Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1866)
- Date
- 1866-02-06
- Page
- Seite 87 (sequence 9)
- Language
- German
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' - 87 Vereine gemieden worden: so wird doch jeder Unparteiische zugeben müssen, daß die Zeit noch nicht fern ist, wo dies nicht der Fall war, wo Leidenschaft und Heftigkeit gegen alles Deutsche bei den Israeliten Ungarns die Feder führte und wo über allen Häuptern der schon 'nicht beneidenswerten Lehrer in Ungarn das Schwert der Vertreibung hing. Gottlob, die Zeit ist anders geworden, die Anschauungen und' Gefühle haben sich geklärt und' man vereinigt das feste Streben zur Verbreitung der magyarischen Sprache »mit der Würdigung dessen, was man Deutschland verdankt und schuldig ist. Aber wer verbürgt uns, daß der Fanatismus nicht zurückkehre? daß, wenn etwa der politische Kampf wieder höher anschwillt, nicht auch der feindliche Sinn wieder überhand nehme? Eine gutgemeinte Warnung hiervor ist gewiß noch kein Tadel des Vereins und seiner gegenwärtigen Leiter. Ich füge nur hinzu, daß die Anwesenheit wissenschaftlich gebildeter Männer im Ausschüsse kein absolutes Garantiemittel ist, denn auch solche sind leidenschaftlichen Anschauungen zugänglich. Wie gesagt, wir achten 'den Verein und seine Leiter sehr hoch, wünschen, daß diese ihre Berichte und Mittheilungen Deutschland nicht vorenthalten, halten dafür, daß eine solche Verbindung, für beide Theite nützlich ist, da hierdurch Mißtrauen und Zwietracht immermehr schwinden werden, glaube aber, daß Niemand unfehlbar ist. Schweiz. Bern, 16. Januar. Man kann sich denken , daß man auf die Volksabstimmung über die Artikel der Bundesakte, welche nach dem Vorschläge des National- und des Bund^esrathes revidirt werden sollen, sehr gespannt ist, um so mehr, als die Jntrigue so lebhaft dagegen konspirirte. Bis heute Vormittag 10 Uhr war dem Bundesrathe die Stimmabgabe von ca. 140,000 schweizerischen Bürgern bekannt. Hinsichtlich des Artikels 6, Glaubens- und Cultusfr ei heit haben 86,906 mit „Ja", 61,402 mit „Nein" gestimmt. Man kann voraussetzen', däß noch ungefähr eine-gleiche Zahl ihre Stimmen abgeben werden, und hoffen wir, daß das Verhältniß der Zu- und Dagegenstimmenden mindestens dasselbe bleiben wird. Italien. Aus Oberitalien, 3. Januar. (Privatmitth.) Das Comitö für die europäische Subscription zu Gunsten von Luzzatto's Hinterbliebenen Familien-Gliedern als Tribut der Dankbarkeit gegen den großen Gelehrten, das aus zwei Mitgliedern besteht, Herrn Albert Cohn und Prof. Marco Tedeschi, Rabbiner von Triest, hat bereits seine Ansprache an Gemeinden und Rabbiner versendet, und zur allgemeinen Theilnahme an diesem Liebeswerk aufgefordert. Der;Corriere Jsr. vom 1. l. M. berichtet bereits vorn Beitritte der Padüaner Gemeinde mit 8000 Frcs. — Die Veuetianer Gemeinde setzte für die Wittwe Luzzatto's eine lebenslängliche Pension chon 500 Frcs. jährlich aus. — Soweit es mir bekannt ist, hat das Unternehmen vielen Anklang gefunden, und dürfte auch von einzelnen wohlhabenden Particuliers reichlich unterstützt werden. Die Bibelübersetzung, welche Luzzatto bei seinem Ableben beinahe zu zwei Dritttheilen gebracht hatte, wird von einigen seiner älteren Schüler zu Ende geführt und dem Drrlcke übergeben werden. Im laufenden Monate wird das erste Heft, Josua und Richter, den Pränumerirten, die sich noch bei Luzzatto's Lebzeiten zu 20 Frcs. jährlich auf drei Jahre verpflichtet haben, eingesendet. Natürlich sind aus Pietät für das Andenken S. D. L.'s die Bedingungen unverändert geblieben. —^ Auch Luzzatto's chaldäische Grammatik wird jetzt in Padua gedruckt und dürfte in Kürze erscheinen. Rabbiner Mainster in Rovigo, der in den ersten Sommermonaten des verflossenen Jahres eine Versammlung von Rabbinern Italiens betrieben hatte, ließ im letzten Hefte des Educatore Israelita erklären: daß in Anbetracht mannichfacher Schwierigkeiten, die sich der Ausführung eines solchen Vorschlages entgegeustellten, die vorgehabte Versammlung auf wer weiß wie lange Zeit verlegt wird. Die auf dem Congr'esse von Ferrara ernannte Commission, die wegen Verlegung der italienischen Regierungsfactoren von Turin Nach Florenz, ihr Zelt ebenfalls von jener Stadt in diese übertragen mußte, veröffentlicht ebenfalls im Educatore von diesem Monate die Veränderungen, die im Personale derselben vor-