Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1866)
- Date
- 1866-01-23
- Page
- Seite 57 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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nett Versammlung, Mer den erwähnten Gegenstand 'persönlich undganz vertraulich Rücksprache gepflogen, und halte-es als weine Pflicht Ihnen die feierliche Versicherung zu geben, daß dieses Gerücht völlig grundlos ist und daß überhaupt die Beratung ganz anderer Zwecke wegen abgehalten wurde." , . .Wir sind wohl nicht neugierig was die Dunkelmänner, deren Einfluß sich Höchstens auf ihre nächste Umgebung, die auf einer noch Liefern Stufe der Bildung steht, beschränkt, berathen; aber wir sind froh damit, daß sie die Emanzipationsfrage aus dem Spiele ließen — und dem Justizrath Wagener in Berlin keinen Succurs geliefert haben. Wir hielten die Nachricht gleich anfänglich als eine Zeitungsente, weil selbst ein R. Hillel Szikßo gegen die Emanzipation nicht aufzutreten wagt. In dieser Angelegenheit, so groß die Kluft zwischen den Parteien ist, sind alle Juden Ungarns eines Sinnes! Jedenfalls hat die Nachricht die schädliche Wirkung gehabt, daß sie den Blättern zu Spott und Hohn Anlaß gegeben — und die Obskuranten aus ihren Schlupfwinkeln aufgeschreckt hat. Leider hat-jüngst eine sogenannte Fortschrittsgemeinde die Aufmerksamkeit der Presse in nicht sehr ehrbarer Weise auf sich gezogen. Die Gemeinde zu Weßprim hat vor ungefähr einem Jahre eine prachtvolle Synagoge mit großem Kostenaufwande, der die Kräfte der Gemeinde bei weitem überstieg, erbaut. Bei deren Einweihung kam es zu einem kleinen Zerwürfnisse im Schooße des Vorstandes, weil eine Fraction desselben es durchsetzte, daß die Einweihungsfeier dem Hrn. Rabbiner- L. Löw in Szegedin übertragen wurde. Trotz des Protestes des Weßprimer Rabbiners Hr. A. Hochwuth, eines sehr geachteten und gelehrten Mannes, wußte es Hr. Löw doch durchzusetzen, daß ihm die Einweihungsrede zugetheilt wurde, während der Ortsrabbiner, der ebenfalls in ungarischer Sprache eine Rede hielt, die, beiläufig bemerkt, sich des allgemeinsten Beifalls .erfreute, eine untergeordnete Rolle spielen mußte und am Schluffe als Anhängsel seine Rede zum Besten gab. Dieses Kleine unliebsame Ereigniß ist zu einem so mächtigen Streit herangewachsen, daß dem Rabbiner Hochmuth, welcher 7—8 Jahre in Weßprim zur allgemeinen Zufriedenheit bereits wirkt, von Seite des Vorstandes in der schmählichsten Weise gekündigt wurde.' Voll' Schadenfreude hat Ben Chananja, die unlautere - und ttübe Quelle aller Gemeindezerwürfnisse und alles ChiÜni Haschern, wie MNgsthw ein geistreiches Blatt diese Zeitschrift trefflich bezeichnete, diesen traurigen Vorfall verbreitet — und Herr Hochmuth sah sich dadurch gezwungen die ganze Angelegenheit zu seiner Rechtfertigung der Oeffentlichkeit zu übergeben. Als ein merkwürdiges Aktenstück theilen wir Ihnen daraus die Kündigung mit, wo es nach der Eingangsformel heißt: „Der gef. Vorstand wurde daher, nach reiflicher Erwägung und Prüfung aller Verhältnisse und Umstände zu dem traurigen Entschlüsse gedrängt, für einen Zeitraum von wenigstens 10 J ahren, gleich dem insolvent gewordenen Kaufmann, sich alles Schmuckes und aller Zierden zu entblößen und allen Luxus abzulegen, und demnach einen Rabbiner-Prediger und Chor-Kantor, die nur zur Zierde des Gottesdienstes bestimmt sind, entbehren zu müssen, was auch schon der frühere. Vorstand mit seinem Beschlüsse der Herabsetzung des Rabbinergehaltes angedeutet hat. Diesen Beschluß sieht sich der gef. Vorstand Ew. Ehrw. mit tiefem Bedauern und mit der Bemerkung zur Kenntniß zu bringen veranlaßt, daß nach 6 Monaten von heute Ihre Wirksamkeit als Rabbiner in hiesiger Gemeinde aufhört." Weßprim am 24. November 1865. Der Vorstand: G. Weiß. — Wir überlassen es dem Leser die Motivirung dieses Schriftstückes zu beurtheilen und benrerken nur, daß die Gemeinde circa 250 Familien zählt und von dem isr. Schulfonds durch die Gnade des Kaisers eine jährliche Subvention von 800 fl. kürzlich erhalten hat. Das Gehalt des Rabbiners ist 105 0 fl. und derselbe wollte auf eine kleine Reduzirung auch eingehen, da er keine Kinder hat und eher zu Opfern sich herbeilassen kann. Hr. Rabbiner Hochmuth hat bereits gegen diese Kündigung, da dessen Anstellung eine definitive sein soll, eine Klage bei den Behörden eingebracht und es ist zu hoffen, daß die Behörde dem Rabbiner volle Gerechtigkeit wiederfahren lassen wird. Auch ein Theil der Gemeinde, ungefähr 50—60 Gemeindeglieder, haben einen Protest gegen den Vorgang des Vorstandes eingebracht. Aber leider ist wenig Aussicht vorhanden, daß sich die Sache gütlich beilegen lassen wird. Es fehlt freilich Herrn' Hochmuth an Beileidsbezeigungen und Theilnahme nicht (so hat die Bezirksgemeinde zu Kula, woselbst Hr. Nab. H. 10 Jahre als Rabbiner sehr ehrenvoll wirkte , demselben eine warme Adresse überreicht unÜ veröffentlicht); allein diese Schritte ziehen, nur 'die