Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1866)
- Date
- 1866-02-13
- Page
- Seite 102 (sequence 8)
- Language
- German
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102 '(in dem heiligen Grundsätze unserer'Religion fest: Was du nicht willst, das man? dir thü, das. fügauch keinem Andern■: zu.; Daher:'habe ich meinen Antrag zu Händen des Marschalls eingebracht und bitte mm - dessen Zuweisung an die juridische Commission." (Lebhafter- Beifall der Linken-und der Galerie, Unruhe auf der Rechten.)' - Die Majorität beschließt die vom Antragsteller vorgeschlagene formelle'Behandlung; die Bauern Hebda (Masur) und Kowbasiuk (Ruthene) bestteiten jedoch die Richtigkeit dieses Abstimmungs-Resultates, wahrscheinlich in der Meinung) daß es sich um meritorische. Annahme oder Verwerfung des Antrages handle. -Der Land marsch al l, unterstützt won Skrz y n ski, besteht jedoch auf seinem Rechte, das Abstimmungs-Resultat selbst zu constattren, und läßt keine Gegenprobe vornehmen. - Lemberg, 27. Januar. (N. fr. Pr.) Kann einem Juden!'das. Bürgerrecht ertheilt werden oder nicht? Das ist die Frage, mit welcher sich gegenwärtig unsere ^emberger Bürger befassen. Anlaß dazu gab die an' den' Gemeinderath gerichtete Bitte dreier hiesiger, allgemein geachteter Israeliten um die- Ertheilung des Bürgerrechtes,. nämlich des Hauseigenthümers und Directörs/d'er ' Filiale der Nattonalbänk, Joseph Kolischer, des Bankiers. Nierenstein und des Hauseigenthümers Schäpira. Diese Angelegenheit kam vorgestern vor den Gemeinderäth, und es schien, daß' sich derselbe entschließen wird, die Bitten zm berücksichtigen.- Der Referent Dr. Rajski hat in einer glänzenden langen Rede dem Gemeinderathe zu beweisen getrachtet, daß > obwohl bisher - Lemberg keinem Israeliten das Bürgerrecht ercheilte,! so doch nichts im Wege stehe, die Bitten ' der Petenten zu berücksichtigen. Er wies darauf hin, daß andere.galizische Städte, wie Krakau uudStanislau, unter ihren Bürgern Israeliten schon zählen, daß die bestehenden Gesetze nichts dawider haben, daß in dieser Hinsicht die Gemeinde vollkommen autonom sei/daß die Gemeinderathe, wenn sie die Bitten berücksichtigen öder verwerfen,. Niemandem Rechenschaft über ihren Beschluß ' zu legen haben , und nur vor ihrem eigenen Gewissen--verantwortlich sind, und dieses werde ihnen/gewiß nicht erlauben, das Bürgerrecht den Herren Petenten deßhalb nur, weil sie Juden sind, zu verweigern; zur Beruhigung, der Herren >. Gemeinderathe hob der Redner auch hervor/daß in den zu erteilenden Bürgerdiplomen ausdrücklich wird gesagt werden;' daß diese Herren als' Israeliten keinen Anspruch/auf ein Miteigenthumsrecht am Gemeindevermögen, welches; wie' bekannt,'für christliches'Eigenthum erklärt wurde, haben. ' Die ganze Versammlung' hatr"mit wahrer Pietät die schöne Rede angehört, und beschloß/' ohne dem von Dr. Rajski im Namen der Sectton Eingebrachten und jetzt motivirten Antrag auch den mindesten Vorwurf zu machen, gleich zur geheimen- Absümmung zu schreiten: Mit - großer Spannung wartete das Publikum auf das Resultat der Ballotag^zuwer es jedoch nicht gekommen ist, weil die Herren- Gemeinderäthe ein ausgezeichnetes Mittelfanden, um in dies er heiklichen Principienfrage keinen1 Beschluß zu fassen und dieselbe bis auf Weiteres in suspenso p belassen. Sie verloren sich nämlich nach und nach aus dem Sitzungssaale und machten wie wenigem Mebriggebliebenen beschlußunfähig. Die ganze Angelegenheit bleibt im Status quo; unterdessen haben einige um das Wohl der Stadt besorgte Gemeinderathe telegraphische Anfragen an ihre Wiener Eollegen'A!^gerichtet, ob.die Wiener Commune je einem Juden das Bürgerrecht ertheilt habe. In derselben Sitzung hat der Gemeinderath weL schlossen, an das Ministerium sich mit der Bitte zu wenden , es möge für die Zukunft, sowie ehemals die Christen und' die Juden, jede Gemeinde für sich abgesondert das Recruten-Contingent abstellen. Anlaß zu diesem sonderbaren Beschluß fand man in dem Umstand, daß wie Israeliten verhältnißmäßig zu wenige Militärpflichttge auf den Assentplatz stellen und daher die christliche Jugend verkürzt wird: DieserBeschluß wurde eigentlich im Jahre' 1862 gefaßt, damals aber nicht vollstreckt, weil man noch im gütlichen Wege mit dem israelitischen Gemeindevorstand die Angelegenheit zu schlichten hoffte. . ^/ . Neu-Berbaß, im Januar. (Privatmitth.) Besonsonders angenehm berührt hat in ungarisch-jMschen Kreisen.ein Artikel wes magyarischen illustr. Wochenblattes: „Raränlr 68 3 Kulföltl“ (Unser Vaterland und das Ausland), dessen geistvoller Wochenchronist'Karl V ad nah, anknüpfend an die jüngsthin in den Räumen desu„MgM Izraelita E gyle t“: gehaltene;glänzende Denkrede des Dr. Hirschler auf den verewigten Jacob Kern, unter anderen folgendes sagt:! - ) - ' „Dr. Hirschler sprach es mit überzeugender Beredtsamkeit aus,-daß Jacob Kern Bürger, ja Bürger