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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-01-16 · Heft 3 (16.1.1866) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 3 (16.1.1866)
Date
1866-01-16
Page
Seite 39 (sequence 21)
Language
German
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Schweiz. Ueber die Revision der schweizerischen Bundesverfassung wird der augsb. Mg. Ztg. geschrieben: „Der Anstoß zur Revision unseres Bundesvertrages von 1848 war 'ein von außen kommender. Die große Mehrzahl der Schweizer, wohl bewußt, daß ihr Vaterland dieser Bundesverfassung sein Ansehen nach außen und sein Wohlergehen im Innern verdankt, hätte noch lange nicht daran gedacht, dieselbe zu revidiren. Der kürzlich abgeschlossene Handelsvertrag mit Frankreich machte diese Revision nothwendig. Es wurde zur Ehrensache für das Schweizervolk, den schweizerischen Israeliten die nämlichen Rechte durch die Bundesverfassung zu gewähren, welche den französischen Israeliten durch den Handelsvertrag eingeräumt worden. Einigen politischen^ Heißspornen kam die Gelegenheit wie gerufen, aus den ruhigen Gewässern wieder einmal ein kleines Ungewitter herauszupeitschen. Windstille auf politischer See hieß für sie Versumpfung. Siebenzehn Jahre eine unrevidirte Verfassung, siebenzehn Jahre so zu sagen die - gleichen Männer am Steuerruder des Staatsschiffes — das war ihnen ein Gräuel. Sie schrieben „Entwickelung des demokratischen Princips", „Vermehrung der Volksrechte" auf ihre Fahne. Die eidgenössischen Räthe traten zusammen. Die Heißsporne fanden da nur geringen Anklang. Man begnügte sich mit Revision des sogenannten Judenartikels und einiger anderen, z. B. über Maß und Gewicht, über literarisches und künstlerisches Eigenthum, über die Rechte der Niedergelassenen. Da kam.der widrige Rhniker- Handel. Man war allgemein empört über die barbarische. Justiz der Urner; insbesondere waren bte protestantischen Bevölkerungen erbittert. Ein köstlicher Glücksfall für unsere Verfassungsstürmer l Schnell wurde ■ in der Bundesstadt eine Volksversammlung znsammengetrowmelt , um eine Pression auf die versammelten Räche auszuüben. Aber vorgekommene Uebertreibungen brachen dieser Demonstration die Spitze. Die Räche ließen sich nicht im gewünschten Maße terrorisiren. Mt dem Lotterieverbot-Artikel und der Bestimmung, daß der Bundesgesetzgebung die Competenz ertheilt werden solle, gewisse Strafarten (Prügel) als unzulässig zu erklären, ließ sich das Bestehende keineswegs auf den -Kopf stellen. . Was, nun anfangen? fragten sich die Heißsporne. Erstens die revidirten Artikel bei der Volksabstimmung verwerfen; zweitens 50,000 Unterschriften sammeln, wodurch verfassungsgemäß die Abberufung des bestehenden Natioualrathes und eine Gesammtrevision eingeleitet werden könnten. Hierzu bedarf es jedoch der Mitwirkung der Massen. Also vor Allem Alliirte suchen. Sie ^finden sich; es ist aber ein gar buntes wunderlich zusammengewürfeltes Volk, beinahe wie in Wallenstein's Lager. (Hierauf fährt der Berichterstatter mit der Schilderung der die Opposition zusammensetzenden Parteien fort, die uns hiernicht weiter interessirt. Er hofft, daß das Volk selbst vernünftig genug sein wird, am 14. Januar die ihm vom Bundesrath vorgeschlagenen Revisionsartikel anzunehmen, und damit allen Jntriguen die Spitze abzubrechen. Merkwürdig wäre es, wenn dies nicht geschähe, welch ein Schicksal die Gleichstellung der Juden in. der Schweiz hätte. Bei all ihrer Harmlosigkeit, da die schweizerischen Juden ja nur eine so geringe und einflußlose Zahl ausmachen, veranlaßt sie also immer von Neuem einen politischen Sturm in der Schweiz, und setzte unwillkürlich die Bundesverfassung in Frage. Jndeß darf man nicht vergessen, daß es viel weniger die Juden selbst sind, als das der ganzen Angelegenheit zu Grunde liegende Princip der Glaubensfreiheit, welches die Verwirrung verursacht. Es ist hier im Kleinen und Schwächlichen, wie es mit der Sklavensrage in der nordamerikanischen Union war. Ein auf Freiheit basirter Staat läßt sich nicht in einem wesentlichen Momente der Freiheit mit dem geraden Gegencheil vereinbaren. Dies ist wie ein Aussatzstoff in einem sonst gesunden Organismus, der um Jenes willen so lange kritischen Bewegungen unterworfen ist, bis er ihn glücklich aus- und abgestoßen hat. Die Redaction.) Frankreich. Straßburg, im Dec. Wir hatten nach den Arch. isr. berichtet, daß in Straßburg innerhalb der Gemeinde eine Spaltung ausgebrochen, besonders durch die Einführung der - Orgel hervorgerufen. Eine Correspondenz der Arch. isr. berichtigt jetzt diese Mittheilung, und wir geben sie daher hier wieder. Es heißt: Die Sache war viel weniger bedeutend, als man Ihnen geschrieben. Es ist wohl wahr, daß Viele die Einfüh- 3

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