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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-13 · Heft 7 (13.2.1866) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 7 (13.2.1866)
Date
1866-02-13
Page
Seite 104 (sequence 10)
Language
German
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Uttb populär geworden, aus der Feder des'berühmten Professors, der gegenwärtig das Ministerium des Inneren bekleidet, enthält eine unseren Glauben demüthigende und beschimpfende Phrase. Der Herr Großrabbiner Isidor nahm Veranlassung, dies dem Verfasser, Herrn Duruy zu bemerken, und der Verfasser hat unmittelbar dieser gerechten Reclamation Folge gegeben, hat es aber in so wohlwollenden Ausdrücken und mit solch hohem Sinne gethan, daß dies den Werth der ..Berichtigung verdoppelt. Paris, 24. Januar 1866. Herr Minister! Ich habe mit großem Interesse die Geschichte Frankreichs, deren Verfasser Sie sind, und die jüngst in die Gemeindeschulen eingeführt worden, gelesen; die Jugend wird sie gleich uns mit Vergnügen lesen und mit Nutzen studiren. .Aber je vollkommener das Buch ist, je peinlicher war es mir, darin eine Phrase zu finden, die nicht mit Ihrer gewöhnhnlichen Ausdrucksweise übereinstimmt und auf welche ich mir die Freiheit nehme, Herr Minister, Ihre geneigte Aufmerksamkeit zu richten. Es ist da Lei Gelegenheit der Gefangennahme der Herzogin von Berry, Seite 233 gesagt: „ein Jude verkaufte sie." Das Wort „Jude" bei einer solchen Infamie klingt sehr übel in einem Buche, welches besonders für Kinder bestimmt ist; es kann erloschene Vorurtheile wieder erwecken und viel Uebles wirken. Alle Religionen, wie Sie wissen, Hrrr Minister, verurtheilen den Verrath mit -derselben Energie und keine ist verantwortlich für die durch einen Ihrer Anhänger begangenen Fehler. Uebrigens war Deutz kein Jude mehr, als er den Verrath beging; er hatte seit langer Zeit seinen Glauben sogar in Gegenwart der Herzogin von Berry abgeschworen. Ich kenne Ihre Gefühle der Gerechtigkeit und Toleranz, Herr Minister, Ihr ganzes Leben ist davon ein Beweis; und ich habe die Ueberzeugung, daß Sie es mir Dank wissen werden, Ihnen diesen Jrrthum bezeichnet zu haben, den Sie sicher ebenso bedauern, als wir. aber deutsche Kritiken so viel berichteten und die darin aus der Perspective des Napoleonismus vorgenommenen Perdrehungen der Geschichte gegeißelt haben? - Redact. d. A. Z. d. I. . Genehmigen Sie, Herr Minister re: Der Großrabbiner von Paris: Am selbigen Tage, an dem sein- Brief abgeschickt worden, erhielt der Groß-Rabbiner folgende Antwort vom Herrn Minister des öffentlichen Unterrichts. . Kabinet des Ministers des öffentlichen Unterrichts. Herr Großrabbiner! Ich gebe meinem Verleger Auftrag, dieses Wort, welches Sie mir bezeichnet haben, und welches keinen Platz in einem solchen Buche hätte finden sollen, zu streichen. Es ist in einem förmlichen Widerspruch mit allen meinen Ansichten über den Unterricht. Ich war fortwährend in den dreißig Jahren meines ProfessoratS bemüht, ineinen Schülern die Ungerechtigkeit jetrer Vorurtheile, welche frühere Jahrhunderte einigen unserer Mitbürger hinterlassen haben, klar zu machen, und ihnen zu erklären, daß, wenn Kategorien von Men-' schen zu gewissen Zeiten unter der Wucht verdienter Vorwürfe gestanden, dies nur war, weil eine ungerechte, abscheuliche Gesetzgebung ihnen ein abgesondertes Leben auferlegt hatte. Die Geschichte der Juden gab mir immer Veranlassung zu zeigen, wie verabscheuungswürdig die Bedrückung sei, und daß schlechte Gesetze schlechte' Sitten hervorbringen. Shylock ist weniger schuldig als Venedig. Genehmigen Sie, Herr Großrabbiner rc. Duruy. Nachbemerkung der Redaction d. A. Z. d. I. Daß Herr Duruy den bezüglichen Passus in seiner Schrift geändert hat, ist anzuerkennen, obschon es nichts weiter als die einfache Pflicht der Wahrheitsliebe war, da Deutz kein Jude war. Jedenfalls verdient Herr Isidor den besten Dank, daß er die Verbesserung der Stelle herbeigeführt und so der schädlichen Wirkung jenes Ausdrucks auf die französische Jugend zuvorgekommen. Was aber die Antwort des Ministers betrifft, so scheint sie uns gerade das Gegentheil von dem zu sagen, was französischer Seits darin gefunden worden; sie bestätigt die Anklage gegen die Juden, sie bezeichnet sie als verdient, und will sie nur entschuldigen und die Ursache auf die Schultern der schlechten Gesetze und ihrer Urheber wälzen. Er giebt zu verstehen, die Juden hätten „unter der Wucht verdienter Vorwürfe gestanden," er schreibt ihnen „schlechte Sitten" zu, er stellt sie auf das Niveau von „Shy-

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