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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-20 · Heft 8 (20.2.1866) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 8 (20.2.1866)
Date
1866-02-20
Page
Seite 116 (sequence 6)
Language
German
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8. Massimo Taparelli, Marchese d'Azeglio. Dieser hochberühmte italienische Staatsmann, Maler und Schriftsteller, der in diesen Tagen in einem Mer von 65 Jahren verstorben, darf auch in diesem Blatte micht vergessen werden, denn unter seinen politischen Schriften glänzt auch eine solche über die Emancipatton der Juden neben seinen über die Reformen im Kirchenstaate, über die Preßfreiheit in Italien u. s. w. Sein Wort galt viel auf der apenninischen Halbinsel und half mächtig den Boden bearbeiten, auf welchem der neue Staat so schnell emporgewachsen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Stadtberge, 2. Febr. Der jüdische Gottesacker zu Obermarsdorf konnte bis Ende vorigen Jahres nicht eingefriedigt werden, weil ein Weg ins Feld darüber führte. Mit Bewilligung der Obrigkeit und der Stadtverordneten wurde dieser Weg um den Friedhof gelegt und letzter eingefriedigt und am Eingänge mit einer Mauer und eisernen Pforte versehen.. Einzelne Obermarsberger sahen mit Aerger, daß sie nun einen Umweg machen mußten, gaben sich daher alle erdenkliche Mühe, die Einfriedigung zu hintertreiben; ja, es wurde sogar der Weg des Processes eingeschlagen, aber umsonst. In der Nacht vom l.auf den 2. Febr. wurde nun die Mauer des Friedhofs total zertrümmert; die Sandsteine fand man überall umhergeschleudert und die Hecke an drei Stellen zerrissen. Das eiserne Thor war anfangs gar nicht zu finden, bis man durch Verfolgung der noch frischen Spuren ungefähr 10 Minuten vom Platze den einen Flügel und nicht weit davon den andern stark zerbogen wiederfand. Einer kann diese That nicht begangen haben; denn das schwere Thor ist über Gräben und Abhänge geschleppt worden, wozu die Kräfte von mehreren Personen erforderlich waren. Sehr zu wünschen wäre es, daß man den Thätern auf die Spur käme. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat 50 Thlr. auf die Entdeckung derselben gesetzt. ‘ Köln, im Februar. (Privattnrtth.) Wenn man den ,Geist der Vorurteilslosigkeit' und Toleranz in einer Provinz nach dem Standpunkte beurtheilen darf, welchen das verbreiterste Blatt derselben einnimmt, so kann man cher Rheinprovinz nicht allzuviel von jenem zutrauen. In zahllosen Fällen verräth die „Kölnische Zeitung" ein Mißwollen, eine geheime Gehässigkeit gegen die Juden, die gerade um so mehr auffällt, je weniger sie, welche die Grundsätze des (allerdings sehr gemäßigten) Liberalismus vor sich trägt, eine wirkliche Unduldsamkeit predigen darf. Bekanntlich ist man viel weniger gegen die groben Streiche eines offenbaren Hasses empfindlich, als gegen die Nadelstiche dessen, der sich billig und vorurtheilsfrei stellt. Solcher Nadelstiche aber ist die K. Z. bei jeder Gelegenheit voll. Erwähnen wir nur eines Beispiels, das uns in diesen Tagen auffiel. In No. 35 berichtet sie aus Melbourne, daß man Spuren der verlorenen Leichardt'- schen Reisegesellschaft aufgefunden, und einige Verehrer des unglücklichen Reisenden wollten eine Expedition zur Erforschung seiner letzten Schicksale veranstalten. Sie berichtet wörtlich weiter: „Unter Mitwirkung der Geistlichkeit in Melbourne haben die sieben größeren christlichen und nicht-christlichen Religions-Abtheilungen (der Englisch-Bischöflichen und Presbyterianer, Wesleyaner, der Schotten, der Lutherischen, der Katholiken und — der Juden) je zwei Damen gewählt und diese 14 Damen bilden ein Central-Comitö." Was wollte die Köln. Zeitg. mit dem Gedankenstrich vor „den Juden" sagen? Wundert sie sich, daß die Juden an solchem Liebeswerke Theil nehmen, oder daß die Damen der übrigen Confessionen auch zwei Jüdinnen in das Comitö zuließen? Da die K. Z. hinlänglich weiß, wie sehr die Juden auch in ihrer Umgebung zu allen gemeinnützigen und wohlthätigen Werken beizusteuern bereit sind, so kann nur der zweite Grund sie so erstaunlich verblüfft haben, daß sie zu einem Gedankenstrich griff. Wir allerdings möchten über solches Gebühren einer Zeitung, die sich so überaus klug dünkt, und sich auf ihre Klugheit so viel zu Gute thut, auch zu einem Gedankenstrich greifen. Frägt man dann, was wir uns unter diesem Gedankenstrich dachten, so antworten wir: daß die K. Z. ihr Erstaunen aus der wirklichen Handlungsweise ihrer Umgebung geschöpft haben muß. Was in Melbourne natürlich ist und täglich vorkommt, davon ist man in Köln noch sehr weit entfernt.

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