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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-06 · Heft 6 (6.2.1866) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 6 (6.2.1866)
Date
1866-02-06
Page
Seite 88 (sequence 10)
Language
German
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genommen werden mußten. — Uebrigens heißen die diesjährigen Leistungendieser Commission, die in sieben Punkten aufgezählt werden, .wahrlich nicht besonders viel.! Es sind bereits einige Gemeinden bekannt, welche bei Gelegenheit der Einführung der Civil-Ehe, sowie der Uebertragung des Civilstandes von den Geistlichen an die Municipalobrigkeit, den Beschluß gefaßt haben, nach wie vor über säuuntliche israelitische Geburten, ,Ehen und Sterbefälle Register zu halten, und in den Gemeindearchiven aufzubewahren; eine Maßregel, die meiner Meinung nach, in jeder israelitischen Gemeinde, denen durch, das Staatsgesetz die Civil-Register entwunden werden, eingeführt werden sollte. Es hat die Führung solcher Register, gerade der neuen Verhält- nisse wegen, ungemeine Wichtigkeit. Notize n.*) Im gegenwärtigen italienischen Parlament sitzen zwei Israeliten als Mitglieder, die Herren Samson d'Ancona und der Advokat Tulla Masserani. — Im Parlament zu Melbourne! Australien) haben drei Juden Sitz, die Herren C o h n, L ö w i und Deut.— Die Staatsanwaltschaft in Brünn hat gegen das Wiener Blatt „Wau-Wau" eine Anklage wegen Beleidigung der Juden erhoben. lBisjetzt ist aus solchen Anklagen wenig Erhebliches hervorgegangen.) — Lehrer Klingenstein ist wegen Beleidigung des Lehrers Ottensosser im „Volkslehrer" zu 8 Tagen Gefängniß, 15 fl. Strafe und in die Kosten verurtheilt worden. — Es ist nicht ohne besonderes Interesse, daß der Suez-Canal, wie die Arch. isr. mittheilen, unter der Leitung eines Israeliten seiner Vollendung entgegengeht. Der zum Generaldirektor der öffentlichen Arbeiten in Aegypten ernannte Herr Söiama ist es, welcher die Verbinduug des Mittelmeeres mit dem rothen Meere und dadurch mit dem indischen Ocean vollenden wird. — *) Unter dieser Rubrik werden wir wöchentlich am Schlüsse der Zeitungsnachrichten kleinere Mittheilungen, wie sie sich aus Correspondenzen und Zeitungsblättern i ergeben, und die zu ausführlichen Besprechungen nicht eignen, zusammenstellen. Die Redaction. Goirrespondenz. Brief eines Chinesen. IV. Die Einteilung des'französischen Rabbinats in 3 Klassen, als: Rabbin (Gemeinderabbiner), Grauclrabbin (Großrabbiner eines Confistoriums), und Grandrabbin du consistoire central (Großrabbiner des Centralconsistoriums) ist nicht neu und durchaus nicht von der Revolution erfunden worden; wir finden diese Einrichtung - schon in Oesterreich (resp. Mähren und Böhmen) unter dem Namen Rabbiner, Kreisrabbiner und Landes rabb.iner, und wenn ich nicht irre, besteht diese Vertheilung noch heute zu Tage. — Als es noch gar keine Idee von einer allgemeinen Abstimmung bei den Rationen gab, war sie schon in jüdischen Gemeinden vorhanden; die Gemeinde wählte ihren Rabbiner nach dem Maßstabe seines Wissens und anerkannten Charakters, der Kreis seinen Kreisrabbiner und endlich das Land den Landesrabbiner.' Beschränkungen hinsichtlich der Nationalitätsfrage, wie dies bei den französischen Juden jetzt der Fall ist, wo nur ein Franzose Rabbiner sein darf, kannte man nicht, in der Synagoge ist jeder Jude, welches Landes Bürger er auch sein - mag, Jude; der Ausschlag, besonders für Landesrabbinen, war dessen Wissen und vorangegangener Ruf. Z.B. Prag wählte Nappaport, der aus Galizien stammt, Dresden Frankel, der aus Böhmen kam, Wien nahm Mannheimer, gebürtig in Dänemark, nach Rom wurde vor Jahren einer aus Jerusalem berufen, der später nach Alexandrien kam; so verhielt sich die Wahl dei den Juden, die noch gar keiner Civilisation angehörten und deren Rabbinen sich auf den Jeschibvth herumgeschleppt haben; dieser brachte seine von einem der älteren Rabbinen, dafür aber konnte man sich auch auf dessen! talmudisches Wissen verlassen — so das Eiserne Zeitalter. Später fangen die Juden an andere Wissenschaften zu treiben, sie bestreben sich die Bibel in klassischen: Deutsch zu übersetzen, den Weg hierzu bahnte der große Mendelssohn, ja studieren selbst die alten heidnischen Sprachen und Alterthümer und werden hier einen Demosthenes und Cicero gewahr; der Besuch von Universitäten macht sie auf die Redekunst aufmerksam, v'nddr cetn sagten die jungen Rabbinen, können wir un-

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