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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-20 · Heft 8 (20.2.1866) · p. Seite 117

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 8 (20.2.1866)
Date
1866-02-20
Page
Seite 117 (sequence 7)
Language
German
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'117 Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Februar. tPrivatmitth.) , Da die bezügliche Rüge einmal auch in Ihrem Blatte gestanden, möge hier auch bemerkt werden, daß die Gemeindeverwaltung die Religionsschule nunmehr aus dem vierten Stock in die Parterre-Lokalitäten verlegt hat. Lemberg, 29. Januar. Unter den Petitionen, die bei dem galizischen Landtage eingegangen, befindet sich das von Smolka in Form einer Bitte um Verleihung eines besonderen Gemeindestatüts eingebrachte, Ihnen aus früheren Berichten sattsam bekannte Lemberger Gemeindestatut; ferner eine von Dietl eingebrachte Reclamation der israelitischen' Gemeinde Tarnow gegen das von Rutowski eingebrachte Statut für diese Stadt. — Es läßt sich voraussetzen, daß auch die Lemberger Jsraelitengemeinde gegen jenen berüchtigten Statutenentwurf beim Landtage petitioniren wird. Lemberg, im Februar. (Privatmitth.) Es ist natürlich, daß auch Ihr Blatt seine Aufmerksamkeit gegenwärtig ganz besonders auf die hiesigen Vorgänge gerichtet hält. Wenn einerseits der in Galizien stattfindende Kampf um die Gleichberechtigung an sich schon interessant genug ist, so wird er es durch die Stellung, welche die Juden, namentlich die Lemberger, hierbei eingenommen haben, nur um so mehr. Die galizischen Juden haben thatkräftig bewiesen, daß sie der polnischen Nationalität in allen gesetzlichen Forderungen zur Seite stehen, daß sie aber Selbstbewußrsein genug haben, sich ihr nicht willenlos hinzugeben, wenn sie sich freindselig gegen sie wendet. Die Lemberger Juden haben die Forderungen der Nationalität und ihre Pflichten als Juden in angemessenster Weise zu verbinden verstanden. Wir wissen, daß wir vom Ziele noch weit entfernt sind; wir wissen, daß wir es nur durch einen ausdauernden Kampf erreichen können; wir wissen aber auch, daß wir, wenn wir uns nur selbst tteu bleiben, es sicher erreichen werden.. Der Jude in Galizien ist ein zu bedeutender Bruchtheil der Bevölkerung, als daß der Pole seiner entbehren könnte, und muß dieser daher ihm zuletzt sein nicht abzuleugnendes Recht zugestehen. Der polnische Pfahlbürger will dies noch nicht erkennen; aber jeder weiterschauende Pole sieht die Notwendigkeit ein. Wir rechnen es daher allerdings dem Grafen GoluchowsÜ hoch an, daß er den moralischen Muth gehabt, seiner früheren Richtung entgegen, für die ganze Gleichberechtigung in die Schranken zu tteten. Es gehört mehr Stärke dazu, einem früheren Jrrthum offen abzusagen, als ihn trotz besserer Crkenntniß falschverstandener Consequenz wegen, aufrecht zu erhalten. — Wir hoffen aber auch, daß dieser Kampf im Interesse der Glaubensfreiheit auch mehr Glaubenseifer in der gebildeten Classe der galizischen Juden wecken, und das erreichte Ziel nicht auch das Ziel des neuen lebendigen Strebens sein werde. Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit einem Stoßseufzer Luft schaffen. Ich habe in früheren Jahren mich in Deutschland tüchtig umzusehen Gelegenheit gehabt, und erfuhr da oft, welche große Erwartungen man von den polnischen Juden hatte, sobald erst der Sauerteig der Bildung in sie hineingekommen, und ein geistiger Gährungsprozeß in ihnen entstanden sein würde. Seitdem sind drei Jahrzehnte vergangen. Was ist von diesen Hoffnungen in Erfüllung gegangen? Man sagte mir immer in Deutschland : die polnischen Juden besitzen eine so reiche geistige Begabung, so viel Scharfsinn und Sagacität, daß, wenn es in ihren Köpfen erst licht geworden, sie Außerordentliches leisten und dem Judenthume die bedeutendsten Geister liefern werden. Aber bisjetzt haben wir hierauf vergebens gewartet. Die Bildung,, selbst die Gelehrsamkeit ist in unser Land eingerückt: ihre Wirkung bestand bisjetzt nur darin, daß die große Masse sich um so zelotischer vor ihr abgeschlossen, der ihr ergebene Theil sich dem Jndifferentismus völlig überlassen hat, und an jüdischen Angelegenheiten, jüdischer Literatur u. s. w. gar keinenWntheit nimmt, bis etwa außerordentliche Ereignisse ihr Interesse wieder wecken, von dem es aber fraglich ist, wie lange es aushält. Nun, solche Erscheinungen dürfen uns nicht muthlos machen, und berechtigen nicht zur Aburtheilung für immer! — In B r o d y ist der Schuldirector R e i t m a n n mit Tode abgegangen. Es wäre zu wünschen/ daß der befähigte Mann in rechter Weise ersetzt werde. — Ueber die Dankesbezeugung der Lemberger Gemeinde an den Grafen Goluchowski läßt sich der Wanderer folgendes schreiben : „Namentlich waren die Interessenten durch die höchst liberale Begründung dieses Anttages seitens des Antragstellers nicht wenig erstaunt und gleichzeitig angenehm überrascht durch dessen warme Fürsprache. Stand es doch Goluchowski frei, ohne eine Lanze für die Ju-

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