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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-20 · Heft 8 (20.2.1866) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 8 (20.2.1866)
Date
1866-02-20
Page
Seite 121 (sequence 11)
Language
German
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M fänden, hatte Mali inzwischen eigene Vetstüben sich angeschafft; und der Zufluß von Fremden fand nicht mehr statt. — Zwischen jüdischen und christlichen Bewohnern Fredericias fand immer das freundlichste Verhältnis statt, wie überhaupt die verschiedenen Consessionen stets friedlich zu einander standen. Gegenwärtig zahlt die Gemeinde an 20 Familien, während die Stadt ungefähr 6000 Seelen hat, und doch sind zwei Juden unter den Bürgerreprasentanien, nämlich Herr Buchdrucker I. M. Eiheschütz, der zugleich Redacteur und Verleger der Fredericia Zeitung ist/und Herr H. L. Hirsch,- ein Enkel des'vormaligen Oberrabbinet Gedaljah zu Kopenhagen. Was das religiöse Leben betrifft, so war lange Zeit Grabesstille, bis endlich vor vier Jahren, da der selige König Friederich VH. unsere Synagoge besuchte, sich fast Alle des zerfallenen und modernden Gebäudes schämten, und der Entschluß reifte, eine neue Synagoge zu erbauen, dessen sich Namentlich die beiden öbenbenannten Bürgerrepräsentanten im Verein mit dem Vorstande hiesiger Gemeinde, an dessen Spitze der Oberarzt beim' hier gatnisonirenden Militär, Ritter Di. Abraham steht, sehr feurig annahmen. In Kopenhagen sammelte Di-. Wolff Beiträge, die Gemeindeglieder hier verpflichteten sich zu bedeutenden Gaben, und als man nahe daran war mit dem Bau zu heginnen, brach der Krieg aus, und bei der Beschießung der Festung fielen Bomben in die Synagoge und zertrümmerten diese. Hierdurch erhielt die Gemeinde eine Asseeuranzsumme für die Synagoge, utid der Neubau konnte zuvörderst mit der Wegräumüng der Trümmer begonnen werden. Da fügte es sich, daß Dr. Wolff auf Kosten der Negierung eine Visitationsreise in Fünen und Jütland unternahm, und gerade als mit der Plainirung des Platzes man so weit fertig war, am Donnerstag Nachmittag hier eintraf. Eine Deputation war ihm entgegengereist, und stellte an ihn die Frage, ob man nicht möglicherweise semen kurzen Aufenthalt allhier benutzen könne der: Grundstein zu legen. Am folgenden Morgen mn 10 Uhr ging die gewiß Uris Allen unvergeßliche Handlung vor sich. Zwar fand durchaus keine Feierlichkeit, als z. B. Musik oder Gesang dabei statt, indem, dergleichen in der kurzen Zett unmöglich bewerkstelligt werden konnte^ aber die Rede, mit welcher Dr Wolff die Grundsteinlegung begleitete, gab uns für Alles Ersatz, und es ging gleichsam ein Hauch der Andacht über die zahlreiche Versammlung, worunter Geistliche sich befanden; es war ein höchst ergreifender Moment, als Dr. W. gegen Schluß mit erhobener und erhebender 'Stimme : sprach: „Und können wrr best Grundstein zu einem Heiligthume legen, ohne daß wir des heiligen Grundsteins gedächten, der von Ewigkeit her gelegt ist, und aus welchem der Tempel hervorgehen soll, unter dessen Wölbung Alle in Einheit sich sammeln werden, um den Allheiligen zu verehten und anzubeten? Wann, wann, d Gütt, wird der Grundstein, den Du gelegt hast, der Grundstein für allen wahren Glauben: daß Du der einzige Gott bist (Schma Jisrael), der Grund für das fromme Zusammenleben aller Menschen, Liebe zu Allen, die in Deinem Bilde geschaffen sind, wann wird dieser befestigt sein in Aller Herzen? Ach, noch schmieden ja die Völker Waffen, um sich gegenseitig zu bekämpfen, und Kes Bruders Hand ist erhoben gegen den Bruder; stehen wir ja hier auf einem Boden, der Zeuge war von dem schauerlichen Auftritte, den blutigen Kämpfen, welche eine überlegene Macht hervorrief! Und doch wollen wir nicht zweifeln daran, vielmehr uns in unserer Hoffnung befestigen, daß, was Du verheißen, auch in Erfüllung gehen wird, und dauert es noch so lange, wir harren darauf, es kann nicht ausbleiben (Habakuk 2, 3), die Zeit muß doch endlich aufgehen, in welcher Dein Bethaus ein Bethaus für alle Völker genannt werden wird" (Es. 56, 7). Es läßt sich nicht beschreiben, mit welch erhobener Stimmung alle den Bauplatz verließen und wir Juden singen von der Stunde förmlich zu omern an, und konnten die Zeit kaum erwarten, bis die Einweihung vor sich gehen würde. Der Himmel segnete uns mit dem schön-' sten Wetter, so daß der Bau beschleunigt werden konnte- und eine in der That niedliche Synagoge in der Mitte der Straße mit einem schön gearbeiteten eisernen Gitterwar bald aufgeführt. Zu unserer Ueberraschung. erhielten wir kostbare Gaben, Kronleuchter, Candelabers, zwei große silberne Leuchter, eine bronzene ewige Lampe u. v. dgl. Zu der Einweihung, die nrit allem Glanze und unter großer Theilnahme vor sich ging, erschien abermals der Herr Oberrabbiner Dr. Wolff, der in seinem unermüdlichen Eifer Freitag Vormittag die Weiherede hielt, und Abends und Sabbat Morgens predigte, und Sonntag Vormittags die Confirmation hielt. Es ist Schade, daß die dänischen Predigten des Herrn Dr. W. dem deutschen Publicum entzogen bleiben. Uns aber werden es. ewig Unvergeßliche Festtage bleiben. Wie Vieles ich rroch mitzntheilen hätte, fürchte ich doch, daß der Artikel bereits zu lang geworden- und behalte mir in einem folgenden fortzusetzen vor, nament-- 8**

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