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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-01-23 · Heft 4 (23.1.1866) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 4 (23.1.1866)
Date
1866-01-23
Page
Seite 55 (sequence 9)
Language
German
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werden. sie me ganz erkennen. Ihre eigensten Züge verhüllt uns die Hitze des Kampfes, ihre besten Intentionen verdeckt der. Widerspruch und wohl auch die Leidenschaft; und geringe Schwächen, die wir gewahr werden, verhindern uns, die Tugenden zu sehen, deren Segen wir doch mindestens an den reichlich reifenden Früchten erkennen sollten. Har aber ,ein unerbittlicher Tod den Braven entrückt, so umdüstert der. Schmerz unseren Blick, daß er nicht fähig bleibt, die-Gestalt des Abgeschiedenen in Wahrheit zu sehen, er sieht, nur die Lücke, welche entstanden. En schlechter Richter ist der Kummer, und nur Thränen ziemen dem Sarge. War es früher der Werktagsgnzughinter dessen Staub und Flecken wir den Menschen nicht erkannten, so ist das Feierkleid, Pas der Tod um ihn geworfen, wieder geeignet, unser Urtheil zu trüben; und Mancher stimmt um so lauter mit dem Chore der Preisenden, je weniger er sich sagen darf-.dem Lebenden gerecht gewesen zu sein. Endlich kommt sie, die Zeit der Verklarung, wo weder . Haß noch Liebe die reinen Züge verwischen, wo die Leidenschaft längst verstummt, der Schmerz nur in leisen Anklängen nachzittert, wo der Verstorbene in den reinen Aether entrückt, und hier unten für ihn die Nachwelt beginnt.". . , Ferner: „Ich will es nicht verschweigen, man hat uns . Häufig zum Vorwurfe gemacht, man hat es als .ein. Zeichen der Prahlerei gedeutet, wenn wir auf Den und Jenen, der sich, unter seinen Mitmenschen hervorgethan, als auf unseren Glaubensgenossen hingewiesen, als auf Einen, der gleich uns treu dem Glauben' der Väter, das ihm von Gott verliehene Talent zu. Mitz und Frommen der Menschheit gepflegt und geübt, hat; , man hat es uns verübelt, wenn wir jubelnd, in die Welt hinausriefen, daß Dieser unvergängliche Schätzen des Wissens aus der Tiefe seines Geistes, hervorgeholt, Jener für die unveräußerlichen Rechte der Menschheit auf. der Wahlstatt verblutet hat, daß-der Eine im hohen Rache der Ersten seines Landes das Wohl der Heimath fördern hilft, daß der Andere dem Leben der Mitwelt durch die Vollkommenheit der. Kunst unvergleichlichen. Reiz ertheilt. Man verdenkt, uns diese reine. Freude, wie man in allen Dingen, gewöhnt ist,., für uns einen andern Maßstab zu haben, als für die übrigen - Menschen. Vse victis! heißt es auch hier. Wir Haben es lange, dulden müssen, daß unsere. Anhänglichkeit an pen Glauben der Väter zrmi Starrsinn, unsere Demuth zur Kriecherei, unser Selbstbewußtsein zur Frechheit, unser Fleiß zumSchacherstnn verketzert worden ist! Und so war es auch keine Prahlerei und kein eitles Glänzenwollen mit gefeierten Namen: es war die natürliche Sehnsucht eines in alle Weltcheile zerstreuten Volksstammes, der unlöschbare Durst nach der geistigen Heimath, welche den Juden von jeher aufjauchzen gemacht, wenn der Ruhm eines Glaubensgenossen durch die moralische Wüstenei zu ihm drang, in welche ihn ein unerbittliches Schicksal verdammt hat; es war ihm der unerwartet vernommene Laut der Muttersprache, welcher dem in der Fremde lange umherirrenden Flüchtling Thränen der Rührung entlockt; es war aber zugleich der ferne Posaunenschall, welcher ihm die nahende Zeit , der Verheißung vor die bange Seele gerückt hat." Von hier ab entrollt uns Herr H. das Bild des edlen Mannes, der unermüdlich auf dem dreifachen Gebiete des patriotisch-socialen Lebens, des Judenthums und der Wohlthätigkeit wirkte, und ebenso der Gründer der Pester Lloyd-Gesellschaft und des Journals des „Pester Lloyd", der Handelsakademie u. s. w., wie der Förderer aller jüdischen Interessen, des Cultus; der Schulen, der Stifter vieler wohlthätigen Vereine war und dabei der Privatwohlthätigkeit in einem unübersehbaren Maße oblag. Lemberg, 7. Jan. (N. fr. Pr.) In der gestrigen Sitzung des hiesigen Gemeinderathes wurde das.bereits sattsam bekannte, noch aus dem Jahre 1863 herrührende und seither in seinen principiellen Bestimmungen unverändert gebliebene Gemeindestatut für die Stadt Lemberg in dritter Lesung angenommen. Bei §.34 (im ursprünglichen Projecte §. 44), welcher bestimmt, daß der Gemeinderath der Stadt Lemberg aus 85 christlichen und 15 israelitischen Mitgliedern, bei einem Zahlenverhältniß der christlichen und israelitischen Einwohnerschaft wie 2: t, zu bestehen habe, erhob sich namens der Israeliten Advocat Hönigsmann und ermahnte die christliche Majorität zur Stellung entsprechender Amendements. . Er selbst wolle keinen Gegenantrag stellen, da dies nach dem Resultate der frü-- Heren Berathungen doch nur vergebliche Mühe wäre; er wolle aber nur erinnern, daß der Lemberger Gemeinderath vergeblich gegen den Zeitgeist ankämpfe, und daß die Israeliten sich mit Hilfe dieses Zeitgeistes eine bessere Stellung in der Gemeinde, mit oder ohne Zu?

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