Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1866)
- Date
- 1866-02-20
- Page
- Seite 120 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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läßt. -Da bleiben denn . die MannehMchkeitett' nicht aus. Bald wird eine Gemeinde lässig■ oder- Ändert ihren Sinn, bald legt ein Lehrer seine - Stzüe nieder, bald ist'der Lehrer nicht am angemessensten gewählt. Es versteht sich, daß alle die Schwierigkeiten mit Musdauer ertragen und überwundert werden müssen, und daß man zufrieden sein kann, wenn von der ausgestreuten Saat nur einige Körner zu fruchtbaren Aehren aufschießen. Allein es tritt hier immer wieder die Frage heran, ob es nicht angemessener und folgereicher wäre, wenn man jüdische Jünglinge, aus dem Oriente nach Europa brächte, sie hier ausbildete und als Sendboten nach dem Orient zurückschirtte, um dort für Eivilisationunter unseren Glaubensgenossen wirksam zu fein? In der gegenwärtigen Gestalt bleibt es stets fraglich, ob die ganze Schöpfung mehr als eine kurzlebige Existenz haben werde, die vor jedem Anstoß von außen oder von innen zusammenbricht. Correspond enz. Fredericia (Jütland), Ende Novemb. (Verspätet.) Es . wird Ihnen gewiß höchst befremdend Vorkommen, von hiesiger Stadt, die meines Wissens nie in diesen Blattern erwähnt wurde, einen Artikel zu erhalten. Jndeß dürste wohl unsrerseits noch weit mehr gerechtfertigt sein das Befremden, daß eine Stadt, die fast ein ganzes Jahr hindurch ein stehender Artikel in allen deutschen Blättern, selbst in dem winzigsten Dorfblatte, noch niemals einen Berichterstatter in der so vielgelesenen Allg. Zeitung d. Jud. gefunden. Waren doch in den vorjährigen heiligen Tagen und d"'1 über 100 österreichische Soldaten hier, die in optima forma zum Theil mit Toben, Schreien urH> Schütteln Gottesdienst hielten, unter welchen Einige aus dem Lehrerstande sich, befanden, die nebendem was ein feindliches Heer beansprucht, besondere Gastfreundschaft hei uns genossen, und wo sich doch erwarten ließ, daß sie überhaupt von ihrem Kriegszuge, speciell aber über die hiesige Stadt und jüdische Gemeinde, wo sie längere Zeit verweilten, etwas publiciren würden.*) Jndeß während *) Im Ganzen ist es auffallenddaß. auch nicht ein einziger preußischer oder österreichischer Jude, von den vielen jüdischen Soldaten , , die den Feldzug mitgemächt, irgend welche Notizen gegeben, da sie doch zum Theil in das Kriegsvoll auf jedes Commando ängstlich täuscht; und stets fürchtet, sich ein Versehen zu Schulden kommen zu lassen, wird Mer Beobachtungssintt erstickt, und bekümmert es sich wenig, um historisch Wichtiges zu erfahren, oder gar ein Augenmerk zu haben für das, was von besonders jüdischem Interesse sein dürste, denn — inter arma sileiit müsae. — Fredericia ist nämlich nicht nur eine berühmte alte. Festung in einer reizenden Umgegend gelegen, sondern auch eine der ältesten Städte Dänemarks, in welcher schon über ein Paar Jahrhunderte vollkommene Religionsfreiheit herrschte, und die verschiedensten Confessionen Erlaubniß hatten, öffentlichen Gottesdienst abzuhalten. In einein ihrer Rescripte vom Marz 1683 heißt es, Juden, die sich hier niedersetzen, soll es gestattet sein, eine Synagoge zu erbauen, und es scheint, daß nicht lange nachher eine solche erbaut wurde. Es befinden sich nämlich ans dem hiesigen jüdischen Friedhofe Grabsteine von jener Zeit, namentlich ist hier hervorzuheben der Grabstein des Rabbiners Israel — Verfassers des V&nwi brrst, Rabbiner zu Kopenhagen —, der im Jahre 1711, da die Pest in der Residenzstadt wüthete, hierher flüchtete, und hohen Alters sich hier zum zweiten Male verheirathete und Wohl im selben Jahre das Zeitliche segnete. Die Gemeinde hat aller Wahrscheinlichkeit zufolge sich bald sehr vermehrt, und besonders fanden sich die vereinzelt wohnenden Israeliten aus dem Umkreise Nordschleswigs und Jütlands zu den festlichen Zeiten hier ein, so daß der Pfarrer Wilse in seiner Beschreibung Fredericias v. I. 1790 sagt: Fredericia wäre ein anderes Jerusalem, wohin die Juden rings umher, und auch andere, besonders polnische Juden, aus der Ferne wallfahrten. Nach demselben Verfasser wurde 1719 eine neue Synagoge in der Ritterfiraße erbaut, welche er als recht schön und gut erhalten beschreibt, in welcher sich kostbare Jnventarien vorfänden. Diese Synagoge ist, indeß 1753 fast ganz wiederum erbaut worden, und 1814 sah sich die Gemeinde veranlaßt, dieselbe abzureißen und ein zweistöckiges Hans zu erbauen, wo im oberen die Synagoge und im unteren die Wohnung für den Chasan sich befand, beide aber durchaus nichts Ansprechendes.hatten. Während in früheren Zeiten ein piL m-nw hier war, begnügte man sich nun mit einem Vorsänger, Lehrer und Schächter; in den übrigen Städten umher, von wo sich die Juden hier ein-' Hamburg, Mona, Rendsburg, in den schleswigschen Städten ü. s. w. waren. Corresp.