Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1866)
- Date
- 1866-02-13
- Page
- Seite 103 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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103 dieser Stadt war, obzwar er weder Kie7 Wahlfähigkeit, noch eine Stimme im Rathe der Stadt besaß; aber wir glauben, daß nicht die Ausübung der Bürgerrechte, sondern die Erfüllung den Bürgerpflichten es ist, welche, wenn auch nicht den Bürgertitel, so doch die Krone des bürgerlichen Verdienstes ertheilt." Hierauf fährt das magyarische Blatt fort: „Würdige Worte am Erinnerungsfeste - einer ausgezeichneten Persönlichkeit auf den Lippen eines vorzüglichen Gelehrten; dabei zugleich sehr zeitgemäß in dem Momente, wo sich wohl nach so langer Zeit öffnen wird die Bresche, um lji Million Menschen — gesegnet mit Verstand, Thätigkeit und den Wohlthaten des Glückes — in die Wälle unserer Verfassung aufzunehmen." ■" „Die Nationen berauben sich immer selbst, wenn sie eine verständige und arbeitsame Volksclasse aus ihrer Mitte ausschließen, einen solchen Volksstamm, welcher selbst in den finstersten Zeiten vielfache Beweise seiner Fähigkeiten lieferte, indem derselbe Dort, wo er geduldet wurde, wenigstens durch einzelne ausgezeichnete Männer den Ruhm des betreffenden Landes erhöhet^ Eine ganze Schaar Philosophen, Aerzte, Dichter und Entdecker ging aus ihren mit Gewalt auseinander gesprengten Reihen hervor. Als man sie ans Spanien vertrieb, gingen sie, um Holland reich zu machen; baute man in Großstädten enge Ghetto's für sie, so brachen aus denselben die Strahlen einzelner edler Geister hervor, wie der Börne's. aus der Frankfurter „alten Iudengasse", und vermehrten die Aufklärung ihres Zeitalters; .... und stehet ihnen keine andere Bahn offen in der Mitte vornrtheilsvoller Nationen, so bemächtigen sie sich des Handels und vermehren dadurch die Schätze der Welt." „Die Vorurtheile zerstreuen sich immer mehr und werden morgen vollständig verschwinden, wie ein Nebel aus anderen Zeiten, welcher bei dem klaren Lichte der heutigen Zeit nicht mehr bleiben kann, und wovon sich höchstens noch ein Theil in verborgenen Schlupfwinkeln zu erhalten vermag, wo solcher niemandem weiter zu schaden im Stande ist." Sal. Blum. Neu-Verbaß, 23. Januar. (Privatmitth.) Anknüpfend an unseren Bericht in No. 2 haben wir hinsichtlich der siebenbürgisch-ungarischen Unionsfrage und ihrer eventuellen Rückwirkungen auf die allgemeine .Gleichberechtigung heute mitzutheilen, daß das königliche Antworts-Rescript auf die Adresse des siebenbürg. Landtages, dem - in derselben ausgedrückten Wunsche Rechnung tragend, die Wahlen in Siebenbürgen für den ungarischen Reichstag zwar ausschreibt; jedoch die definitive Union beider Länder, außer der staatsrechtlichen Frage, noch „von der Gewährleistung der. auch durch den Landtag gewürdigten Rechtsansprüche der verschiedenen Nationalitäten und Confessionen" abhängig macht. Das „Ivoiozsväri Küzlöny“ (Klausenburger öff. Organ) theilte statistische Daten mit, um mittels derselben nachzuweisen, daß die Majorität der Landesbewohner beim siebenbürg. Landtage durch solche Deputirte vertreten werde, die für die Union stimmten, und führt neben den anderen Volksstämmen.des Landes auch 12,571 Juden an; während die übrigen, circa 2000 Juden durch unionsgegnerische Deputirte repräsentirt sind. Ob nun den siebenbürgischen Juden das Wahlrecht, welches sie für den dortigen Landtag besaßen und ausübten, bei Vornahme der für den "gemeinsamen Ungar. Reichstag von allerhöchster Seite angeordneten Wahlen nicht wieder entzogen werden wird lindem dieselben nach dem engherherzigen 1848er Wahlgesetze vollzogen werden sollen), wird sich bald zeigen. Wjr können in dieser Beziehung nür mit der in No. 2 citirten „Korunk" dahin übereinstimmen, daß die siebenbürgische Regierung die entsprechende liberale Verfügung treffen möge. Sal. Blum. Frankreich. Paris, im Februar. Die „Arch. isr.“ enthalten ein Schreiben des Großrabbinen Isidor von Paris an Herrn Duruy, Minister des öffentlichen Unterrichts, und die Antwort des letzteren, die wir hier in wortgetreuer Uebersetzung wiedergeben wollen. Da uns aber die Antwort des Ministers durchaus nicht so befriedigend erscheint, wie unserem geehrten Collegen, dem Herrn Redacteur-.der Arch. isr., so geben wir auch dessen einleitende Worte: „Ein Werk, das klassisch*) *) Wir möchten wohl wissen, ob dies das jüngst in die französischen Schulen eingeführte Lehrbuch der Geschichte ist, das wir selbst zwar nicht kennen, von dem