er einer großen militärischen Macht, um sich im Inneren zu behaupten, und alle Versuche des Gegners, sich wieder geltend zu machen, zu unterdrücken. Hierzu muß er die Finanzen erschöpfen und einen großen Steuerdruck üben. So illusorisch auch die liberalen Institutionen sind, mit welchen er sich umgeben, so geben sie doch Gelegenheit genug, daß sich die gegnerischen Bestrebungen verlautbar machen und den ^Geist des Widerspruchs in der Nation wach erhalten. Er ist dadurch gezwungen, diese Institutionen immer von Neuem zu beschränken, statt sie zu erweitern, und dieses gerade giebt dem Gegner neuen Stoff und neues Leben. Ebenso muß er nach der Ausbreitung seines Systems streben, und dies ist eine Veranlassung zu neuen Fehlern, zu neuen Gefahren. Es bietet sich da der Schluß von selbst dar: der Imperialismus als eine neue Phase des Absolutismus könne nur Bestand erhalten, wenn er sein eigenes Wesen aufgäbe.und allmahlig zum Constitutionalismus würde. Ob er hierzu Selbstverleugnung genug besitzt, wird.die Zukunft lehren; wird er es nicht, so muß er zerschellen. — Bis jetzt zeigt er zum ersteren Falle keine Neigung. ' , : Was nun die Ausbreitung des Imperialismus betrifft, so müssen wir nicht vergessen, daß derselbe Kampf des Absolutismus und des Constitütionalismus beinahe auf dem ganzen europäischen Continente stattfindet, und es wird hieraus einleuchten, daß das Beispiel des Imperialismus stark genug ist, um auch ohne sein indirektes Eingreifen Nachahmung zu finden, indem die vorhandenen Verfassungen zu bleichen Schatten ihrer selbst verwandelt oder auch ganz bei Seite geschoben werden. Man wird einwenden, daß der französische Kaiser, nicht angestanden, sich mit der Revolution zu verbinden, um Italien seinen bisherigen Herrschern zu entreißen. Es scheint mir dies eine falsche Auffassung, denn Napoleon HI. hat sich in diesem Falle nur mit der zu beherrschenden Revolution gegen die nicht zu beherrschende Revolution verbunden. Die Bomben Orsini's hatten ihn bewußt gemacht, daß in Italien der Ausbruch der Revolution nahe sei, und um feiefein zuvor zu kommen, und nicht einen Brand sich entzünden zu laffen, dessen Flammen leicht nach Frankreich schlagen konnten, verband er sich mit Piemont. Der Züricher Frieden zeigte hinlänglich, wie gern er. stehen geblieben wäre', die französische Flotte iY* ' ''''

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