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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-13 · Heft 7 (13.2.1866) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 7 (13.2.1866)
Date
1866-02-13
Page
Seite 105 (sequence 11)
Language
German
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lock", ist aber so freundlich, die ungerechte Gesetzgebung, die Unterdrückung, als Repräsentant „Venedig", schuldiger als jene zu finden. Man wird eingestehen, ' daß solche Ausdrücke und Urtheile weder das Wohlwollen, noch den hohen Sinn des Herrn Duruy bekunden, welche unser geehrter College darin erkennt. ' Die mittelalterlichen Juden waren keine Engel; aber dre Raubritter, die Kreuzfahrer, die Zünftler rc. rc. waren auch keine Engel; die Juden bis zu ihrer bürgerlichen Gleichstellung hatten manche böse Sitte, aber Adlige wie Bürgerliche, Priester wie Laien in derselben Zeit hatten manche böse Sitte; und zum hundertsten Male-sei es gesagt, die Juden waren niemals Shylocks, und historisch war gerade der, welcher das Pfund Fleisch verlangte, keine Jude, wohl aber der, dem es herausgeschnitten werden sollte. Der Dichter hat die Rollen vertauscht, und ist entschuldbar, thut es der Geschichtsschreiber auch, ist er verdammenswerth. Doch wir wollen über die Thatsachen mit dem französischen Minister nicht streiten, weisen aber seinen Brief, unserem Urtheile nach, als eine schlecht motivirte Rectification zurück. Paris, im Januar. Das Büreau der Alliance isr. vmiv. hat, wie die Arch isr. berichten, den Herrn Louis I. Königswarter an der Spitze, am 1. Januar eine Audienz bei den jetzt in Paris befindlichen Gesandten von Marokko gehabt. Der Redner dankte dem Sultan von Marokko für die Versprechungen, die er seinen jüdischen Unterthanen in Folge der Mission des Sir Moses Montefiore gemacht habe; machte aber bemerklich, daß die Gouverneure der Provinzen und die Unterbeamten sich nur wenig den wohlmeinenden Absichten des Sultans geneigt zeigen. Hierauf betonte er die wichtige Rolle, welche die jüdischen Bevölkerungen berufen sind, in den commerziellen und socialen Beziehungen zwischen Europa einerseits und Asien und Aftika andererseits zu spielen; sowie er auf den bedeutenden Wohlstand aufmerksam machte, den die Israeliten allen den Ländern .gebracht, welche sie als Bürger ausgenommen, indem sie ihnen vollständigste Gleichberechtigung mit den übrigen religiösen Confessionen gewährleistet. Die Gründung von Schulen, welche die Alliance betreibt, wurde besonders der Aufmerksamkeit der Marokkanischen Regierung empfohlen. Die Gesandten des Sultans fingen damit an., zu erklären, daß die Vorschriften des Coran gleiche Gerechtigkeit für Alle, ohne Berücksichtigung der Religion, vorschreiben; daß es der ernste Wille des Sultans sei, die israelitischen Unterthanen gleich den mohammedanischen zu behandeln; sie versprachen sodann, ihrem Herrn getreulich die Dankesbezeugungen der Juden und die Wünsche, welche die Alliance ihnen in Bezug auf die Marokkanischen Juden vorgetragen, zu überbringen. Schweiz. Aargau, 23. Januar. (Privatmitth.) Die jüngste Mittheilung über das Abstimmungsergebniß erfordert eine Berichtigung. Von allen neun Revisionspunkten ist nur ein einziger, der zweite, angenommen. Das Schweizervolk hat die Nothwendigkeit der Beseitigung der bisherigen Zurücksetzung der Juden erkannt und will, daß die Schweiz mit dem übrigen Europa Schritt halte. Da dieser Punkt eigentlich der am meisten angefochtene war, so ist dessen alleinige Annahme durch Volk und Canton doppelt bemerkenswerth. Für den 6. Revisionspunkt, Glaubensfreiheit, stimmten nur 11 Cantone. Notizen. In der Sitzung des galizischen Landtags vom 25. Januar motivirte Graf Goluchowski seinen Antrag wegen Grundbesitzfähigkeits-Ertheilung an Israeliten (wird an die juridische Commission gewiesen.). — In der Sitzung deß Landtags der Bukowina zu Czeruowitz vom 20. Januar begründete Abgeordneter Dr. Pompe seinen Antrag, es sei ein Ausschuß einzusetzen, welcher über die-Durchführung der von der Regierung principiell ausgesprochenen Gleichberechtigung aller vom Staate anerkanntenCoufessionen Anträge zu erstatten habe. Er hebt insbesondere die Beschränkung der Besitzfähigkeit der Israeliten in der Bukowina hervor und verweist auf die zahlreichen Unzukömmlichkeiten, die in Folge dieser Bestimmung eintreten, welche übrigens nicht so sehr die Personen als das Land treffe, da auch Mährer, Ungarn u. s. w. sich hier nicht ankaufen können, wenn sie nicht die gesetzlich geforderte Qualification haben.—

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