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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-27 · Heft 9 (27.2.1866) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 9 (27.2.1866)
Date
1866-02-27
Page
Seite 132 (sequence 6)
Language
German
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Aufrechthaltung der Ruhe vom Magistrate beordert waren, verschlossen. Beim Eintritt auf den Friedhof wurde das. Gebet -viaa nnrr in deutscher Sprache vom Rabbiner vorgetragen. Alsdann hielt derselbe eine ergreifende Rede, welche bei allen Anwesenden große Anerkennung und vielen Beifall fand. Also doch schon Eins hat die Gemeinde erlangt, allmählig wird es besser werden. Soweit über die politische Lage. Nun Einiges über das Schul- und Synagogenwesen. Gesetzlich sind in hiesigem Lande nur Religionsschulen gestattet. Jüdische Elementarschulen. können und dürfen nicht existiren. , Die Regierung bekümmert sich nicht im geringsten um jüdische Schulen. Es ist gar kein Gesetz über jüdische Schulen vorhanden. Es ist freier Wille der Gemeinde, einen Lehrer zu haben; es ist aber auch freier Wille der Ellern, ihr Kind in die Religionsschule zn schicken. Zwingen kann man Niemanden dazu, denn eine Klage beim Gerichte wegen Vernachlässigung des Schulbesuches wäre und bliebe fruchtlos. Ein Leichtes ist es, dem Lehrer seine Stelle zu kündigen, sofern nicht ein schriftlicher Contract abgeschlossen ist. Besser steht es mit den jüdischen Schulen im Schwerin'scheu. Da existirt eine von der Regierung bestätigte Schul-Ordnung. Die Gemeinden daselbst können ohne triftige Gründe ihren Lehrern nicht kündigen. Uebrigens spielt auch hier zu Lande der Religionsunterricht nicht die Hauptrolle. Man engagirt einen Lehrer nur des Schächtens wegen. Warum thut der hiesige Landrabbiner so wenig für die gute Sache? Würde derselbe der Regierung die Verhältnisse der Religionsschulen klar an den Tag legen, so wäre dem Uebelstande bald abgeholfen. Was soll daraus für die Zukunft werden? Ist nicht der gänzliche Verfall des Judenthums zu befürchten? Ich kann es mit Wahrheit sagen, hier zu Lande steht es schlecht mit unserer Religion. Zu meiner Freude jedoch kann ich berichten, daß Neubrandenburg hiervon eine Ausnahme macht. Das Judenthum ist hier zu Hause. Ich will damit nicht sagen, daß die Orthodoxie hier zu Hause ist — auch die Neologie herrscht hier nicht. Wie schon bemerkt, hat sich die hiesige Gemeinde erst seit 1 Jahren gebildet und besteht aus nur 9 Familien. Aus freiem Antriebe und Liebe zur Sache hält sie sich einen Lehrer, salarirt ihn, ihren Kräften gemäß, anständig. Die Ausgaben der Gemeinde betragen jährlich ca. 300 Thlr. Dazu läßt sie alle nöthigen Utensilien für Synagoge und Lehrer-Wohnung anfertigen, so 'daß hier Alles so vollständig eingerichtet ist, wie in den größten Gemeinden Hannovers und Hesiens, wo die Gemeinden zur Herbeischaffung der Schul- und Lehrerwohnungs-Utensilien von Seiten des Gesetzes verpflichtet sind. Hieraus will man schließen, was die Liebe zur Religion zu leisten vermag. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, im Februar. (Privatmitth.) Wenn die israelitischen ^Lehrer in dieser Zeitung so oft ihren Nothruf ertönen lassen, so wollen wir ihnen sicherlich das Recht hierzu nicht absprechen und hoffen, daß die Zeit, wie so vielen Uebelständen, auch denen Abhülfe bringen wird, an welchen unser Lehrftand noch leidet. Jndeß sind Win es den jüdischen Gemeinden auch schuldig, zu bemerken, daß die Noch ihrer Lehrer noch lange nicht so groß ist, wie bei vielen ihrer christlichen Collegen. Wir .sind jenen diese Bemerkung darum schuldig, damit sie nicht in Verdacht kommen , die Lage ihrer Lehrer in unangemessenster Weise auszubeuten. Viele Gemeinden sind gänzlich außer Stande, größere Summen für ihr Synagogen- und Schulwesen zu beschaffen. Dagegen ist der Zustand bei ihnen wohl nirgends so schlimm, wie folgende, durch die öffentlichen Blätter gehende Schilderung aus den christlichen Gemeinden kundgiebt: „Ueber den Stand des Schulwesens in Pommern sagt der Pastor Quistorp in der Kreuzzeitung: „Die Roth ist sehr groß. Das ganze Einkommen von mehr als 1000 pommer'schen Volksschullehrern beträgt kaum 100 Thlr. jährlich; nicht wenige Lehrerwittwen (in einer kleinen Stadt in Pommern leben deren 15) und Waisen sind in der drückendsten Lage; sehr viele Lehrer können sich kein gutes Buch anschaffen, auch ihre Kinder nichts Tüchtiges lernen lassen." — In den jüngsten Verhandlungen unseres Abgeordnetenhauses ist auch der Juden mehrmals Erwähnung gethan, und mag dies hier nicht ganz übergangen werden. In der Sitzung vom 8. Februar kam eine Petition, das Paßwesen betreffend, zur Verhandlung. Der Referent, Abg. Di'. Becker (Dortmund), warf einige Rückblicke auf die Geschichte des Paßwesens. Er bemerkt da: „In

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