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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-20 · Heft 8 (20.2.1866) · p. Seite 112

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 8 (20.2.1866)
Date
1866-02-20
Page
Seite 112 (sequence 2)
Language
German
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112 zu beseitigen, "um an dessen Stelle ein rein politisches Königthum, ein absolutes und despotisches, wie es in Asien überall zu finden, aufzurichten. Samuel wollte daher dem israelitischen Königthume ein besonderes religiöses Moment einsenken, und dies war dem gottbegeisterten Propheten völlig natürlich. Ihm war, und so stellte er es auch dem Erkorenen und dem Volke selbst vor, der König von Israel ein Erwählter Gottes, auf welchen ein göttlicher Geist gelegt werde; und in diesem Sinne salbte er den König mit dem heiligen Salböl, mit welchem der Hohepriester gesalbt wurde (1 Sam. 10, 1). Er spricht dabei ausdrücklich die Worte: „Siehe, so salbet dich der Ewige über sein Erbe zum Fürsten." Ebenso salbte er, als er Saul verworfen hatte, den David (1 Sam. 16, 13); ja, als David von allen Stämmen cklierkannt wurde, salbten ihn „die Aeltesten Israels zum Könige über Israel" noch einmal. Hierdurch wurde der israelitische König auf einen ganz eigenthümlichen .Boden versetzt. Man erinnere sich, daß dieses Salböl aus ganz besonderen Stoffen vorschriftsmäßig bereitet, und selbst seine Bereitung durch Nichtpriester mit der Strafe der Ausrottung bedroht war. Mit diesem Salböle. wurden die Heiligthümer, der Hohepriester und die Priester gesalbt: es sollte hochheilig und Alles, was damit gesalbt würde, heilig sein (2 Mos. 30, 22 f.). Wurde also der König, mit diesem Salböl gesalbt, so war er dadurch aus der Sphäre einer blos politischen Macht, wie es der „Richter" war, in die des Heiligthums, oder doch des Heiligen versetzt. Verbinden wir diesen Begriff mit jenem Grundsatz, daß der israelitische König, wenn er das Gesetz dauernd verletzte, der Krone verlustig sein sollte, so beschränkt'sich die durch die Salbung bewirkte Heiligung auf die Unantastbarkeit der königlichen Person.- In diesem Sinne wurde es auch sofort verstanden, und als die Person Sauls in die Hände Davids gefallen und die Genossen des letzteren ihn aufforderten / sich zu rächen, verweigerte er es, „seine Hand gegen den Gesalbten des Ewigen auszustrecken, denn der Gesalbte des Ewigen ist er" (1 Sam. 24, 7.), ja er machte sich Vorwürfe, daß er nur den Zipfel seines Mantels abgeschnitten (V. 6.). Es ist offenbar, daß der König hierdurch einen religiösen Nimbus erhalten sollte, der nicht allein den König, so lange er dem Gesetze folgte, vor jeder Widersetzlichkeit bewahren, sondern ihn auch an die Lehre und das Gesetz, mit einem Worte, an die Religion .Israels knüpfen sollte. Zog der König aus der. Religion eine höhere Weihe seiner Würde und Person, so war er darauf hingewiesen, diese Religion selbst zu stützen und festzuhalten. In der That ging der Zweck, den die Annahme der Monarchie hatte, in Erfüllung. Schon Saul und Jonathan, noch mehr David demüthigten alle feindlichen Nachbarvölker so sehr, daß nicht allein, die.vierzigjährige Regierung Salomons eine völlig friedliche war, sondern überhaupt von da ab eine, Gefahr für Israel 'erst wieder durch die großen asiatischen Dynastien der Aramäer, Assyrer und Chaldäer herein kam. Dahingegen stieß die Stärkung der Centralgewalt alsbald auf ihre natürliche Opposition. Zunächst ergaben sich Beschränkungen und Belastungen der Individuen, welche in dem, ungebundener Freiheit gewohnten Volke den Geist der Widersetzlichkeit weckten. Die unaufhörlichen Kriege, welche die Könige zu führen hatten, um das Land von den darin noch wohnenden Völkerschaften zu säubern/die Grenzen zu sichern und zu erweitern, brachten ein stehendes Heer wie von selbst mit sich und erforderten die Anstrengungen des Landes. Mit der Entwickelung des Königthums kamen neue Bedürfnisse in Hofstaat und Bauten, und mit dem Siege auch die größere Machtfülle und deren Ausübung. David mußte an Organisation der Verwaltung denken, Städte befestigen, Burgen bauen, Stadthalter und Beamte einsetzen, wodurch die Freiheiten des Volkes beschränkt wurden. Selbst die Gerichtspflege mußte sich stärker concentriren, da jetzt ein allgemein anerkannter und dauernder oberster Richter vorhanden war; auch dies mußte in vielen Individuen Feindseligkeit erwecken. Von der anderen Seite wurde die Selbständigkeit der Stämme in ihren abgegrenzten Landestheilen betroffen, und die Rivalität geweckt, da der Stamm, welchem der König angehörte, eine gewiffe Superiorität beanspruchte. So war es Benjamin, der ganz besonders überredet werden mußte, als die Krone von der Familie Sauls auf David übergehen sollte (2 Sam. 3, 19.) Das Stammesgefühl und das Nationalbewußtsein lagen hier immer im Streite mit einander. Als die Stämme Israels David zum Gesammtkönig machen wollen, sagen sie: „Siehe, dein Gebein und Fleisch sind wir" (2 Sam. 5, 1.). — Dies ist der Ausdruck des Nationalbewußtseins; während bei jedem Abfall sie sprechend „Wir haben keinen Theil an David und keinen Erbbesitz am Hause Jsai's" (1 Könige 12, 16.).— Dies ist der Ausdruck des Stammesgefühls. Von hier aus sind sowohl die Empörungen unter David als auch der Abfall der 10 Stämme erklärlich. Der

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