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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-01-23 · Heft 4 (23.1.1866) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 4 (23.1.1866)
Date
1866-01-23
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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kenntniß muß., unsdarauf hinführen, was wir zu thun; unh; zm untexllrssen'haben,üm der Zeheiffenheit- und Zerklüftung 'unter den jüdischen Gemeinden und Individuen Einhalt thun zu können. — Die Accommodationen nach dem jeweiligen Vorurtheil, Aberglauben, Fanatismus und der Ignoranz eines Gemeinde- — oder Geistlichen — Vorstandes, die man in so viele Bruchtheile, selbst bei jenen Gemeinden seit vierzig Jahren angewendetsieht, die dem sogenannten neuen Cultüs huldigen, müssen ein für allemal aufhören.*) — Eine Accommodation dient, wie die Erfahrung es lehrt, nur als ein Hülfsmitkel bei! einem rohen unwissenden Volke, um das wesentliche und das wahre Gute, das zum Heil der, Menschheit sich bewährt, auch hei diesem Volke annehmbar zu machen, sie wechselte wohl 'nach den jeweiligen' Sitten und CulturzustLrideir der Nationen, aber sie sollte in einer Zeit wie div'ünfritz^; 'wv man jedem Gegenstand den ihm gebührenM'Mrnen^zü geben und auch zu unterscheiden weiß, Wäß/froutlnt) Was nicht frommt, was Werth, was werthlos sei^ ganzsich beseitigt werden.'' '.Dem Einwqude,' den man vielleichtmacht „dass die Äuden, . welche erst das Ghetto verlassen, an'das freie, Licht und geistige Leben sich nicht so. leicht gewöhnen können, und man mit ihnen wie mit eittem'Kinde behutsam umgehen müsse; und hätte — würde maw hinzusetzen — der Gottesdienst, durch die Einführung bes 'kunstgerechten. Gesanges' und der' Predigt nicht bereits "Non;pius 'ultra erreicht?" begegnen wir damit, daß bereits eine Generation vorübergegangen, daß man. dem Ghetto den Rücken gekehrt und auch das erwähnte zu seiner Zeit, gerechtfertigte Mittel angewendet Hat; es stellt sich' aber jetzt die Nothwendigkeit heraus, daß,, um eine wahre Andacht zü erwecken' und dem Gottesdienste eine ' höhere.Weihe , zu geben, die bisherigen Gebete purificirt werden müssen,'— ' ^.Das.Gebet altz Hauptfactor Leim Gottesdienste gibt eigentlichden Impuls,däß der Betende von allem irdischen Sinn sich losringt, seine Gedanken und seinen Geist bloß auf Gott richtet, in ihm nur seine Hoffnung, Stütze und Zuversicht sucht Und auch findet, und als Dank dafür angelobt, sich seiner Güte und Gnade würdig zu machen. Diese heilsatnen Ideen können aber nur solche Gebete anregen',' die mit unserer heutigen Anschauung, Erkenntniß und darauf sich gründenden religiösen Empfindungen m harmvnischem Einklänge stehen. — Kirchengesänge und hauptsächlich die Orgeltöne sind wohl auch die Hebel dazu, aber ber Eindruck der Musik geht ganz verloren, sobald die bisherigen nach dem alten rituellen Schlendrian bestehenden Gebete von Seiten der Gemeinde abgeleiert werden, Wir sagten Bruchth eile, weil die eine Gemeinde alle Prutyn, die andere -nur-.einen Theil.-davon beseitigt, die eine eine Orgel, dre andere keine hat, eine einen Luden als Organist, die .^tlen Christel dazu gewählt. -- Ja manche Gemeinde rühmt-fich schon dem Zeitgeiste ihre volle'Huldigung dargebracht ^^^u,!.':chenn sie die Birne zum Tabernakel -geruckt, und das alte Chasommgeschrei; mit Singer und Baß in seiner Originalltat sortbestehen läßt. ' . . abgesehen davon, daß manche Gebete schnurstracks Mtzch die der Menschheit schuldige Achtung und. Rücksicht- >-vA stoßen. —Man Laut überall die schönsten jüdischen Tempel, ja in Berlin und Paris mit solcher Pracht und Ausstattung, daß sie Kunstdenkmäler dieser Hauptstädte bilden. Und welche innerliche Einrichtung in Beziehung des Gottesdienstes wünscht man ihnen zu geben? Diese Frage' ist leicht zu beantworten! ..Der jetzige Gemeindevorstand in' Berlin, wo ein Mendelssohn gewirkt und wo der Verewigte und seine Schüler und Freunde Licht und Klarheit in die dunkeln Gänge des Judenthums verbreiteten, . wird sich sehr glücklich schätzen dem dortigen repräsentativen Körper die Orgel abgerungen zu haben. Und. Paris! Diese Weltstadt, wo die höchsten liberalen Ideen über Staats-, Kirchen- und Menschenrecht ihren Ursprung nahmen, wo die Juden mit einem Vorsprunge von 60 Jahren gegen , die übrigen Glaubensgenossen in Europa der freien Bewegung sich erfreuten, wo schon . 1807 unter Napoleon dem Großen ein jüdisches Sanhedrin tagte: was ist seit diesem Zeitpunkte, abgesehen von den errichteten jüdischhumanitären Anstalten — die es mit Berlin gemein hat — und der segensreichen Alliance isra&ite, die ihre Wohlthaten auf alle Welttheile ausdehnt, 'was ist, sagten wir, rücksichtlich eines geläuterten Gottesdienstes geschehen? Hamburg und andere deutsche Städte müßten erst vorangehen, ehe man sich zu einer theilweisen.Nachahmung verständigte. Möglich, daß die Nähe von England auf Paris influirt! Es ist dessen Hauptstadt London, wo eine jüdisch-sinancielle Größe erster Claffe erst kürzlich die Trauung seiner Tochter vor Englands höchster Aristocratie mit einem Pomp sonder gleichen feierte, und daber die fromme Thät des Glas;erbrechens'unter dem Trauhimmel zur Ergötzung der Anwesenden ausübte. ein Gebrauch, der heidnischen Ursprungs und schon längst abgeschafft ist. . : Damit wir aber den Vorwurf, wie das Sprichwort sagt: „Kritisiren ist leicht, schwer aber das Bcfsermachen" nicht auf uns laden, erlauben wir Uns. hier in kurzgehaltenen Punktationen unsere unmaßgebliche Meinung als Programm einer Cultusverbefferung anzustellen. r>.) Es wären vor Allem aus dem bisherigen Gebetbuche alle in Beziehung des Opferdienstes bestehenden Gebete darum äuszuscheiden, weil in der civilisirten Welt und insbesondere in der Iudenheit die Anerkennung des eineU einzigen Gottes bereits tiefe Wurzel gefaßt hat; zudem ist -der Opferdienst nach der Religions-Philosophie — zu der auch Maimönides sich bekannte'— mit hem .Begriffe von Gott schwer zu vereinbaren. Unsere Pietät für unsere.Vorfahren, die im Hinblick auf Palästina und seinen ehemaligen Cultus, die Thieropfer, und. die dansit verbundenen anderweitigen Institutionen als sehr' heilig betrachteten, darf sich nicht so weit., erstrecken, daß wir noch solcher Gebräuche, wie der Opferdienst.es ist, der ursprünglich bei den götzendienerischen' Völkern entstanden, erwähnen sollen; andrerseits müssen wir es auch zngestehen, "daß' keine Sympathie für diesen' heidnischen Ge-

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