Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1866)
- Date
- 1866-01-16
- Page
- Seite 40 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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Alttg der Orgel an den hohen Feiertagen mit Mißvergnügen ausgenommen haben, aber die Unzufriedenheit war nicht allgemein und hat die Gemeinde niemals mit Spaltung bedroht. Nur die Minorität hat einige Klagen laut werden lassen, aber diese Minorität hat sich über alle in den Cultus eingeführten Neuerungen beklagt. Selbst die Abschaffung des Mizwoth- Verkaufes, hat sie nicht lautes Geschrei bei den Anhängern des/alten Cultus hervorgerufen! Auch ist es wohl war, daß im Augenblicke, wo der Großrabbiner die Kanzel bestiegen hat, am ersten Tage des Sukkoth, sich Viele zurückgezogen haben; aber um ihr Betragen zu erklären, hat man nicht nöthig, große Phrasen über Orthodoxie und Reform zu machen. Leider, leider handelte es sich keineswegs um ein empörtes, verletztes Gewissen, sondern ganz einfach und allein war es eine Frage des Magens. Man war hungrig, man hatte den Segen über den Lulab ausgesprochen, man erwartete mit Ungeduld das Ende des Gottesdienstes, um zu frühstücken, und da wagt der allzu eifrige Großrabbiner, ihrem Appetit entgegenzütreten und den Gottesdienst zu verlängern, nach der schon so unendlich langen Dauer des Gottesdienstes am Festtage! Sicher ist, daß die Predigt bei uns in Frankreich ' in keinerlei Bedeutung des Wortes populair ist. Sie ist zu sehr aus gearbeitet, zu gelehrt, zu akademisch, und gewöhnlich bewegt sie sich nur in tausendmal wiederholten. Wahrheiten, in Allgemeinsätzen, die Niemanden; interessiren. Von der anderen Seite fiitb bie ©efcete i so lang , daß im' Augenblicke, wo die Predigt beginnt,: das Publikum schon ermüdet ist. Was ist da zu thun? Man muß die Gebete abkürzen, und die Predigt wahrhaft lehrreich, erbauend und nützlich machen, indem man ihr, besonders in den Landgemeinden, den Stem- ' pel der Einfachheit aufdrückt, und aus den wirklichen gegenwärtigen religiösen Bedürfnissen die Thematas zu den Predigten nimmt. Paris, 1. Januar. Die Arch. isr. enthalten eine Correspondenz aus Tunis, welche energisch den übertreibenden Gerüchten über die unglückliche Lage und -die Mißhandlung unserer Glaubensgenossen im Staate des Betz entgegentritt. Wenn auch allerdings, nachdem die Constitution durch den Aufstand der Araber wieder beseitigt ist, die Lage der Juden keine begünstigte ist, so doch auch keine unglückliche, und der Bey ist stets bereit, Klagen abzuhelfen, die vor ihn gebracht I- ■ ■; werden. Die Unwissenheit und Rohheit der eingeborenen Juden selbst trüge nicht wenig Schuld. Besonders warnt der Correspondent wie Alliance israölilc universelle, jedem ihr zukommenden Berichte, Glauben zu schenken, sondern erst dann einzuschreiten, wenn sie volle Beweise für die Thatsachen in den Hätchett habe. ^Es lagen da Jntriguen zu Grunde,um das Derhältniß. Frankreichs zum Bey zu verwirren. ' Schon hätte die Alliance, wenn auch in der. besten Absicht, einige Fehltritte darin gethan, und dies würde ihr Ansehen untergraben. Declamationen, die sich hinterher als leer - erweisen, bewirken das Gegentheil dessen, was sie beabsichtigen. : : . ’ •' Nancy, imDecember. Der „Courrier de La Mosel! e“ berichtet aus einer benachbarten Stadt: Es besteht in dieser Stadt ein Comits von Damen, beauftragt durch das. Wohlth ätigkeitsbüreaü, wöchentlich den ArmenlGaben zu vertheilen und halbjährige Sammlungen zu veranstalten. Der Pfarrer des Ortes, man weiß nicht warum, prasidirt ihrer Versammlung. Am vergangenen Samstag fand eine Sitzung statt, um diejenigen Damen zu wählen, die mit der Sammlung für Ostern beauftragt werden sollen. Eine israelitische Dame, ein Muster aller Tugenden, die zu diesem Comits gehört, wurde von ihrer Nachbarin zur Wahl vorgeschlagen. Der Herr Pfarrer sagte, daß es nicht ginge, weil diese Dame Israelitin sei, ausgenommen, wenn sie sich blos bei den Israeliten zur Sammlung vorftellte. Die Dame, von dieser Unterscheidung sehr betroffen, erwiederte mit Würde dem Herrn Pfarrer, daß, was sie beträfe, sie keinen Unterschied zwischen Christen und Juden mache; daß sie die Almosen ohne Unterschied des Glaubens vertheile, daß sie denke, daß die Barmherzigkeit keine ändere Fahne haben sollte, daß sie'autorisirt sein würde, indem sie sich auf die Gefühle des Herrn ’ Pfarrers stütze, ihre Verfahrüngsweise zu ändern, und alle Hilfsmittel für die'israelitischen Familien zu bestimmen; allein' daß sie sich glücklich schätze, einer Religion^ anzügehören, die ihr größmüthigere Gesinnungen einflöße, Gesinnungen übrigens , die sie auch bei den Vorgängern des Herrn Pfarrers angetröffen, welche sie''gewählt hätten , um die allgemeinen Sammlungen vAzunehmen. Der Herr Pfarrer mußte wohl einseherr, daß er einen falschen Weg eingeschlagen, und erwiederte, daß, wenn seine Vorgänger also verfahren wären, er keine ■ Einwendungen mehr; zu machen habe.' ■ ■ ';; ' ■