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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-27 · Heft 9 (27.2.1866) · p. Seite 133

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 9 (27.2.1866)
Date
1866-02-27
Page
Seite 133 (sequence 7)
Language
German
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m einer Verordnung aus dem Jahre 1701 wird unter der Rubrik „Arme und Bettler" auch der.Handwerksburschen gedacht, weil sie die öffentliche Sicherheit gefährden, wo sie in großen Massen auftreten. In derselben Zeit wurden auch besondere Beschränkungen gegen die Juden erlassen, welche - ebenfalls ohne Paß nicht durch das Land ziehen durften, weil sie sonst die öffentliche Sicherheit gefährden könnten. — Das Paßgesetz von 1817 stellt drei Classen von Menschen auf, die eines Passes bedürfen: 1> Handwerksgesellen, 2) solche, die mit der ordinären Post reisen, und 3) Juden, die nicht Staatsbürger sind. Hierzu kommt dann .noch die Polizei-Bestimmung, daß jeder, der einen Paß hat, sich denselben visiren lassen muß, wenn er sich 24 Stunden an einem Orte aufhält. Der Grund, der für diese lästigen Bestimmungen angegeben wird, ist der, daß man unbescholtenen Reisenden ein sicheres Legitimationsmittel durch den Paß geben, den bescholtenen aber die Bewegung erschweren und sie durch das Visiren der Pässe in unterbrochene Berührung mit der Polizei bringen will.. — Von all diesen Bestimmungen ist bis heute nichts Wesentliches geändert. (Hört! Hört!) Nur die Juden haben die lästigen Beschränkungen im Jahre 1847 abgeschüttelt, für die Handwerksburschen sind sie beibehalten." (Mit dem Judengesetze vom 23. Juli 1847 nämlich hörte der Unterschied zwischen Juden mit und ohne Staatsbürgerrecht auf, und alle preuß. Juden wurden Staatsbürger.) — Es schadet durchaus nichts, sich solcher früheren Zustände zu erinnern. — In der Sitzung vom 13. d. M. kam die Petition eines katholischen Kirchenrathes, um eine Gehaltserhöhung ihres Pfarrers zur Verhandlung. Bei dieser Gelegenheit äußerte 'sich der Abgeordnete Jung nachdrücklich darüber, wie unbillig es sei, den jüdischen Gemeinden jede Unterstützung zu Cultus- und Schulzwecken zu versagen. Aachen, 10. Febrnar. Gutes Beispiel findet stets Nachahmung. Wir berichteten jüngst, daß ein hiesiger Israelit 1000 Thlr. zu einem Stipendium für unbemittelte Schüler des hiesigen Polytechnikums ohne Unterschied des Glaubens gestiftet habe, und lesen nun in den hiesigen Blättern: „Der Carnevalsverein hat die Überschüsse seines diesjähren Balles zur Gründung eines Stipendiums von. 1000 Thlrn. bestimmt, deren Zinsen einem unbemittelten talentvollen Realschüler, gleichviel welcher Confession, übergeben werden sollen" Berlin, 7. Februar. (Privatmitth.) Außer deck Herren Aub und Geiger wird hier auch Herr Friedmann in Mannheim als hiesiger Prediger in Vorschlag gebracht. — Es ist ein eufreuliches Zeichen jüdischer Intelligenz und Energie, daß sich so viele Juden jetzt der akademischen Laufbahn widmen, und zwar mit so vielem Glücke. Während vor einigen Monaten Herr i Philipp Munk als Professor nach der Schweiz ging, wurde ein anderer jüdischer Privaldocent der Medizin, Dr. Rosenstein, der Sohn des hiesigen Rabbiners, als ordentlicher Professor nach Groningen in Holland berufen, und gedentt er auch, sich dorthin zu begeben. Der Sohn des Redacteurs der hiesigen „Volkszeitung", Dr. Bernstein, hat sich vor Kurzem als Privatdocent der Physiologie in Heidelberg niedergelassen; und in Berlin selbst steht die Habilitation eines jüdischen Docenten der Geschichte bevor. Zu bemerken ist dabei, daß es keinen unter den jüdischen Professoren giebt, der sich nicht in seiner Wissenschaft eine geachtete Stellung verschafft hätte. Zum Beweise dafür braucht man nur Männer, wie Jaffs, Bernays, Steinthal, Weil, Lazarus, Pringsheim, Traube, zu nennen. Oesterrelchischer Kaiserstaat. Pest, 8. Febr. (Privatmitth.) Nachdem wir den Wortlaut des Adreßentwurfes vor uns haben, sehen wir, daß zwar die Glaubensfreiheit eine Phrase, aber eine sehr schwache, Alles- und Nichtssagende Phrase erhalten hat. Es heißt in Alin. 34: „Bei unseren Arbeiten von:den Grundprincipien der Verfassung ausgehend, werden wir jederzeit die Gerechtigkeit und Billigkeit gegen alle Classen der Landesbürger ohne Unterschied der Religion und der Sprache als Richtschnur betrachten." Gr.-Becökerek, 11. Februar. «Privatmitth.) Das wichtigste Tagesereigniß ist hierzulande der von der Commission, oder eigentlich von Dsak bearbeitete Adreßentwurf, welcher am 7. d. M. dem Abgeordnetenhause in Pest vorgelegt und daselbst allgemein mit großem Jubel ausgenommen wurde. Die eigentliche Adreßdebatte wird in den. nächsten Tagen beginnen und die Parteien werden also Gelegenheit haben, sich auszusprechen und einmal offen Farbe zu bekennen. Allein dies läßt sich schon jetzt behaupten, daß der Adreßent-

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