Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1866)
- Date
- 1866-02-20
- Page
- Seite 119 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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119 gewordene Huld errnuthi'gt, nahen wir daher vertrauensvoll dein erhabenen Throne Eurer Majestät, unserer tiefgefühlten Besorgniß Ausdruck gebend, denn nur .Eurer Majestät ist es möglich, die Gefahr abzuwenden, welche in dieser Hinsicht dem Lande droht. Diese Bitte des treugehorsamsten Landtages wird.zwar den vielfachsten Mißdeutungen und Verunglimpfungen begegnen. Wir sind darauf gefaßt. Denn wir leben in einer . Zeit, welche auf die völlige Trennung von Staat und Kirche und. auf die Säcularisirung des Staatsgesetzes bis zum Atheismus hinarbeitet. Einer solchen Zeit klingt natürlich die Sprache des tyroler Volkes, mtt der dasselbe sich für die Erhaltung der Glaubenseinheit begeistert, fremd und unverständlich." Der Schluß dieser Petition ist von einer rührenden .Einfalt. Wenn die ganze Jetztzeit das Verlangen und die Anschauung der Tyroler nicht versteht, so müssen diese entweder um Jahrhunderte der Gegenwart vorgreifen, oder Jahrhunderte hinter derselben zurück sein. Da nun die Tyroler schwerlich auf das erste Anspruch machen, so sagen sie von sich selbst aus, was allerdings der Wahrheit gemäß ist. Uebrigens bewährt sich hier aber und abermals, wie die Beschränkung eines Princips auf einen bestimmten Theil auch für den letzteren zum Nachtheil ausschlägt. Der 16. Art. der Bundesakte vom 8. Juni 1815 verlangt bic Gleichheit der bürgerlichen und politischen Rechte in allen deutschen Landen für die Katholiken und Protestanten mit Ausschluß. der Juden.. In Folge dessen können auch die Protestanten in Tyrol nicht zu ihrem Rechte kommen, wie umgekehrt die Katholiken nicht in Mecklenburg. . Lemberg, 4. Februar. (N. fr. Pr.) Die Hoffnung der hiesigen Israeliten, der Landtag werde das vom Gemeinderath vorgelegte, für die Israeliten so unvortheilhafte Gemeindestatut nicht bestätigen, wird sich nicht realisiren. Die landtägliche Statuten-Commission, der alle jetzt von verschiedenen Städten eingesendeten Statute zugewiesen werden, hat nämlich den Grundsatz angenommen, einer jeden Stadt die größtmögliche Autonomie zu belassen, und bestätigt alle ihre vorgelegten Statute, nur darauf sehend, daß dieselben mit dem allgemeinen Gemeindegesetze nicht' im Widerspruch stehen. Das Statut der Stadt Krakau ist schon von der Commission angenommen worden. In Kurzem wird das Lemberger Statut, das Stanislawower, Rzeszower u.s.w. in Verhandlung genommen und angesichts des oberwähnten Grundsatzes wahrscheinlich bestätigt werden. Prag, 5. Febr. (N. fr. Pr.) Auf dem Maskenballe, der gestern im Neustädter Theater äußerst zahlreich besucht war, erschienen nach 11 Uhr einige als Juden verkleidete.Masken unter Vortragung einer dreifarbigen Fahne, welche auf der einen Seite die Namen „Koscher" und „Tagesbote" „Bohemia" und „Presse", und auf der anderen „Kreuzheereszug gegen Schleswig-Böhmen" .nebst dem Davidswappen ausgezeichnet trug. Der größere. Theil des Publikums begrüßte die. mit hölzernem gezückten Säbel eindringenden Masken mit wohlverdientem Zischen, und nur der kleinere Theil ließ Beifallstöne: erschallen. Die Masken, welche bei ihrem Jndeln das czechische Idiom nicht verbergen konnten, haben es nur der äußerst toleranten Maskenfreiheit zu -verdanken, daß von gewisser Seite dieses flagrante Symptom nationaler > Hetzerei nicht sogleich besettigt wurde; allein einem Theile des Publicums schien dieser Scherz doch etwas zuweit zu gehen; es wurde dem Fahnenttäger seine Standarte entrissen, diese getreten und zertreten, und dann der Träger mit seinen Beglettern in etwas unsanfter Manier aus dem Saale spedirt. Frankreich. Paris, im Februar. (Privatmitth.) Die Alliance Israel, univ. hat soeben wieder ein halbjähriges Bülletin erlassen, welches die Protokolle von vier Sitzungen des Vorstandes vom 26. Juni, 16. August, 18. Oktober und 23. November veröffentlicht. Wenn auch dieselben nichts Hervorstechendes liefern, das hier besonders Hervorzuheben wäre, so zeigen sie doch, daß die Zahl der Mitglieder noch immer zunimmt und daß die Bestrebungen der Gesellschaft nicht ins Stocken gerathen. Da in dem letzten halben Jahre unsere Glaubensgenossen im Oriente irgend einer grausamen Behandlung nicht ausgesetzt waren, so beschränkten sich die Bemühungen der Alliance auf die in einzelnen Städten des Orients gegründeten Schulen. Aus den Mittheilungen hierüber erkennt man freilich die ungeheueren Schwierigkeiten, mit welchen die Sache zu kämpfen hat. Die Alliance hält den vernünftigen Grundsatz fest, daß sie zur Gründung einer Schule nur da beiträgt, wo die Gemeinde selbst einen Beitrag leistet, weil sonst für eine solche Anstalt kein Boden vorhanden, und wo man ihr die Wahl des Lehrers über- 8 ■