Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1866)
- Date
- 1866-01-30
- Page
- Seite 73 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Wett, 12. Januar. Gestern wurde eine Seelenseier für den Bankier Weikersheim unter Anwesenheit * vieler seiner Enkel und der Zöglinge der Anstalt im schwarzverhängten Bethaus 'des 'israelitischen Taubstummen-Jnstitutes abgehalten. Nach den Gebeten hielt ' der Director Deutsch eine leicht faßliche Ansprache „über kindliche Dankbarkeit", und stellte dabei Fragen, welche deutlich und laut beantwortet wurden. Am Schlüsse verrichtete ein Zögling das Kadischgebet klar und vernehmlich, wie es der Verstorbene, welcher keinen Sohn. hinterließ, in seinem Testamente angeordnet hatte. (Bor Jahren hörten wir bei einem Besuche Wiens Zöglinge des Taubstummen-Jnstituts des Herrn Deutsch Hebräisch mit einer verhältnißmäßig bewundrungswürdigen Deutliches vorlesen. Redact.) Aus Südungarn, im Jan. (Privatmitth.) Seitens des Cultusvorstandes in Temesvar wurde ein amtliches Schreiben an die Vorstände in Pest, Ujhelh und Fünfkirchen mit dem Bedeuten abgeschickt, die betreffenden Gemeinden mögen in Gemeinschaft mit der Temesvarer bei der Hoheit Landesstelle Schritte des Inhaltes thun, daß jenen Gemeinden, in welchen Musterschulen sich befinden, bei der Besetzung von Lehrerstellen mehr Freiheit als bisher eingeräumt werde. Dem Rabbiner Hochmuth in Veßprim wurde seitens seiner Gemeinde mit dem Bedeuten gekündigt, daß ein Prediger-Rabbi zu den Luxusartikeln gehöre und man, da von Ausgaben überhäuft, fortan sparen müsse. Krakau, 14. Jan. (Privatmitth.) Während in der Hauptgemeinde seit der berüchtigten Gaboim-Wahl alle Parteien die Hände in den Schoß legen und die Devise im Munde führen: es Ist besser nichts zu thun, als sich um allgemeine Angelegenheiten zu kümmern, wo man nur Kummer und Verdruß erntet, entfaltet die deutsche Tempelgemeinde hierorts seit kurzem eine rege Thätigkeit. Dieselbe ist endlich aus ihrer Lethargie erwacht und fühlt, daß sie angesichts des Treibens in der großen Gemeinde sich enger zusammenschließen muß und alle ihre Kräfte zusammenzurasfen genöthigt sei, um als Muster dazustehen und der Hauptgemeinde auf diese Weise die Spitze zu bieten. In erster Reihe beschloß sie den bis nun auf dem Papiere gestandenen. Krankenpflege-Verein ins Leben zu rufen und wurde zu diesem Behufe eine Commission zum Entwurf eines . Reglements gewählt. Das sehr, passende,. wahrhafte Liebe athmende Reglement wurde in 3 General - Versammlungen berathesk und zum Beschluß erhöben. Der Tempelvorstand beabsichtigt auch einen Beerdigungs- Verein ins Leben zu rufen, allein dieser wird schwerlich zur Ausführung kommen, so lange die Gemeinde keinen besonderen Friedhof hat. Da wir gerade vom Tempel sprechen, können wir es nicht unterlassen eines Mannes Erwähnung zu thun, der sich um. die Hebung des Tempels große Verdienste erwirbt. Es ist dies der Herr Tempel-Jnspector I. D. Jutkowicz. Derselbe widmet ganze Tage der heiligen Sache und legt in seiner Amtswirksamkeit einen solchen uneigennützigen Eifer zu Tage, der alle Anerkennung verdient. Möge der Allmächtige ihm daher seinen Segen spenden. Nachdem der bisherige Secretär Hr. Dr. Blatteiß sein Amt niederlegte, wurde an dessen Stelle Hr. Dr. Blumenstock gewählt. Herr Dr. Blumenstock ist ein Mann von Intelligenz, tüchtig, umsichtig und wohlwollend, hat ein warmes Herz für seine Glaubensgenossen, welche Eigenschaften ihn gerade zum Secretär einer Fortschrittsgemeinde qualifiziren, und giebt man sich der Hoffnung hin, daß unter seiner Aegide größere Ordnung in der Verwaltung vorherrschen wird. Auf Veranlassung eines Mitgliedes wurde auch seit Juli v. Jahres in dem Tempel der tägliche Gottesdienst eingeführt, und wird deshalb derselbe früh und abends besucht. Bis dahin war derselbe die ganze Woche, wie die Thore von Jericho, verschlossen, und war dem Spotte der Großgemeinde preisgegeben. Selbstverständlich sind diese Verbesserungen noch nicht genügend. Es fehlt dem Tempel die Seele. Wir haben keinen Prediger! Wohl könnte die Gemeinde für denselben einige 100 fl. aufbringen, aber für diese Summe könnten wir nur einen mittelmäßigen Prediger erhalten,, mit dem uns wenig geholfen wäre, da er nicht der Großgemeinde imponiren könnte. Wir müssen daher auf bessere Zelten warten. ' Hg. „ Schweiz. Aargau, 15. Januar. (Privatmitth.) Der gestrige Lag war für die gesammte Eidgenossenschaft und ganz besonders für die schweizerischen Israeliten von großer Bedeutung, es wurde nämlich in allen Gemeinden der Schweiz über Annahme oder Verwerfung der von der letzten Bundesversammlung revidirten 9 Punkte der