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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-20 · Heft 8 (20.2.1866) · p. Seite 113

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 8 (20.2.1866)
Date
1866-02-20
Page
Seite 113 (sequence 3)
Language
German
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große Erfolg, den die Empörung Absaloms hatte, läßt sich lediglich aus den Lasten und Beschränkungen herleiten, welche die starke Centralgewalt dem Volke auferlegte; denn der Stamm Juda nahm ebenso vielen Antheil daran, wie die übrigen Stamme. Aber nach dem Siege drängte sich der Stamm Juda, obwohl er anfänglich sich zurückgehalten hatte, den König zurückzurufen , vor den übrigen Stämmen vor, so daß die letzteren davon verletzt wurden (2 Sam. 19 12 ff.), und eine neue Rebellion unter einem gewissen Scheba aus Benjamin diese Mißstimmung benutzen wollte, aber doch nicht genug Anklang fand, und darum ' bald niedergeschlagen wurde. Unter Salomo wurden die Lasten immer größer und die Centralgewalt straffer, und nahm zuletzt den Charakter des Absolutismus an. Wenn auch der friedliche Charakter, den die Regierung Salomo's bewahrte, dem Volke viele Belastung ersparte und ihm Ruhe gewährte, seinem Gewerbe, das ist dem Ackerbau, obzuliegen, so entfaltete doch der König eine Verschwendungssucht, die, nachdem sic das wohlthätige Werk der Errichtung eines Nationalheiligthums vollbracht, sich in Prachtbauten aller Art befriedigte, im der Verbindung mit den Herrschern anderer Völker, insbesondere in der Vermählung mit fremdländischen Prinzessinnen, in der Etablirung einer Haremswirthschaft, ja auch in kostspieligen Versuchen Schiffahrt und Handel dem dazu ungeeigneten Volke zu schaffen, die Kräfte des verhältuißmäßig armen Landes erschöpfte und das Volk mit Steuern und Abgaben bedrückte. Hierbei ist nicht zu übersehen, daß Salomo auch zur Erschlaffung des religiösen Geistes, der sich unter David so herrlich gekrästigt und im Beginne der Regierung Salomo's einen so großen Aufschwung genommen hatte, viel beitrug. Er, der Erbauer des Tempels, ließ den Götzendienst seiner fremden Weiber zu, und erbaute ihnen Altäre und Capellen. Bei der noch immer wenig befestigten religiösen Energie des Volkes, bei der Beweglichkeit, mit welcher es sich noch immer dem Heidenthume der Nachbarvölker so leicht hingab, war dieses Beispiel von unberechenbar schlimmen Folgen, und leitete gewissermaßen das Volk an, sich dem Nationalheiligthnm zu entfremden. Daß der religiöse Geist unter Salomo bedeutend an Kraft verlor, giebt auch die spätere Zeit zu erkennen, da sie sonst schwerlich das Buch Kohelet dem Salomo zugeschrieben hatte, und die Legende vom Asmodi, der die Stelle Salomo's eine lange Zeit eingenommen habe, das Urtheil der Nachwelt in dieser Hinsicht einschließt. Ein Abfall vom Davidischen Hause war daher, wie die Erzählung von dem Begegniß des' Ephraimiten Jerobeam mit dem Propheten Achijah erweist (I Kön. 11, 26 f.), bereits unter Salomo verbreitet, und hier trat nun das Stammesbewußtsein als Factor hervor: man setzte eine Trennung von zehn Stämmen voraus, so daß nur Juda, mit welchem durch seine geographische Lage und durch seinen gemeinsamen Antheil an Jerusalem, Benjamin politisch verschmolzen war, bei dem Davidischen Hause verbliebe. Salomo über hielt die Zügel der Negierung in festen Händen, wie er denn auch die Verbrechen bestrafte, die David wegen der. noch fühlbaren Schwäche der Centralgewalt un gerächt gelassen hatte, und es wurde ihm leicht, den Aufstand des Jerobeam, den er selbst über Ephraim und Manaffe gesetzt, niederzuhalten. Mit um so größerer Gewalt brach der Aufstand nach seinem Tode aus, Doch noch immer waltete das Gefühl der Nationaleinheit vor, und hielt anfänglich das Volk zurück. ■ Abgeordnete trugen dem jungen Könige Rehabeam die Beschwerden vor und verlangten Erleichterung und Abhülfe. Wäre der junge Erbe des Thrones sich des Ursprungs seiner Krone, des Wahlrechtes des Volkes, des Vertrages, auf welchem die Monarchie beruhete, und des Grundgesetzes, auf das die Volksexistenz gestellt war, bewußt gewesen, so hätte er nachgegeben und das Volk in seinen gerechten Forderungen befriedigt. Damit hätte er aber den Absolutismus der Centralgewalt, den sein Vater geschaffen, aufgeben müssen, und dies wollte er nicht. War es auch rühmlich, daß er in die schlaue Hinterlist, welche ihm die alten Räthe seines Vaters vorschlugen, nicht willigte, so lag denn doch nur das absolutistische Motiv zu Grunde, und dies brach sich nun an dem Freiheitsgefühle des Volkes, welchem das Stammesgefühl zu Hülfe kam. Diesmal trat dem Stamme Juda der mächtige Stamm Ephraim gegenüber. In der ganzen bisherigen Königsgeschichte hatte dieser keine Rolle gespielt; durch Jerobeam war sein Geist geweckt, und so trat er an die Spitze des Volkes.' Der Bruch war geschehen; die zehn Stämme bedienten sich ihres Wahlrechtes, einen neuen König zu wählen; es bestanden nunmehr zwei Reiche nebeneinander; die Nationaleinheit war gebrochen. Fragen wir nun, warum diese zu keiner Wiederherstellung gelangte? 8*

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