Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1866)
- Date
- 1866-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Mo 4 der Ällg Zeitg. des Iudenth. Bescheidene dorschläge. (Durch . unvorhergesehene Zufälle verspätet). ' Wie auf dem Gebiete der höheren Wissenschaften, als Jurisprudenz, Pädagogik, Medicin rc. bei Ausübung derselben eine Accommodation nach der jeweiligen Eigenthüinlichkeit des zu behandelnden Volkes oder Individuums öfters stattgefunden, so war es auch, abstrahirend von andern Religionen, auf dem des Iudenthums der Fall. Erkennen wir nämlich die große Autorität des unsterblichen Maimonides als Theolog in dem Maße an, wie ihn sowohl die alte als neue jüdische Orthodoxie als den vorzüglichsten Heroen der Halacha stets im Munde führt, so müssen wir ihm auch beipflichten, daß.selbst der göttliche Prophet Moses die Accommodation bei den jüdisch-religiösen Ceremonialgesetzen in Anwendung gebracht hat. — In More 3. Abtheilung 32. Abschnitt sagt Maimonides ausdrücklich: Moses hatte bei dem in seine Agende einverleibten Opferdienst, der bei allen damaligen fremden Völkern zur Verehrung ihrer Götzen im Gebrauche war, und von dem selbst die Israeliten in Egypten sich nicht trennen konnten, die löbliche Absicht, ihn, nämlich den Opferdienst, auch bei dem jüdischen Volke wohl beizubehalten, aber ihm die Richtung zu geben, daß er sich einzig und allein auf den unsichtbaren Schöpfer des Weltalls beziehe, und diesen Gebrauch auf den Namen des allmächtigen Gottes zu übertragen, damit der Götzendienst vertilgt und der Glaube an die Einheit Gottes befestiget werde. Haben nun später in der talmudischen Zeit, nachdem der Tempel oder die Opferstätte in Jerusalem zerstört, und die Juden zerstreut wurden, die Weisen und Gelehrten Israels, um den Monotheismus zu wahren, das Gebet für die'Opfer substituirt, so wollten sie, umgeben von heidnischen Völkern, es dennoch nicht wagen, den bei den Juden nun bereits abgestellten Opferdienst von seinem ihn umhüllenden Nimbus zu entkleiden, sie schmeichelten vielmehr den Israeliten mit der Hoffnung, daß einst der Opferdienst mit der Rückkehr ins heilige Land wieder hergestellt werden wird. — Erst in der Zeit der Geaunim, wo ein schwacher Dämmerungsstrahl der Gesittung unter den Völkern arabischen Stammes schon zu leuchten begann, und der rohe Götzendienst zum Theil im Abnehmen war, hat eine klarere Erkenntniß bei den damaligen jüdischen Matadoren der Lehre und Wissenschaft Platz gegriffen; es tauchte nämlich, wie wir es bei MairNönides und seinen Commilitonen wahrnehmen, die Idee auf, daß dem Opferdienste als religiösem Institute, eine mindere Wichtigkeit als jedem andern beigelegt werden kann. Wie nun in einer später» Epoche in Europa — wohin ein großer Theil der Juden bei ihrer Auswanderung sich wendete — das Christenthum sich mehr und mehr ausbreitete, und die Häupter dieser neuen ReligionHeils aus Eigennutz, theils aus Fanatismus das rohe christliche, Volk aufstachelten, um die Juden mit Plünderung und Mordthaten öfters, heimzusuchen und zu Verfölgen, konnten die Letz? teren, gequält und gemartert von allen Seiten, nicht zü dem Selbstbewußtsein gelangen, um in Ruhe ihre Gotteslehre mit der Philosophie — die nicht allein unter den Weisen Griechenlands, sondern auch unter den Israeliten ihre Anhänger zählte — weil sie eben das wahre Juhenthum stützt — in Einklang zu bringen. — Der. Verzweiflung ganz anheim gegeben, und ohne Hoffnung aus dem gedrückten Zustande herauszukommen, klammerten sich vielmehr die Inden an die Hoffnung, die ihnen, wie bereits erwähnt, die Talmudisten gaben, nämlich die der einstigen Rückkehr nach Palästina, wo der Opferdienst in seiner ehemaligen Glorie wieder eingesetzt werden wird..— Eine neue Aera hat am Ende des vergangnen Jahrhunderts begonnen. Die Freiheit, Gleichheit, hat sich allgemein Bahn gebrochen, und Dank der gütigen Vorsehung und den liberalen Regierungen, sie finden allmählig Anerkennung.— Schon erfreuen wir uns zum großen Theile derselben Rechte, welche die anderen christlichen Glaubensgenossen schon, längst besaßen. — Wir bedürfen der tröstlichen Hoffnung einer Erlösung von dem uns äuferlegten schweren Joche und der Rückkehr ins gelobte , Land wie sie unsere unglücklichen Vorfahren achtzehn Jahrhunderte hindurch zur Ermuthigung und Ausdauer hegten , nicht mehr, und geben lieber als Aequivalent der Hoffnung Raum, daß dem Judenthume seine, weltgeschichtliche Stellung und Mission meist zuerkannt werden und die Judenheit, durch ihre Gesittung, Veredlung und Vervollkommnung, wie durch ein tadelloses Leben ein Vorbild für andere Völker abgeben wird. — Um aber zu diesem Ziele zu gelangen, das den Manen unserer Altvordern, die schuldlos so viel gelitten, die volle Genugthuung gäbe, bedarf es Seitens der Judenheil einer wahren richtigen Erkenntniß ihrer selbst, ihrer religiösen und socialen Zustände und ihrer synagogalen Institutionen, wir meinen alle jene Elemente, die das Grundwesen des Iudenthums nicht berühren, denn dieses ist in seiner Göttlichkeit' und Erhabenheit unangreifbar und unverletzlich. 'DieseHr-