Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1866)
- Date
- 1866-03-13
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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für daS mit dem 1. Mai c. beginnende nächste, dreizehnte Jahr werthvolle Manuscripte vor. Zunächst „die Geschichte der Juden in Portugal" von v,-. Kays erlin g, ein Werk, das, höchst anziehend in den wechselvollen und tragischen Geschicken, die es zu beschreiben hat, eine Menge bisher unbenutzter Quellen sich zu eröffnen gewußt. Dann die Fortsetzung der Bibliothek, diesmal die Bearbeitung sämmtlicher kleineren Schriften des Josephus umfassend. Hierzu wird Geig er's längst erwarteter „Divan Gab.irol's" kommen, der, wie des Verfassers „Divan Jehuda Halevi's," im Rahmen der Lebensbeschreibung dieses großen Dichters und Philosophen,.- die metrische Übersetzung aller seiner Gedichte enthält. Ueber andere Werke sind, wir noch in Unterhandlung. So geht das Institut auch diesmal wohlgerüstet der nächsten Zukunst entgegen, und erhofft, wenn Gott die Segnungen des Friedens erhält, eine lange, segensreiche und der Anerkennung immer würdigere und sich erstellende Wirksamkeit. Ein Gries über die Politik in der Gegenwart, in. v Welche Erfolge wird der Imperialismus haben? Wird er Bestand haben? Wird die Napoleonische Dynastie sich einer dauernden Herrschaft erfreuen? Dies sind die Fragen, welche die Gegenwart sich vorlegt, die Zukunft allein beantworten wird, über die aber Betrachtungen anzustellen um so wichtiger ist, als für jene Zwecke die nachdrücklichsten Maßnahmen von Seiten der Imperialisten getrosten werden. Zunächst hat man sich hier klar zu machen, aus welcher Combination der französische Imperialismus hervorgegangen, und ob er. hierin seinem römischen Vorgänger und Vorbilde gleich, oder nur ähnlich ist, um denselben Erfolg erwarten zu dürfen. Dies müssen wir aber gänzlich verneinen. Der CäsariSmus in Rom trat ein, als'die Republik mehr als ein halbes Jahrtausend bestanden und durch ihre eigentümliche Entwickelung den Kern und das Wesen des römischen Volksstammes zersetzt und verzehrt hatte. Ein weltstürmender und welterobernder Staat vermag mit der Demokratie nicht zu bestehen. Um ein beständiges Feldlager zu bilden und eine, dauernde Herrschaft über viele Völker zu üben, bedarf es einer monarchischen, oder wenigstens aristokratischen Verfassung, einer-festen Gliederung, wo Commando und Subordination ihre unzweideutigen Stellen und Organe besitzen. Demokratische Freiheit und Gleichheit für den beschränkten herrschenden Stamm und Knechtung und Aussaugung für 'zahlreiche unterjochte Völker sind unvereinbar.' Nachdem daher in dem urkräftigen Rom der Kampf der Plebejer mit den Patriziern zu Ende gestritten, von dem Volke allein die Herrschaft geübt und die tausendfachen Gaben für Herrschgier und Habsucht vertheilt wurden, Luxus und Sittenlosigkeit durch die heranströmenden Reichthümer üppig wucherten, mußten Corruption, Bestechlichkeit, Trägheit, Entnervung und Entsittlichung jeder Art, das Grab aller republikanischen, ja aller männlichen Tugenden, ihre auflösenden Wirkungen in Rom üben. So war dem Cäsarismns nicht blos der Boden bereitet, sondern eine unumgängliche Nothwendigkeit gegeben, der in seiner Entfaltung als Imperialismus dem römischen Reiche noch einige Jahrhunderte den Bestand sicherte, und es statt eines plötzlichen Todes durch allmählige Fäulniß an einem "Gliede nach dem anderen absterben ließ. — Ganz anders im modernen Frankreich. Nachdem hier der Absolutismus sich, durch die Unterwerfung der Aristokratie mächtig entwickelt hatte, während er jedoch die feudalen Institutionen innerhalb der staatlichen Gesellschaft conservirte, erstand 1789 der Kampf des Constitutionalismus mit jenem, dieser Kampf, der das zweifache Ziel hatte, die feudale Ungleichheit und Unfreiheit zu vernichten, und dem Volke seinen Theil an der Leitung seiner Geschicke -zu gewähren, überhaupt die Quelle der staatlichen Gewalten in das gesammte Volk zu verlegen. Alle die wechselvollen Geschicke, alle die Erschütterungen und Umwälzungen, die seitdem über Frankreich dahingegangen, sind nichts weiter als die Phasen desselben Kampfes. Der Absolutismus trat immer wieder mit neuen Kräften und in neuen Formen auf, und wurde dann wieder, wenn er sich in seiner Machtentfaltung.am stärksten bethätigte, von seinem Gegner gestürzt. Er zeigte sich zuerst als republikanischer Terrorismus,, dann als bonapartistische Militärherrschaft, hierauf als konstitutionelle Legitimität, ferner im Gewände eines beschränkten Liberalismus und hierauf wieder als der die Gesellschaft umkehrende Socialismus: Der Imperialismus ist nichts als die jüngste Phase deffelben Absolutismus, eine Bekleidung desselben mit scheinbaren konstitutionellen Formen, eine illusorische Vermischung beider.sich bekämpfenden Principien. Man